Porsche 911: Wie gut ist die neue Generation?  

9.1.2019

Der Porsche 911 gilt als der Sportwagen schlechthin. Im Frühjahr 2019 ist Verkaufsstart für die achte Generation. Erste Eindrücke, Bilder, Video, technische Daten, Motoren und Preis

  • Die achte Generation des 911er ist eine durchgreifende Weiterentwicklung des Vorgängers
  • Neu im Innenraum: Voll digitale Instrumente – nur der Drehzahlmesser ist noch analog
  • Porsche setzt beim 911er, intern: Baureihe 992, weiter auf den Sechszylinder
  • Konkurrenten sind Mercedes SL 500, Audi R8 und BMW i8

 

Seit 70 Jahren produziert Porsche Sportwagen, seit 1963 den 911, zuerst als 901. Weil Peugeot aber die 0 zwischen zwei Ziffern im Modellnamen bereits verwendete – und sich schützen ließ, taufte Porsche seinen Sportwagen um.

Die achte Generation (intern 992) setzt auf modernisierte Motoren, mehr Assistenzsysteme und ein leicht geändertes Design. Nur Fans werden die Unterschiede zum Vorgänger sofort erkennen: Die Kotflügel stehen weiter auseinander, vor den LED-Schweinwerfern fehlen die Spritzdüsen. Zwei lange Sicken konturieren wie bei historischen Modellen die vordere Haube. Die beiden Türgriffe liegen fast nahtlos in den Türen.

Verkaufsstart des Porsche 911: Frühjahr 2019

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Cockpit des Porsche 911
Neuer Instrumente: Analoger Drehzahlmesser, digitales Display

Erstmals montiert Porsche bei Serienfahrzeugen vorn 20-Zoll-Räder und hinten 21 Zoll, die vordere Spur wächst um 45 Millimeter. Am Heck zieht sich wie bisher ein breites LED-Band zwischen den beiden Seiten hindurch. Auf dem nun breiter ausfahrbaren Spoiler glänzen die senkrechten Lamellen beim Allradmodell Carrera 4 in Chrom, bei den normalen Hecktrieblern Carrera in Schwarz. Dazwischen steckt eine zu groß geratene dritte Bremsleuchte. 

Deutlich größer wird der Unterschied im Innenraum: In der Mitte des Cockpits sitzt traditionell ein analoger Drehzahlmesser. Aber rechts und links davon werden auf kleinen Displays Fahr- und Motordaten eingespielt, optional auch ein neues Nachtsichtgerät. Dazu passt der 10,9-Zoll-Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts für Navi- und Entertainmentsystem. 

Nur wenig modifiziert hat Porsche den Motor: Weiterhin arbeitet unter der hinteren kleinen Haube ein 3,0-Liter-Sechszylinder-Turbo-Boxer. Der Basis-Carrera leistet 385 PS (kommt im Sommer), der Carrera S (ab 120.125 Euro) 450 PS und 430 Newtonmeter – 30 PS und 30 Newtonmeter mehr als der Vorgänger.

Sportwagen im Motorwelt-Check

 

Fahrleistungen: 450 PS, 308 km/h Spitze

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Heckansicht des Porsche 911
Markant: Das rote LED-Band im Heck

Der Motor hat jetzt eine Ladeluftkühlung sowie Einspritzung und einen Otto-Partikelfilter (OPF). Damit spurtet das Carrera S Coupé von 0 auf 100 km/h in 3,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 308 km/h. Geschaltet wird optional über ein überarbeitetes Doppelkupplungsgetriebe (PDK) mit acht Gängen, oder ab Mitte nächsten Jahres über ein manuelles Siebengang-Getriebe.

Bei ersten Testfahrten im Prototyp in San Francisco und dem Umland zeigte sich das neue Modell im Stadtverkehr handlich und übersichtlich, auf dem Highway entspannt und auf der Landstraße schärfer als je zuvor. Aber: So alltagstauglich und komfortabel der Elfer sein will, bleibt er immer noch ein Sportwagen, das heißt: Bei kräftigem Gasgeben quietschen die Reifen und der Boxer-Motor heult merklich auf. Das breit gefächerte Streckenprofil der Testfahrten passt gut zum neuen Elfer. "Es ging uns darum, die Fahrbarkeit des Autos in jeder Disziplin noch einmal zu verbessern", sagt Baureihenchef August Achleitner.

Die Zeiten des reinen Verbrenners sind übrigens gezählt, Porsche arbeitet längst an einer Hybridversion. "Im PDK haben wir rund 20 Zentimeter Platz für einen Elektromotor", sagt 911-Baureihenleiter August Achleitner. Bisher seien die Akkus zu schwer und zu träge, in drei bis vier Jahren könne der Elfer aber zumindest teilelektrisch fahren. Insgesamt wiegt der neue jetzt schon etwa 50 Kilogramm mehr als sein Vorgänger.

Bildergalerie: Sieben Generationen Porsche 911

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Porsche 911 Urelfer

Porsche 911 Ur-Elfer

Bauzeit: 1963 bis 1973

Am 13. September 1963 präsentiert Porsche auf der IAA erstmals den 901 als Nachfolger des 356. Nach einer Streitigkeit mit Peugeot um die Null in derMitte nennt Porsche seinen neuen Sportwagen 911. Der 2,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor leistet anfangs als 911 L 130 PS (ab 21.900 Mark), 1965 kommt die neue Karosserieform Targa hinzu.

Als Höhepunkt der Modellreihe gilt der 1100 Kilogramm leichte Carrera RS 2.7 mit seinem Entenbürzel-Heckspoiler. Dank seines 210 PS starken Sechszylinders fährt er bis zu 245 km/h schnell. Fast zehn Jahre verkauft Porsche den Ur-Elfer, insgesamt 111.995 Mal.

Porsche G

Porsche 911 G-Modell

Bauzeit: 1973 bis 1989

1973 löst die G-Serie das Urmodell ab. Optisch lehnt sich die zweite Generation an den Vorgänger an, muss aber wegen US-Sicherheitsvorschriften Faltenbeläge an den Stoßfängern montieren. Die Zeit der Chromstoßstangen ist damit vorbei. Für den Basis-Elfer mit 2,7-Liter-Sechszylinder und 150 PS zahlen Kunden anfangs mindestens 27.000 Mark.

Erstmals drückt ab 1975 ein Turbolader Luft in die Brennräume, gut für 260 PS. Zu den Varianten Coupé und Targa gesellen sich ab 1983 Cabrio und Speedster. Nach 16 Jahren Bauzeit und 198.496 verkauften Fahrzeugen läuft das G-Modell 1989 aus.

Porsche 964

Porsche 911 Typ 964

Bauzeit: 1989 bis 1994

Mit dem 964 stellt Porsche eine Evolutionsstufe auf die Räder. Optisch unterscheidet sich die dritte Generation nur wenig vom Vorgänger, technisch jedoch deutlich. Erstmals verteilt der Sechszylinder-Boxermotor optional seine Kraft über vier Räder, eine Doppelzündung sorgt für eine bessere Verbrennung.

Für das Basismodell Carrera 2 mit 3,6-Liter-Boxer und 250 PS zahlen Kunden mindestens 103.500 Mark. Ab 1990 bietet Porsche die Automatik Tiptronic an, der Turbo leistet nun 320 PS. Serienmäßig schützen ab 1991 zwei Airbags Fahrer und Beifahrer. Nach nur sechs Jahren Bauzeit und 63.762 verkauften Coupés, Cabriolets und Targas ist für den 964 Schluss.

Porsche 993

Porsche 911 4 Typ 993

Bauzeit: 1993 bis 1998

Mit der vierten Generation des Elfers, dem Typ 993, geht eine lange Porsche-Ära zu Ende. Es ist das letzte Modell mit luftgekühltem Boxermotor, anfangs mit 272 PS bis hin zum 450 PS starken GT2. Porsche verkauft den 993 mit Hinterradantrieb und als Allrad Carrera 4, als Coupé, Cabriolet und Targa. Der setzt erstmals auf ein Glasdach anstelle eines herausnehmbaren Dachelements. Nach 68.881 gebauten 993 endet 1998 die Produktion.

Porsche 996

Porsche 911 Typ 996

Bauzeit: 1997 bis 2006

Das umstrittenste Elfer-Modell nennt sich 996. Fast 18,5 Zentimeter legt der Elfer ab 1997 in der Länge zu, macht ihn dadurch größer und bequemer. Neu kostet der Carrera 147.640 Mark. Erstmals kühlt Wasser den Sechszylinder-Motor. Das stark geänderte Design trifft nicht jeden Geschmack, anfängliche Qualitätsprobleme kommen hinzu.

Die breiten Scheinwerfer des Boxster mit dem integrierten Blinker nennt die Fangemeinde hämisch Spiegelei. Erst ab dem Facelift wird es besser: Die Motoren sind standfester und Porsche reduziert die Spiegeleier. Der 3,4 Liter große Boxermotor leistet anfangs 300 PS, der GT2 am Ende bis zu 483 PS. Nach neun Jahren endet 2005 die Bauzeit des 996. Trotz der Kritik verkauft Porsche 175.262 Fahrzeuge des Modells.

Porsche 997

Porsche 911 Typ 997

Bauzeit: 2004 bis 2012

Porsche hat auf die Kritiker gehört und ändert beim 997 wieder die Scheinwerfer. Die sechste Generation orientiert sich ab 2004 optisch stärker am Ur-Modell. 81.128 Euro müssen Kunden mindestens für den neuen Elfer zahlen.

Groß ist die Artenvielfalt mit Coupé, Targa, Cabriolet und Speedster, dazu kommen Varianten mit Heck- und Allradantrieb, mit Saug- und Turbomotoren, als GTS sowie die Sportversionen GT2, GT2 RS, GT3 und GT3 RS – 24 Varianten insgesamt. Die Motoren leisten zwischen 325 PS und 620 PS. Die Kunden greifen fröhlich zu: Nach sieben Jahren und 213.004 verkauften Autos stellt die sechste Generation Ende 2012 einen Produktionsrekord auf.

Porsche 991 fahrend

Porsche 911 Typ 991

Bauzeit: 2011 bis 2018

2011 folgt schon der Nachfolger 991. Länger, breiter, komfortabler, aber auch schwerer spricht er mehr komfortverliebte Elfer-Fahrer an. Allein der Radstand wächst im Vergleich zum Vorgänger um zehn Zentimeter.

Erstmals kommen im Basis-Elfer Turbomotoren zum Einsatz, und der Hubraum schrumpft. Der 3,0-Liter-Sechszylinder-Boxer leistet mindestens 350 PS, das stärkste Modell, der GT2 RS, 700 PS. Der 991 verkauft sich bisher sehr gut. Bis Ende Oktober 2018 lieferte Porsche 217.930 Fahrzeuge aus. Insgesamt produzierte Porsche seit dem Debüt des Elfers 1963 bislang 1.049.330 Serien-Fahrzeuge.

Ein Nässedetektor sorgt für Sicherheit

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Seitenansicht des Porsche 911
Design: Von außen sind die Veränderungen eher zurückhaltend

Für das höhere Gewicht sorgt unter anderem eine Neuigkeit, wie der auf Schall basierende Nässedetektor in den Radkästen: Ein Mikrofon analysiert die Frequenzen, erkennt starkes Spritzwasser und soll helfen, dass nichts ins Schwimmen gerät.

In der ersten Stufe leuchtet im Cockpit eine Warnung auf, ESP und ABS stellen sich für die gefährliche Situation schärfer. In der zweiten Stufe dämpft der Fahrer über den Mode-Schalter am Lenkrad das Ansprechverhalten des Gaspedals, der Spoiler fährt für maximalen Abtrieb auf die höchste Stufe.

"Sportwagen mit viel Leistung, breiten Reifen und Heckantrieb haben bei Nässe bisweilen ein Problem. Mit dem Nässedetektor minimieren wir es", sagt Achleitner. Es sei aber ein Sicherheitssystem und kein Assistent, mit dem man bei Regen schneller fahren kann. 

Im neuen Modell gibt es nur noch eine Breite für Carrera 4 (Allrad) und Carrera (Hinterradantrieb). Der Radstand bleibt unverändert, in der Länge wächst der Elfer unwesentlich um ein paar Millimeter. Durch die breitere Spur, schmalere Stabis, größere Räder und eine direktere Lenkung soll der 911 noch präziser und sportlicher fahren als sein Vorgänger. 

Es waren Puzzleteile, die Porsche über Jahre sammelte und nun zusammenfügt. "Ein neuer 911 muss besser sein als der Vorgänger", sagt Achtleitner. Auf der Referenzstrecke für Sportwagen, der Nürburgring Nordschleife, heißt das: Der 992 fährt fünf Sekunden schneller als sein Vorgänger. Damit bleibt sich auch die achte Generation treu.

 
Technische Daten
Porsche 911 Carrera S
Motor  3,0 Liter Sechszylinder Turbo-Boxermotor, 330 kW/450 PS, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe 
Fahrleistungen Spitze über 300 km/h, 0 – 100 km/h: 3,7 s, 430 Nm Drehmoment 
Verbrauch 8,9 Superplus/100 km, CO2 205 g/km (nach WLTP, NEFZ abgeleitet)
Kofferraum 130 l
Preis
120.125 Euro

 

Text: Fabian Hoberg. Fotos: PR.

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