Range Rover Evoque: Fahrbericht und Crashtest

11.4.2019

Der neue Range Rover Evoque ist optisch kaum verändert, aber deutlich luxuriöser. Fahrbericht unserer Test-Redaktion mit technischen Daten, Bildern, Preisen und dem Ergebnis des Euro NCAP-Crashtests

Range Rover Evoque schräg von vorne und fahrend
Die Länge des Range Rover Evoque hat sich nicht geändert
  • Neue Antriebe mit 48-Volt-Mild-Hybrid
  • Verlängerter Radstand für mehr Platz hinten
  • Preisliste beginnt ab 37.350 Euro

Wenn man bei einem komplett überarbeiteten Erfolgsmodell zwei Mal hinsehen muss, um es als Neuheit zu identifizieren, dann könnte es langweilig sein. Oder der Hersteller hat alles richtig gemacht – so wie Land Rover beim neuen Evoque. Die SUV-Stilikone, die für viele andere Premium-Konkurrenten im Segment zum Vorbild wurde, hat sein markantes Bild zwar behalten, zeigt aber durch den umgestalteten Innenraum einen ganz neuen Charakter. 

Der Range Rover Evoque ist der erste Coupé-SUV

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Range Rover Evoque schräg von hinten und fahrend
 Markant: Die abfallenden Dachlinie mit stark aufwärtsstrebender Gürtellinie 

Dass aktuelle SUV nicht mehr nach Schmutz und Abenteuer aussehen, sondern eher mit Oper und Latte Macchiato assoziiert werden, verdanken die ehemaligen Geländewagen auch dem Range Rover Evoque. Seine erste Generation interpretierte vor sieben Jahren – vor allem in der dreitürigen Version, die es wohl nicht mehr geben wird – das SUV-Segment mit seiner coupé-artigen Silhouette komplett neu. Und wurde mit weltweit 800.000 Käufern zum echten Erfolgsmodell.

Optisch wurde das Design-Prinzip  mit der stark abfallenden Dachlinie bei gleichzeitig stark aufwärtsstrebender Gürtellinie nicht geändert. Neu sind extrem schmale Matrix-LED-Scheinwerfer vorne und dazu passende Heckleuchten mit dynamischen Blinkern sowie ausfahrbare Türgriffe, die bündig in der Karosserie verschwinden.

Ein zentrales optisches Element sind auch die großen Räder mit 20- oder 21-Zoll-Durchmesser, die statt der ebenfalls erhältlichen 17- und 18-Zöller bei der ersten Fahrpräsentation auf allen Testautos montiert waren. Ein gewagtes Unterfangen, denn in der Regel leidet der Komfort des Fahrwerks darunter enorm. Doch nicht beim Evoque: Federn und Dämpfer funktionierten auch auf den mitunter holprigen Straßen rund um Athen hervorragend. Allerdings werden für die schönen Dickschlappen auch zwischen 2500 und 3300 € Aufpreis fällig…

Klar gegliederter Innenraum

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Cockpit des Range Rover Evoque
Edel gemachtes Cockpit mit hochwertigen und nachhaltigen Materialien

Passend zur dynamischen Karosserie dominieren auch im Innenraum jetzt glatte, übersichtliche Flächen und betont minimalistisch gehaltene Linien – erinnert irgendwie an einen Volvo, der sich nach England verirrt hat. Die verwendeten Materialien fühlen sich sehr hochwertig an und sind – darauf ist Land Rover stolz – auch nachhaltig: Zum Beispiel das neue Eukalyptus-Textilgewebe als Alternative zum klassischen Leder oder Kunststoffe aus Recycling-Material.

Bedient wird der Evoque über das neue Touch Pro Duo mit zwei großen Touchscreens. Hat man einmal die grundlegende Logik erfasst, gelingt das sogar recht einfach. Auf hausgemachte Lösungen für die digitale Anbindung verzichtet Land Rover inzwischen wieder: Apple CarPlay und Android Auto sind jetzt – wie bei den Konkurrenten – erste Wahl. Und bis zu acht Endgeräte können über den LTE-Hotspot gleichzeitig ins Netz gehen.

An neuer Technik bringt der Evoque eine "durchsichtige" Motorhaube mit. Dank eines ausgeklügelten Kamerasystems sieht der Fahrer auf seinem Display den Bereich unter dem Vorderwagen, was bei schwierigen Geländepassagen genauso hilfreich sein soll wie beim Einparken in enge Lücken.

Noch nicht ausprobieren konnten wir bei den ersten Testfahrten die "Smart Settings", die der Evoque als erstes Land Rover Modell besitzt. Sie nutzen Künstliche Intelligenz, um die Vorlieben des Fahrers zu lernen und dann jeweils alle Einstellungen auf die Lieblingsposition einzustellen oder Verkehrsstörungen auf dem Weg zu häufig angesteuerten Zielen zu melden.

Mehr Radstand für mehr Platz

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Rückbank des Range Rover Evoque
Der größere Radstand sorgt für mehr mehr Kniefreiheit hinten

Im Vergleich zum Vorgänger wurde der Evoque nicht länger. Weil er aber auf der neuen Stahl-Plattform von Jaguar Land Rover aufbaut, verlängerte sich der Radstand, was vor allem den Fondpassagieren zugute kommt: 20 Millimeter mehr Knieraum klingen nach nicht viel, sind aber deutlich spürbar. Der Einstieg nach hinten bleibt durch die abfallende Dachlinie und die hohen Radhäusern freilich etwas beschwerlich.

Die coupé-hafte Karosserieform mit ihrer hohen Ladekante ist auch schuld daran, dass der Evoque kein wirklicher Lademeister wird: Das Kofferraumvolumen wuchs zwar um 16 Liter auf 591 Liter, doch hier bietet die Konkurrenz mehr Platz. Immerhin fasst das Heck 1383 Liter, wenn die im Verhältnis 40:20.20 geteilte Rückbank umgeklappt wird.

Vorne genießen Fahrer und Beifahrer auf gut geformten Sitzen ein sehr großzügiges Raumgefühl. Gegen Aufpreis (im Fahrassistent-Paket 1300 €) mit einer absoluten Neuerung in dieser Klasse: Dem "ClearSight Smart-View"-Innenrückspiegel, der sich auf Knopfdruck in einen hochauflösenden Video-Bildschirm verwandelt. Er zeigt das Bild einer auf dem Dach montierten, nach hinten gerichteten Kamera mit einem großen 50-Grad-Sichtfeld. Prinzipiell prima – allerdings spiegeln sich je nach Sonnenstand der Kopf des Fahrers manchmal zusätzlich. 

   

Mild-Hybrid mit allen Motorvarianten

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Range Rover Evoque fährt durch eine große Pfütze
Der neue Evoque hat alle elektronischen Geländehilfen an Bord

Die neue Plattform wurde für elektronische Antriebe konzipiert – und so nutzt erstmals auch der Evoque in allen Motorvarianten mit Automatik als 48-Volt-Hybrid einen Riemen-Starter-Generator. Die beim Bremsen oder Verzögern entstehende Energie leitet er an einen im Unterboden platzierten Akku und nutzt den gespeicherten Strom, um den Motor beim Beschleunigen zu unterstützen und so Sprit zu sparen.

Die Motorenpalette mit sechs Antrieben wurde vom Jaguar E-Type übernommen: Drei Benziner von 200 PS (ab 43.600 €) bis 300 PS (52.400 €) und drei Diesel von 150 PS (37.350 €) bis 240 PS (48.400 €). Bei unseren ersten Testfahrten konnten wir den Sd4-Turbodiesel mit 240 PS und den Si4-Benziner mit 250 PS (ab 47.800 €) fahren, beide kombiniert mit einer fein schaltenden 9-Gang-Automatik und Allradantrieb. 

Und allen Unkenrufen zum Trotz: Auch wenn der Benziner gut zum eleganten Evoque passt, ist der laufruhige und durchzugsstarke Selbstzünder unsere erste Wahl. Dank SCR-Kat und Euro 6d-TEMP-Norm ist er mit einem Verbrauch von 6,3 l/100 km (Herstellerangabe!) auch ökologisch eher zu empfehlen.

Stichwort Umwelt: 2020 erweitert ein noch effizienterer Plug-in-Hybrid die Evoque-Triebwerkspalette. Erstmals soll auch sparsamer Dreizylinder-Benziner für Vortrieb sorgen. Und wenn das standesgemäß gelingt, wäre der Evoque in dieser Fahrzeugklasse mal wieder Trendsetter.

  • Das hat uns gefallen: Durchzugsstarke, laufruhige Motoren, sanft schaltende 9-Gang-Automatik, komfortables Federverhalten, sicheres Fahrverhalten, großzügiges Raumgefühl vorne, hochwertige Materialien, gute Geländegängigkeit        
  • Das hat uns nicht gefallen: Unbequemer Einstieg nach hinten, nur durchschnittlicher Kofferraum mit hoher Ladekante, adaptives Fahrwerk nur gegen Aufpreis    

Range Rover Evoque Crashtest-Ergebnis: 5 Sterne

Der Range Rover Evoque erreicht volle 5 Sterne. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder fast ausnahmslos gering bis sehr gering. Beim Heckanprall besteht ein mittleres Verletzungsrisiko für die Halswirbelsäule in der zweiten Sitzreihe. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung, für den Beifahrersitz sind sie nicht erhältlich. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der Evoque ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet. 

Hier finden Sie den ausführlichen Crashtest-Bericht des Range Rover Evoque.

Diese Motoren gibt es

Motor  Leistung  Verbrauch  Preis
Si4 AWD Aut.  147 kW/200 PS  7,8 l Super/100 km, 178 g CO2/km  43.600 € 
Si4 AWD Aut.                    184 kW/250 PS  7,8 l Super/100 km, 178 g CO2/km  47.800 € 
Si4 AWD Aut.                      221 kW/300 PS  7,8 l Super/100 km, 178 g CO2/km  52.400 € 
Td4 FWD/AWD 6-Gang/Aut.                     110 kW/150 PS  5,4/5,6 l Diesel/100 km, 143/149 g CO2/km  37.350/42.500 € 
Td4 AWD Aut.                      132 kW/180 PS  5,8 l Diesel/100 km, 152 g CO2/km  44.600 €
Td4 AWD Aut.         177 kW/240 PS  6,3 l Diesel/100 km, 165 g CO2/km  48.400 €

 

Text: Thomas Kroher. Fotos: Land Rover.

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