Royal Enfield Classic 500: Testfahrt mit dem Retro-Bike

21.8.2018

Klassisch-britisches Design aus indischer Herstellung: Reichen 27 PS aus einem 500er Einzylinder dem Biker von heute? Fahrbericht unserer Test-Redaktion. Plus: Daten und Preise

Royal Enfiel Classic 500
Die Lackierung ”Squadron Blue“ stammt vom Militär
  • Die Classic 500 EFI erfüllt die Euro-4-Norm und ist technisch up to date
  • Preis des Motorrads im Oldtimer-Look: knapp 6000 Euro
  • 130 km/h Spitze sind mit Geduld und viel Anlauf drin

 

Schräglagenwinkel, Beschleunigung, Bremsweg, Durchzugskraft – in vielen Kategorien verliert die Royal Enfield Classic 500 EFI nahezu jeden Vergleich. Gerade deshalb stellt sich die Frage: Wie fühlt es sich an, mit dem gemütlich vor sich hin tuckernden, 27 PS ”starken“ Einzylinder-Motor durchs Land zu cruisen? Soviel vorneweg: Es fühlt sich erstaunlich gut an. Ob es aber wirklich zu echter Freude reicht?

Die Marke ist Kult

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Royal Enfiel Classic 500
Die 0,5-Liter-Maschine aus Indien ist eine sehr schmale Erscheinung

”Sie braucht ihre Zeit. Und die gibst Du ihr gerne.“ Bernhard Peintner von ”Iwan-Bikes“ in Pfaffenhofen ist ein erfahrener Royal Enfield-Händler. Er weiß, welche Spezies Motorradfahrer auf ein Bike wie die Classic 500 abfährt: ”Es sind meist junge Männer Mitte 20. Die Enfield ist ihr einziges Motorrad.

Sie genießen den Kultstatus der Marke. Manchmal ist sogar schon der Opa Royal Enfield gefahren. “Man muss aber nicht erblich bedingt verblendet sein, um die Produkte des klassisch-englischen, inzwischen jedoch rein indischen Herstellers zu mögen.

Wir nehmen Platz auf dem 800 mm hohen Schwingsattel einer zweisitzigen Royal Enfield Classic 500 EFI Squadron Blue. Das seidig matte Blau steht der klassischen Schönheit mit ihren vielen Chromteilen richtig gut. Zum Anlassen haben wir die Wahl zwischen E- und Kick-Starter. Und siehe da: Überschaubare 27,2 PS und 41,3 Nm Drehmoment können tatsächlich Spaß machen.

Technische Daten
Royal Enfield Classic 500 EFI
Motor Luftgekühlter Viertakt-Einzylinder-Motor, Hubraum 499 ccm, Leistung 20,3 kW/27,2 PS bei 5950 U/min, max. Drehmoment 41,3 Nm bei 4000 U/min, Fünfganggetriebe
Fahrleistungen Höchstgeschwindigkeit 128 km/h, 0-100 km/h k.A.
Fahrwerk Einschleifen-Stahlrohrrahmen, Teleskopgabel vorne Ø 35 mm, hinten Stahlschwinge mit zwei Gasdruck-Federbeinen
Bremsen Vorn Einscheibenbremse Ø 280 mm, hinten Einscheibenbremse Ø 240 mm, ABS
Reifen Vorn 90/90-19, hinten 110/80-18

Maße/

Gewicht

Tankinhalt 13,5 Liter, Sitzhöhe 800 mm

fahrfertig 195 kg, zulässiges Gesamtgewicht 365 kg

 Preis 5990 Euro

Puristisches Analog-Cockpit

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Royal Enfiel Classic 500
Analoge Schlichtheit statt Digitalisierung

Man muss sich allerdings darauf einlassen. Im ersten Moment verwirrt so einiges am indischen Retro-Bike. Beispiel: Das äußerst simple, voll-analoge Cockpit. Es wirkt auf den modernen, Connectivity-verwöhnten Motorradfahrer erschreckend schlicht – mit wenigen Kontrollleuchten, die bei Tageslicht kaum erahnen lassen, ob sie nun brennen oder nicht.

Oder das Anfahren: Zwar mit leichtgängiger Kupplung, jedoch auch mit teigiger Fünfgangschaltung. Und dann der Einzylinder: Dessen Langhubigkeit, eigentlich eine Garantie für Kraft im Drehzahlkeller, ändert nichts daran, dass sich die 195 kg schwere Fuhre nur gemächlich in Bewegung setzt. Allerdings lässt sie sich dann recht schaltfaul bewegen, während sonores Knattern die nostalgische Fahrt untermalt.

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Royal Enfield: Geschichte einer Motorrad-Legende

Royal Enfield wurde 1901 gegründet und ist die älteste durchgehend produzierende Motorradmarke der Welt. Die Produktion in England endete 1970 mit einer Pleite. Seither entstehen die Traditions-Bikes beim ehemaligen Importeur Madras in Indien, der bereits seit 1953 Maschinen montiert.

Seit 1994 firmiert "Enfield India" wieder als "Royal Enfield" und exportiert Motorräder in alle Welt. Neben den klassischen Einzylinder-Bikes gehören heute der klassische Café Racer Continental GT 535 und die neuen Zweizylinder-Bikes Interceptor und Continental GT 650 zur Modellpalette.

Höchstgeschwindigkeit ca. 130 km/h

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Royal Enfiel Classic 500
Faszinierend, wie viel Fahrspaß man mit nur 27 PS haben kann 

Schon nach wenigen Kilometern macht sich mehr und mehr innere Ruhe breit. Ein erhabenes ”cooles“ Gefühl übermannt einen. Jedem PS-hungrigen Zweifler möchtest man nun breit grinsend zuflüstern: ”Wem jagst Du da hinterher?“ Dem Royal-Enfield-Fahrer genügt das Hier und Jetzt auf dieser Maschine, die ihn mit viel Anlauf mit bis zu knapp 130 km/h über die Straße tragen kann.

Die Verzögerungswerte sind zwar so, dass man wirklich vorausschauend bremsen sollte – aber genau diese Art der entschleunigten Fortbewegung ergibt sich auf der Royal Enfield Classic 500 EFI wie von selbst. Auch wenn ihr ein paar PS mehr vielleicht ganz gut stehen würden, ohne ihren Charme zu schmälern. Aber hier begnügen wir uns mal mit 27,2 PS bei 5250 U/min.

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Einfaches Konzept mit wenig Elektrik

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Royal Enfiel Classic 500
Klassisch: Starr montierte Fußrasten und die großflächige Fußbremse

Royal Enfield gilt als älteste produzierende Motorradmarke der Welt. Seit 2009 werkelt in der Classic 500 ein neuer luftgekühlter Einzylinder, der seit 2017 die Euro-4-Norm erfüllt. Trotz moderner Komponenten wie der Einspritzung von Keihin gönnt sich der Motor jahrzehntelang bewährte Details wie eine untenliegende Nockenwelle und eine Ventilsteuerung via Stoßstangen und Kipphebel.

Das Konzept des gesamten Motorrads ist überzeugend simpel. So beherbergt der linke Seitenkasten nicht nur die überschaubare Elektrik, sondern auch ein Bordwerkzeug samt Reifenmontierhebel.

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Große Reichweite und geringer Verbrauch

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Royal Enfiel Classic 500
Die Maschine gibt es mit Einzelsitz oder für den Soziusbetrieb

Am Wohlfühl-Faktor, den die Royal Enfield Classic ausstrahlt, ändern auch kleine Ausrutscher nichts. Dazu gehört  der manchmal ungut schwingende Sattel mit seinem nicht gerade rutschfesten Bezug. Oder die etwas eigenwillige Sitzposition mit weit vorne liegenden Fußrasten und einem ganz schön breiten Tank. Der schluckt trotz seiner ausladenden Dimension nicht mehr als 13,5 Liter. Aber 2,9 l/100 km Herstellerangabe erweisen sich als realistisch, und so kommt man mit einer Füllung immerhin rund 450 km weit.

Geteilte Freude ist oft doppelte Freude: Wer sich mit der 500 EFI durch die Straßen bewegt, erntet häufig bewundernde oder zumindest freundliche Blicke – auch von den Autofahrern, an denen er sich gerade vorbeischlängelt.

Text und Fotos: Ralf Schütze.

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