Tuningmesse SEMA: Zwischen 30-Zoll-Rädern und 1000 PS

17.1.2019

Einmal im Jahr treffen sich Autonarren und Tuningfirmen bei der SEMA Show in Las Vegas. Auf der größten Tuningmesse der Welt zeigen Hersteller und Schrauber ihre Neuheiten – und es geht laut zu

Sema Tuningmesse 2018 Auto
Fast & Furious: Das Motto vieler Tuner
  • Die SEMA in Las Vegas ist das Tuning-Mekka für US-Autofreaks
  • Trends für 2019: Bicolour-Lackierungen und bunte Folierungen
  • Hot-Wheels-Sonderschau zum 50-jährigen Geburtstag der Spielzeug-Marke

 

Der Geruch von verbranntem Gummi ist schon ein paar Straßen entfernt zu riechen. Weiße Rauchschwaden wabern durch Las Vegas. Die Spielerstadt im US-Bundesstaat Nevada steht Kopf. Eigentlich wie immer. Denn in Las Vegas wird mehr gefeiert als gearbeitet. In den Casinos der großen Hotels servieren lächelnde Bedienungen den Touristen, Rentnern und Zockern rund um die Uhr kühle Drinks und animieren die Besucher der Wüstenstadt zum Spielen.

 

Die SEMA findet immer im November statt

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Sema Tuningmesse 2018  Dodge
Basis für den "Little Dead Wagon" war ein Dodge A100 Pick-up von 1964 

Immer im November wird es besonders laut. Dann, wenn bei der weltgrößten Tuning-Messe Speciality Equipment Market Association (SEMA) Tuner und Hersteller ihre modifizierten Fahrzeuge vorstellen. Marken wie Ford, General Motors und Chrysler unter anderem mit Jeep, Dodge, RAM beherrschen die drei Messehallen, darunter mischen sich Hersteller wie Honda, Lexus, Nissan und Toyota. Doch die traditionellen Big-Block-V8 kommen nun mal aus den USA. 

Doch die SEMA ist weit mehr als Tuning – sie ist ein Event für autoverrückte Amerikaner, die mit Elektromobilität wenig anfangen können und für die ein hochgezüchtete V8 mehr Klangerlebnis bietet als ein Konzert von Bruce Springsteen. Neben den frisierten und hochglanzpolierten Fahrzeugen gibt es hier Neuheiten zu Werkzeugen, Werkstatt-Ausstattungen, Oldtimer-Restauration, Pflegeprodukten und Zubehör. Kurz: Ein Paradies für Autofans. 

Irre Umbauten bei der Hot-Wheels-Sonderschau

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Sema Tuningmesse 2018 Max Max Auto
Ritterhelm mit 1000 PS und Klimaanlage: Tony Battersons "Medieval One"

In der South Hall Upper reihen sich hochgepumpte Pick-up-Trucks und Geländewagen mit rauem Strukturlack aneinander. Sonderfahrwerke und Camping-Zubehör für die Wildnis präsentieren Hersteller neben speziellen Reifen mit extra grobem Profil für den Schlamm. Eine Etage tiefer genau das Gegenteil: Ultraflache Lowrider mit hochglanzpoliertem Blech oder im rostigen Vintage-Style mit Klarlack überzogen schnüffeln dicht über der Straße.

Ein Trend für 2019: Es wird bunter. Bicolour-Lackierungen oder Folierung fürs Blech und zweifarbige Räder werden beliebter. Auch die Räder wachsen, 34-Zoll-Räder sind keine Seltenheit. Es würde noch größer gehen, wenn die Reifenindustrie passendes Gummi liefern könnte. Deshalb glänzt die 42-Zoll-Felge in der Halle nackt und verlassen im Scheinwerferlicht. Auf den Speicherkarten der Kameras landen aber auch die klassischen Hot Rods und Classic Cars auf dem Gelände. Extremumbauten mit viel Chrom, Airbrush und kompressorgeladenen V8-Motoren sind eine Augenweide.

Bei der Hot-Wheels-Sonderschau zum 50-jährigen Geburtstag parken Fahrzeuge, bei denen jeder TÜV-Prüfer eine Migräneattacke bekommen würde. Den Mediaval1 baute Tony Batterson vor zwei Jahren, das Gefährt ist eine Mischung aus Fisch und Endzeitstimmung: Harpunen und Schuppen aus Metall verzieren das Blech, unter der Haube sitzt ein aufgeladener V8 mit bis zu 1.000 PS. "Sieht seltsam aus, fährt sich aber toll. In der Kabine habe ich sogar eine Klimaanlage", sagt Tony Batterson aus Miami. Auch er schnuppert gerne die SEMA-Luft, war schon sehr häufig hier.

Bilder: Die schönsten Stücke der Tuning-Messe

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"Keiner will das gleiche Auto fahren wie sein Nachbar"

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Sema Tuningmesse 2018  Driften
Keine US-Automesse ohne Drift-Shows: Hier ein getunter Ford Mustang

Auf einer der großen Freiflächen nebenan zeigen derweil Stuntfahrer ihr Können: Im Highspeed-Drift umrunden sie hintereinander einen Parcours, weißer Qualm zieht über die Fläche – die Menge grölt. Der typisch amerikanisch dünne Kaffee im Pappbecher in der Hand zieht lustige Vibrationskreise, während die V8-Motoren wummern.

Pietro Gorlier, Mopar-Chef von Fiat Chrysler Automobils (FCA), zu dem auch Dodge zählt, begeistert vor allem die Vielfalt der Messe. Ein Grund, warum sich die Mopar-Tuning-Sparte (Mopar steht für Motor Parts, also Motorteile) von FCA einen großen Auftritt gönnt. 

Rund 90 Prozent der amerikanischen Kunden würden bei Marken wie Jeep, Chrysler oder Dodge ihr Fahrzeug verändern und individualisieren. Das reiche von Einstiegsblechen oder Verzierungen im Innenraum bis zum kompletten Motorumbau. "Kein Autofan will doch das gleiche Auto fahren wie sein Nachbar. Er will sich durch sein Auto unterscheiden, seine persönliche Note ins Fahrzeug bringen, es sich für sein Fahrverhalten und Alltag optimieren", sagt Gorlier.

7,0 Liter Hubraum und über 1000 PS - für Oldtimer

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Sema Tuningmesse 2018 Auto
Über 1000 PS: Der Hellephant-Motor von MOPAR macht's möglich

Dafür wird es den neuen Austauschmotor von Chrysler nicht geben. Für Fahrzeuge bis Baujahr 1976 lässt sich der neue 426-Hemi-7,0-Liter-V8 mit neuem Kompressor einsetzen – mit 1.014 PS Leistung und 1.288 Newtonmeter Drehmoment. Kein Wunder, dass der 426er-Motor den Spitznamen "The Hellephant" trägt. Für die richtige Stimmung lässt Mopar-Chef Gorlier den V8 auf der Bühne laufen. Es knallt, bollert und dröhnt, die Zuschauer jubeln. Ab nächstem Jahr wird der Motor verkauft, steckte dieses Jahr schon in einem 1968er Dodge Supercharger Konzeptauto. Gorlier zeigt stolz diese neue Kreation, spendiert nach der Vorstellung Freibier auf dem Stand – für alle Besucher.

Ford gibt sich dezenter und zeigt einige Derivate des Mustangs. Kleinere Tuner sind in Sachen Leistungssteigerung kreativ und experimentierfreudig. Bei ihnen gibt es keine PS-Grenze auf der nach oben offenen Skala. Power, bis der Boden bebt. Ob das so bleibt? 

Als Trend sieht Tuning-Experte und Mopar-Chef Pietro Gorlier in Zukunft mehr Service, mehr Vernetzung, aber auch mehr Leistung. Ob es die künftig auch mit Plug-in-Hybriden oder Elektrofahrzeugen geben wird, verrät er nicht. Das Wummern der V8-Motoren würden die Besucher der SEMA dann allerdings vermissen.

 

Text und Fotos: Fabian Hoberg

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