Fahrbericht Porsche Cayenne E-Hybrid: Was leistet der Plug-in-SUV?

17.5.2018

Noch im Mai 2018 kommt der neue Cayenne als Plug-in-Hybrid. Für rund 90.000 Euro bietet die Variante zum Laden an der Steckdose mehr Batteriekapazität für mehr Reichweite, einen leistungsfähigeren E-Motor als beim Vorgänger und mit dem Dreiliter-V6-Benziner starke 462 PS. Alle Fakten, technische Daten und Preise

Porsche Cayenne E-Hybrid fahrend
Porsche Cayenne E-Hybrid: Als Plug-in darf er das E-Kennzeichen tragen

Porsche? Klar, bei dem Namen denkt jeder spontan an den legendären 911er, an PS-starke Motoren und dynamisches Handling. Aber Elektrofahrzeuge? Kommt man nicht gleich drauf. Und doch war Porsche mit dem Cayenne S Hybrid schon 2010 Elektrifizierungs-Pionier im SUV-Segment, legte 2014 mit dem S E-Hybrid sogar die Plug-in-Variante zum Aufladen nach. Mit der Einführung der dritten Cayenne-Generation dieses Jahr sollte es natürlich wieder einen Plug-in geben – allerdings nicht als Ersatz (wie das Gerücht ging), sondern als Ergänzung für das Dieselangebot.

 

Ladedauer: Zwischen 2,5 und acht Stunden

Während die Leistung des Dreiliter-V6-Benziners im Vergleich zum Vorgängermodell nur moderat um sieben auf 340 PS angehoben wurde, kommt die E-Maschine jetzt mit 136 PS auf 43 Prozent mehr Power als zuvor. Auch die Batteriekapazität stieg um rund 30 Prozent auf 14,1 kWh, doch mehr elektrische Reichweite als maximal 44 Kilometer sind trotz des größeren Akkus nicht drin. Denn der neue Cayenne übernimmt wie der Panamera E-Hybrid die vom Supersportwagen 918 Spyder abgeleitete Boost-Strategie. Die sorgt dafür, dass der E-Motor dem Benziner in allen Fahrmodi zusätzlichen Leistungsschub gibt. Und das kostet eben Strom.

Am besten wird die Batterie natürlich vor Fahrtantritt vollgeladen. Das dauert an der normalen Haushaltssteckdose immer knapp acht Stunden, per Schnellladung im besten Fall 2,5 Stunden – wenn man sich für den optionalen 7,2 kW-On-Board-Lader statt der 3,6-kW-Variante (vier Stunden) entschieden hat. Ist der Akku leer, kann er mit der Taste E-Charge auch während der Fahrt geladen werden. Und dafür ist der 7,6 kW-Lader ebenfalls schneller.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

 

In 5 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Gestartet wird rein elektrisch im Fahr-Modus "E-Power", der maximal 136 PS sowie 400 Nm zur Verfügung stellt und bis 135 km/h Höchstgeschwindigkeit aktiv bleibt. Doch schon im E-Modus kann der Fahrer den Verbrennungsmotor zuschalten, wenn er einen spürbaren Druckpunkt des Gaspedals übertritt. Wird der Mindestzustand der Batterie für den E-Power-Modus unterschritten, wechselt der Cayenne auf "Hybrid Auto", was je nach Fahrsituation beide Antriebe einzeln oder gemeinsam nutzt. Komplett leistungsorientiert sind die Modi "Sport" und "Sport Plus": Hier läuft der Verbrenner immer, der E-Motor boostet zusätzlich – wenn’s denn sein muss bis Tempo 253 km/h.

Der Boost, wenn sich der Verbrenner beim beherzten Tritt aufs Gaspedal zuschaltet, ist enorm: Mit 700 Newtonmetern Drehmoment springt der 2,3-Tonner in fünf Sekunden auf 100! Doch spätestens dann sollte entspanntes Bummeln angesagt sein, um das perfekte Zusammenspiel zwischen Verbrenner und E-Motor zu genießen – in diesem Punkt war das Vorgängermodell noch unausgewogener.

Gut zu dieser lässigen Charakteristik passt auch die perfekt schaltende Achtgang-Wandler-Automatik von ZF, für die sich Porsche im Cayenne im Gegensatz zum Doppelkupplungsgetriebe des Hybrid-Panamera entschieden hat: Der SUV kann so auch 3,5-Tonnen-Anhängelasten ziehen.

Das Bedienkonzept ist gewöhnungsbedürftig

Zoom-In
Auch beim Plug-in-Hybrid gibt es zwei mächtige Auspuffrohre

Das serienmäßige Luftfahrwerk mit Adaptivdämpfern ist wegen des höheren Fahrzeuggewichts sehr straff abgestimmt, bügelt aber – wenn nicht gerade 22-Zoll-Reifen montiert sind – kurze und lange Unebenheiten komfortabel weg. Und der Allradantrieb mit dem Porsche Traction Management (PTM) bietet dank seiner breiten Momentverteilung ausreichende Offroad-Fähigkeiten.

Enorm gewöhnungsbedürftig bleibt jedoch das etwas synthetische Bremsgefühl der mächtigen Bremsanlage mit den grün lackierten Bremssätteln. Wer die knackigen Porsche-Bremsen schätzt, vermisst hier den gut dosierbaren Druckpunkt – und findet ihn auch nicht, wenn er sich für die Aufpreis-pflichtigen Karbon-Bremsen entscheidet.

Das Anzeigekonzept des Cayenne-E-Hybrid wurde – angelehnt an den 918 Spyder – komplett überarbeitet. Auffällig sind nun der Mode-Schalter des serienmäßigen Sportpakets am Lenkrad, ein zentrales Power-Meter mit Boost-Anzeige im Kombiinstrument und zusätzliche Infos im 12,3-Zoll-Touchdisplay über den momentanen Energiefluss oder die emissionsfreien Fahranteile.

Tipp Icon

Das könnte Sie auch interessieren

Cayenne-typisch blieb dabei das Bedienkonzept – das heißt: extrem gewöhnungsbedürftig. Die in Mattschwarz lackierte Mittelkonsole sieht zwar enorm stylisch aus, doch welche Unter-Funktionen sich hinter den über 20 unterschiedlichen Sensor-Druckflächen verstecken, bleibt relativ lang ein Rätsel. Immerhin: Im neuen Cayenne-E-Hybrid kommt erstmals in einem Porsche ein Head-up-Display zum Einsatz! Leider nicht serienmäßig, sondern gegen Aufpreis.

Ganz schnell und ohne Kritik genießt man dagegen Verarbeitungsqualität und Materialanmutung des Innenraums. Und weil die Batterien platzsparend unterflur verbaut sind, ändert sich an den großzügigen Platzverhältnissen für die Passagiere vorne und hinten nichts. Lediglich der Gepäckraum fällt mit 645 statt 770 Litern etwas knapper aus. Doch an die Variabilität bleibt aufgrund der weiterhin klappbaren Rücksitzlehnen erhalten.

 

Leistung ist für Porsche wichtiger als Verbrauch

Mindestens 89.822 Euro werden für den neuen E-Hybrid fällig. Er liegt damit immerhin 2000 Euro unter dem "normalen" Cayenne S mit ähnlichen Fahrleistungen. Also ein Schnäppchen? Unter Umweltgesichtspunkten sicher nicht. Denn Porsche optimiert die Technik gegenüber dem Vorgängermodell vor allem unter dem Aspekt, dem neuen noch mehr Leistung statt weniger Verbrauch zu verschaffen. Der angegebene Verbrauch von 3,4 Litern Super und 20 kWh auf 100 Kilometer ist messtechnische Augenwischerei, die – zumindest für dieses Fahrspaß-Auto – in der Realität wohl kein Autofahrer erreicht.

 

Technische Daten
Porsche Cayenne E-Hybrid
Motor
6-Zylinder-Turbo-Benziner, 2995 cm3, Parallel-Vollhybrid mit E-Motor, Systemleistung 340 kW/426 PS, 700 Nm bei 1000 U/min
Antrieb/Fahrwerk
Allradantrieb, 8-Stufen-Wandlerautomatik, adaptive Luftfederung mit aktiven Dämpfern
Fahrleistungen
5,0 s auf 100 km/h, 253 km/h Spitze
Verbrauch
3,4 l Super/100 km + 20,9 kWh/100 km, 78 g CO2/km
Maße L 4,92 / B 1,99 / H 1,70 m
Leergewicht
2295 kg
Kofferraum
645 – 1610 l
Preis
ab 89.822 €

 

  • Das hat uns gefallen: Laufruhiger 6-Zylinder mit enormen Boost-Effekt des E-Motors. Perfekt schaltende 8-Gang-Wandlerautomatik. Gut abgestimmtes adaptives Fahrwerk. Hervorragende Verarbeitung. Großzügige Platzverhältnisse. 
  • Das hat uns nicht gefallen: Etwas synthetisches Bremsgefühl. Gewöhnungsbedürftige Bedienung. Die elektrische Reichweite könnte mit der jetzt stärkeren Batterie höher sein. Kofferraum im Vergleich zum normalen Cayenne kleiner.

 

Text: Thomas Kroher. Fotos: PR.

Viele weitere Fahrberichte und Autotests finden Sie bei der ADAC Motorwelt.

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns: redaktion.motorwelt@adac.de.

(acfo)