Porsche Mission E Cross Turismo: Erste Testfahrt im Elektro-Crossover-SUV

7.6.2018

Tesla hat das Model X, und Jaguar begeistert gerade mit den Elektro-SUV I-Pace. Reichlich spät kommt da der neue Zuffenhausener Hoffnungsträger in Sachen Elektroauto. Mit 600 PS und 500 km Reichweite will der Mission E Cross Turismo das sportlichste Crossover auf dem Markt werden. Erster Fahrbericht im Prototypen, dazu Zahlen, Daten und Fakten

Ein alter Mercedes SL, ein Ferrari California, zwei, drei Lamborghini, Bentley und Rolls-Royce  – auf dem Parkplatz des Restaurants Nobu in Malibu trifft sich die Haute Voiture von Los Angeles. Doch diesmal hat niemand einen Blick dafür. Alles starrt auf ein Auto, das es eigentlich noch gar nicht gibt: Drei Monate nach der Premiere in Genf gönnt Porsche dem Mission E Cross Turismo einen kurzen Ausflug in die Wirklichkeit und schickt die elektrische Studie auf Testfahrt über den Pacific Coast Highway und durch die Hollywood Hills.

Crossover aus SUV, Kombi und Coupé

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Porsche Mission E Cross Turismo fährt durch schöne Landschaft
Fast schon ein Markenzeichen: Das durchlaufende Leuchtband am Heck

"Wir wollen herausfinden, ob und wie das Konzept bei unseren Kunden ankommen würde", sagt Baureihenleiter Stefan Weckbach über den Crossover aus Kombi, Coupé und SUV. Er soll nach der für Ende 2019 avisierten Mission-E-Sportlimousine zum zweiten Meilenstein auf dem Weg in die elektrische Porsche-Zukunft werden. Und er soll beweisen, dass es keinen Verbrennungsmotor braucht, um mit einem Porsche Spaß zu haben.

Dafür gibt es kaum einen besseren Platz als das Küstengebirge rund um Los Angeles. Und natürlich hat das Nobu eine ganze Reihe von Ladesäulen. Doch in einem Landstrich, in dem das Leben zwischen Bergen, Beach und Boulevard stattfindet und der einzige elektrische Geländewagen das klotzige Model X ist, gibt es dafür umso mehr Bedarf für ein Lifestyle- und Freizeitauto, das eleganter ist und trotzdem einen größeren Aktionsradius hat.

Und wer einmal mit einem Akku-Auto durch den Topanga-Canyon oder über den Mulholland-Drive gefahren ist, der weiß, wie segensreich das gewaltige Leistungs- und Drehmomentniveau eines Elektroautos ist.

Erst recht, wenn auf der Haube ein Porsche-Wappen klebt und die Ingenieure nicht gekleckert, sondern geklotzt haben: Zwei Motoren mit zusammen über 600 PS garantieren einen Sprint von 0 auf 100 in weniger als 3,5 Sekunden. Und wenn es in den Hollywood-Hills eine hinreichend lange Gerade gäbe, würde der Cross Turismo mehr als 250 km/h schaffen, verspricht Weckbach.

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Schon gefahren & bewertet: Elektro-SUV Jaguar I-Pace

400 PS, 4,8 Sekunden auf 100 km/h, 480 km Reichweite, Allradantrieb: Der Jaguar I-Pace hat das Zeug zum Tesla-Jäger. Noch vor Audi e-tron, Mercedes EQ, Porsche Mission E und BMW iX3 kommt das edle britische Elektroauto im August 2018 auf den Markt. Wir konnten ihn schon probefahren.

Testfahrt Jaguar I-Pace: So gut ist der neue Elektro-SUV

Denn egal mit welchem Motor er angetrieben wird, ein Porsche muss immer wie ein Porsche fahren, sagt der Entwickler, während die Studie handlich und leichtfüßig durch die Kurven fräst: Scharf und präzise schneidet der Cross Turismo entlang der Ideallinie und vor allem ungeheuer schnell.

Es dauert deshalb nur ein paar Minuten, dann fühlt man sich der variablen Kraftverteilung zwischen den Achsen dank der Allradlenkung und dem spontanen Antritt eher wie im einem Elfer als im Panamera – dabei misst das Showcar fast fünf Meter und wiegt deutlich mehr als zwei Tonnen.

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Batterie: 90 kWh, Reichweite: 500 km

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Frontansicht: Unverkennbar ein Porsche – mit modernsten Lichtsystemen

Kein Wunder, dass man plötzlich wie im Rausch durch die Canyons rast und gar nicht mehr raus möchte aus dem Karussell von Kurven und Kuppen. Muss man auch nicht, sagt Weckbach. Zumindest nicht so schnell. Schließlich steckt im Wagenboden ein Akku von runden 90 kW/h Kapazität, der auf dem Prüfstand für mehr als 500 Kilometer reichen soll und selbst bei dieser Fahrweise locker 300 Kilometer hergeben dürfte.

Wenn es dann doch mal eng wird, kann man ihn zumindest in der Theorie mit der richtigen Power binnen 15 Minuten wieder aufladen. Aber so vertraut sich der Cross Turismo einerseits nach Porsche anfühlt, so fremd wirkt er zugleich. Denn es fehlt der Sound. "Power of Silence", nennt Weckbach diese ungewohnte Sinneserfahrung.

Stille war auch das Leitmotiv für die Gestaltung des Interieurs, in dem nichts die Aufmerksamkeit des Fahrers ablenken soll. "Wir haben das Anzeige- und Bedienkonzept auf ein absolutes Minimum reduziert", erläutert Interface-Entwickler Gantimur Meissner und weist auf das digitale Cockpit, in dem es außer direkt am Lenkrad keinen einzigen analogen Schalter mehr gibt.

Alles, was im Cross Turismo zu steuern und zu regeln ist, erledigt man über Sensorfelder und Touchscreens und alles, was einem das Auto mitzuteilen hat, erscheint auf den drei Bildschirmen hinter dem Lenkrad, in der Mittelkonsole und vor dem Beifahrer, der erstmals ein eigenes Display bekommt.

Obwohl alles frisch und fremd ist, wirkt es zugleich vertraut. Denn ein paar Konstante hat Meissner in die neue Zeit gerettet: Eine grafische Darstellung der Beschleunigung erinnert an den bei Porsche immer dominanten Drehzahlmesser. Und natürlich gibt es den Startknopf links vom Lenkrad.

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Der "kleine" Bruder: Porsche Mission E

Mit dem Misson E erfindet sich Porsche komplett neu. Erste Erfahrungen der Motorwelt-Test-Redakteure mit dem Elektro-Sportwagen. Ab 2019 soll er zu Preisen ab etwa 90.000 Euro erhältlich sein – eine Kampfansage an Teslas Model S. Dazu: Alles über Reichweite, Batterie und technischen Daten. Außerdem ein exklusiver Einblick in die futuristische "Produktion 4.0" im Zuffenhausener Stammwerk.

Erste Testfahrt im Elektro-Sportwagen Porsche Mission E

Kommt der Mission E Cross noch 2020?

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Von der Seite wird das Crossover aus Kombi, Coupé und SUV besonders deutlich

Natürlich ist im Cross Turismo noch vieles Zukunftsmusik, und wie bei jeder Designstudie braucht man Phantasie, wenn man den Beschreibungen der Entwickler folgt. Doch anders als die meisten Showcars rollt der Porsche nicht nur, sondern fährt tatsächlich. 70, 80, zwischendurch auch mal 100 km/h sind locker drin, wenn die Cops aus dem Begleittross mal ein Auge zudrücken.

Und obwohl die Software des Bedienkonzepts noch den Demomodus in Dauerschleife abspult, wirkt zumindest die Hardware im Cockpit greifbar. "Das kommt davon, wenn man nicht bei null anfangen muss", sagt Weckbach. Denn statt von Hand ein Auto für die Messe zu bauen, hat er einen Prototypen des eigentlichen Mission E als Basis genommen. Dessen Entwicklung ist bereits auf der Zielgeraden, und in 18 Monaten soll er als extrem sportliche Limousine auf den Markt kommen.

Die enge Verwandtschaft bei Antrieb und Ausstattung hat nicht nur der Studie gutgetan, sie könnte auch das Serienmodell beflügeln. "Im Grunde müssten wir nur einen neuen Hut über die Plattform stülpen", sagt Weckbach. Das geht vergleichsweise leicht und vor allem schnell, so dass der Cross Turismo als geräumigere Alterative mit vier vollwertigen Sitzen und einem durch die erhöhte Bodenfreiheit erweiterten Aktionsradius schon ein Jahr nach dem elektrischen Erstling bei den Händlern stehen könnte.

Text: Thomas Geiger. Fotos: PR.

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