Porsche 911: Erste Probefahrt im Prototyp

17.10.2018

Der neue Porsche 911 wird erst im November in Los Angeles vorgestellt. Wir konnten aber schon im Prototypen mitfahren. Erste Eindrücke, technische Daten, Infos und der vermutliche Preis. Verkaufsstart ist im Frühjahr 2019

Porsche 911 fährt auf Straße.
Bald auf unseren Straßen unterwegs: Der neue 911er
  • Die achte Generation des 911er ist eine durchgreifende Weiterentwicklung des Vorgängers
  • Neu im Innenraum: Voll digitale Instrumente – nur der Drehzahlmesser ist noch analog
  • Porsche setzt beim 911er, intern: Baureihe 992, weiter auf den Sechszylinder
  • Konkurrenten sind Mercedes SL 500, Audi R8 und BMW i8

 

Für die Golden Gate Bridge hat Alex Ernst heute keinen Blick, die Muir Woods sind ihm egal und die Küstenstraße auch. Denn Ernst ist kein Tourist, sondern Entwicklungsleiter bei Porsche – und auf Testfahrt:  Wenige Wochen vor der Weltpremiere Ende November der intern 992 genannten neuen Generation des Porsche 911 auf der Autoshow in Los Angeles ist er mit Dutzenden Kollegen kreuz und quer in Kalifornien unterwegs, um der Mutter aller Sportwagen den letzten Schliff zu geben.

Verkaufsstart: Frühjahr 2019

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Mehrere Porsche 911 fahren auf einer Brücke.  Ansicht von hinten.
Die letzten Tests finden im normalen Straßenverkehr statt

Drei Jahre Arbeit liegen hinter ihm. Drei Jahre, in denen Hundertschaften von Ingenieuren erst mit digitalen Prototypen im Simulator waren dann mit handgefertigten Einzelstücken auf Prüfständen und Teststrecken. Im Winter in Schweden, im Sommer in Spanien oder in der Wüste, die Passstraßen in den Alpen und immer wieder die Stammstrecken in und um das Entwicklungszentrum in Weissach. Millionen von Kilometern hat der neue Elfer schon abgespult, bevor der erste Kunde auf Jungfernfahrt geht.

Jetzt in Kalifornien, kurz vor der Markteinführung im Frühjahr wagen sich Ernst und sein Tross mit Erlkönigen in die Öffentlichkeit. "Wir wollen so fahren, wie es unsere Kunden tagein tagaus machen und testen hier zum letzten Mal, ob alles passt, was wir in den letzten Jahren entwickelt und entschieden haben.

Ob alle Systeme so funktionieren, wie wir uns das vorstellen", erläutert Ernst, während der Konvoi Richtung Golden Gate Bridge rollt und sich im Stau brav hintenanstellt. Auch das gehört zum Alltag. "Staus, Stadtverkehr, Parkhäuser –wenn wir von einem alltagstauglichen Sportwagen sprechen, dann meinen wir auch solche Situationen."

Der beste 911er aller Zeiten

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Mehrere Porsche 911 fahren auf einer kurvigen Straße
Auf der Landstraße macht der 911er am meisten Spaß

Doch irgendwann wird die Landschaft weiter, die Straßen dafür kleiner. Aber: So alltagstauglich und komfortabel der Elfer sein will, bleibt er immer noch ein Sportwagen. Deshalb zieht Ernst das Tempo an, die Reifen quietschen, die Boxer-Motoren heulen auf. Das breit gefächerte Streckenprofil passt gut zum neuen Elfer. "Es ging uns darum, die Fahrbarkeit des Autos in jeder Disziplin noch einmal zu verbessern", sagt Baureihenchef August Achleitner.

Im Stadtverkehr handlich und übersichtlich, auf dem Highway entspannt und auf der Landstraße schärfer als je zuvor. Das liegt nicht zuletzt an der Mischbereifung, mit schmaleren Rädern vorn fürs leichtere Lenken und dicken Schlappen hinten, die mehr Kraft übertragen können.

Es dauert deshalb nur zwei, drei Kurven, schon stellt man den Sitz etwas steiler, greift fester ins Lenkrad, dreht an dem leider noch immer ziemlich popeligen Rändelrad neben der Lenkradnabe in den Sport-Modus. Und plötzlich geht es nicht mehr ums Ankommen, sondern jetzt ist wieder der Weg das Ziel.

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Fahrleistungen: 450 PS, über 300 km/h Spitze

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Porsche 911 stehend von schräg vorne
Design: Von außen sind die Veränderungen eher zurückhaltend

Im Heck steckt der bekannte und bewährte Boxer mit 3,0 Litern Hubraum, der im Carrera S nun auf 450 PS und 530 Nm kommt. Neu ist nur die Doppelkupplung, die jetzt acht statt sieben Gänge hat und mit ihrem kürzeren Format schon mal für den Einbau eines E-Motors gerüstet ist. Damit beschleunigt der Carrera S in und schafft deutlich mehr als 300 km/h, stellt Achleitner in Aussicht. Als zweite Motorvariante kommt noch der Basis-Elfer, der künftig 385 PS leisten wird. Es folgen wie üblich GTS, Turbo & Co. sowie Cabrio und Targa.

Selbst wenn die elektrische Revolution noch ein bisschen auf sich warten lässt, kann sich der Elfer nicht ganz freimachen vom Zeitgeist. Die Motoren haben erstmals einen Partikelfilter. Und im Cockpit flimmern rund um den analogen Drehzahlmesser digitale Instrumente. Der Mitteltunnel ist fast so futuristisch wie im Panamera, der Touchscreen daneben deutlich größer. Und die aktualisierte Online-Navigation hat bereits Ladesäulen verzeichnet.

Technische Daten
Porsche 911
Motor  3,0 Liter Boxer, 330 kW/450 PS, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe 
Fahrleistungen Spitze über 300 km/h, 0 – 100 km/h: 3,7 s, 530 Nm Drehmoment 
Verbrauch keine Angaben
Preis vermutlich unter 100.000 €

Nur ein System können Ernst und sein Tross in Kalifornien nicht testen. Den neuen Wasserwarner, der mit einem Mikrophon im Radkasten am Spritzwasser erkennt, wenn die Straße gefährlich feucht wird, und dann Alarm schlägt und die ESP-Programmierung ändert. Dafür ist das Wetter in Kalifornien einfach zu gut.

Text: Benjamin Bessinger/SP-X 

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