Auto & Innovation

Erster Fahrbericht: Der neue Subaru Impreza

20.11.2017

Als Nachfahre des legendären Rallye-Weltmeisterautos Impreza WRX hat der Subaru Impreza der Autoszene einen großen Namen. Doch im deutschen Straßenbild war er bisher kaum zu sehen. Daran wird sich wohl auch in der aktuell 5. Generation nicht viel ändern – obwohl er eine ganze Reihe sehr interessanter Qualitäten mitbringt. Im Testfahrt-Vergleich: Der Impreza mit dem 1.6- und 2.0-Benzinmotor. Plus: Alle technischen Daten, Fakten und Preise

Rein statistisch ist die Wahrscheinlichkeit, das Brot-und-Butter-Auto Subaru Impreza im Straßenverkehr zu sehen, nur halb so groß wie die, einen sündhaft teuren Bentley Continental zu entdecken. Warum das so ist? Für viele Käufer ist der Impreza schlicht zu langweilig – abgesehen von der Sportversion WRX. Dabei hat das Auto einiges zu bieten. Vor allem den Allradantrieb, der in jedem Modell serienmäßig verbaut ist und nicht nur bei Eis und Schnee, sondern immer, wenn größtmögliche Traktion gefragt ist, gebraucht wird.

Im neuen Subaru – ab sofort im Handel – kann der serienmäßige Allradantrieb entweder mit einem 1,6 Liter großen Benzinmotor mit 114 PS oder einem 2,0-Liter-Aggregat mit 156 PS gepaart werden. Den 1.6 gibt es ab 21.980 Euro, den 2.0 ab 26.980 Euro. Doch lohnt es sich, für den stärkeren Antrieb immerhin 5000 Euro mehr auszugeben?

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Kleiner Motor, wenig Durchzugskraft

Tatsächlich fühlt sich der 1,6-Liter-Basisbenziner enttäuschend schwach an. Denn die 114 PS stehen erst bei der extrem hohen Drehzahl von 6200 Umdrehungen zur Verfügung. Bis 3000 Touren fehlt dem Motor jeglicher Biss. Wer etwa einen Beschleunigungsvorgang beim Überholen auf der Landstraße einleiten möchte, muss im Impreza 1.6 das Gaspedal voll durchtreten. Dann aber wird’s unangenehm: Eben noch ganz laufruhig, heult der Motor plötzlich mit großem Lärm auf. Ursache dafür ist der Drehzahlsprung des CVT-Getriebes („Lineartronic“), das zum Beispiel auch im Toyota Prius zum Einsatz kommt – eine Kraftübertragungs-Technik, die Beschleunigungsphasen nervtötend werden lässt. Einziger Ausweg für den Fahrer: Jegliche Ambitionen beherzten Gasgebens fallen zu lassen.

Wer darauf nicht verzichten will, sollte also auf jeden Fall zum 2,0-Liter-Motor greifen. Dieser entwickelt seine maximale Leistung von 156 PS auf dem Papier zwar auch erst bei 6000 Kurbelwellen-Umdrehungen, fühlt sich aber in jeder Drehzahlregion deutlich gelassener und kräftiger an: Hier zeigt sich das Plus von 46 Newtonmetern Drehmoment. Am angenehmsten aber ist die Leistungsentfaltung, wenn der Fahrer die Gangwechsel durch manuellen Eingriff selbst bestimmt. Im Gegensatz zum 1.6-er bietet der 2.0-er Schaltwippen am Lenkrad sowie eine manuelle Gasse am Automatikwählhebel an. Damit können sieben Schaltstufen nach Gusto gewählt werden. Im direkten Vergleich eine Wohltat.

Mehr Auswahl auf der Antriebsseite wird es für den Impreza auf absehbare Zeit nicht geben: Weder ein Dieselmotor noch ein herkömmliches Schaltgetriebe sind geplant. Letzteres wäre auch nicht möglich, weil es nicht kompatibel zum serienmäßigen Fahrerassistenzsystem „Eyesight“ ist. Eyesight nutzt mit seiner Stereokamera am Innenspiegel einen adaptiven Tempomaten, der den Abstand zum Vordermann regelt und dazu auch selbstständig bremst oder beschleunigt. Doch das klappt eben nicht in Kombination mit einem Schaltgetriebe. Allerdings funktionierte aktive Spurhaltung des Eyesight-Systems während der Testfahrten ohnehin nicht in allen Situationen fehlerfrei. Darauf angesprochen erklärten Subaru-Techniker, es könne vorkommen, dass das System nicht reagiere, wenn die Fahrspuren zu schmal wären.

Primus im japanischen Crashtest

Eine große Stärke des neuen Subaru Impreza ist das Fahrwerk. Der Japaner zieht in schnellen Kurven erstaunlich sicher und leicht beherrschbar seine Bahn. In Kombination mit der direkten Lenkung und einer sehr verwindungssteifen Karosserie fühlt er sich handlich und agil an. Hier spürt der Fahrer die Gene des historischen Impreza aus dem Motorsport: Der WRX war Mitte der 90er Jahre fast unschlagbar in der Rallye-Weltmeisterschaft.

Absolut auf der Höhe der Zeit ist die neue, mittlerweile fünfte Impreza-Generation in puncto Sicherheit. Mit 199,7 von 200 möglichen Punkten erreicht der Allradler im japanischen Crashtest das beste Ergebnis, das jemals erreicht wurde. Per Video (siehe oben) belegt Subaru, dass die Fahrgastzelle den Frontalaufprall eines 2,5-Tonnen schweren Unfallgegners fast unbeschadet übersteht – und das bei einer Geschwindigkeit von 90 km/h. Für Subaru-Geschäftsführer Christian Amenda steht deshalb fest: „Das Thema Sicherheit soll unser Markenkern werden.“

Daten & Fakten (Herstellerangaben)

Subaru Impreza 1.6 Trend Lineartronic
Motor: 4-Zylinder-Boxermotor, 1600 cm3, 84 kW/114 PS, 150 Nm bei 3600 U/min
Fahrleistungen: 11,8 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 180 km/h
Verbrauch: 6,2 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 140 g/km
Maße: L 4,46/B 1,78/H 1,48 m
Kofferraumvolumen: 385 - 1310 l
Preis: ab 21.980 €

Subaru Impreza 2.0 Comfort Lineartronic
Motor: 4-Zylinder-Boxermotor, 1995 cm3, 115 kW/156 PS, 196 Nm bei 4000 U/min
Fahrleistungen: 9,8 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 205 km/h
Verbrauch: 6,6 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 152 g/km
Maße: L 4,46/B 1,78/H 1,48 m
Kofferraumvolumen: 385 - 1310 l
Preis: ab 26.980 € 

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: PR.

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