Testfahrt Opel Astra Facelift: Neue Motoren, neue Technik

29.8.2019

Der Opel Astra hat ein Facelift bekommen. Optisch ändert sich kaum was, dafür werden die Motoren von Fünftürer und Sports Tourer komplett erneuert: Es gibt nur noch sparsame Dreizylinder. Testfahrt, technische Daten und Preise.

Opel Astra fahrend
Opel Astra: Das geliftete Modell unterscheidet sich kaum vom Vorgänger
  • Opel Astra optisch nahezu unverändert
  • Neues Infotainmentsystem und teildigitale Instrumente
  • Komplett neue Motorenpalette: 105 bis 145 PS
  • Benziner und Diesel nur noch als Dreizylinder

 

Diesmal war Opel schneller – zumindest, was den öffentlichen Auftritt angeht. Denn während der neue VW Golf erst Ende Oktober 2019 vorgestellt wird und erst Anfang 2020 auf den Markt kommt, ist der überarbeitete Opel Astra schon jetzt zu haben. Auf der IAA 2019 feiert der Rüsselsheimer Weltpremiere. Ein ganz neues Fahrzeug ist es allerdings nicht geworden, das verrät bereits die Optik: Äußerlich ist der geliftete Astra kaum von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Zwar wirkt sein Design immer noch nicht altbacken – aber im direkten Vergleich mit dem kommenden Golf dürfte der Astra wohl wie von gestern wirken.

Der Opel Astra wird digitaler

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Mann fährt Opel Astra
Das Cockpit des Opel Astra ist nach wie vor übersichtlich gestaltet

Das gilt zumindest in Sachen Digitalisierung: Zwar hat Opel dem Astra mit dem Facelift das acht Zoll große Touchscreen-Infotainmentsystem aus dem Insignia spendiert, das sich – wenn mit einem Smartphone als Hotspot verbunden – aktuelle Verkehrsdaten oder Kraftstoffpreise aus dem Internet holt. Zudem gibt es nun erstmals teildigitale Instrumente mit großem Infoscreen in der Mitte und analogen Zeigern an den Seiten.

Doch beides dürfte kaum reichen, um der aus Wolfsburg zu erwartenden Digital-Offensive Paroli zu bieten. Der Golf 8 dürfte unter anderem mit Head-up-Display, komplett virtuellen Instrumenten, High-End-Sprachassistent und zahlreichen Online-Services auftrumpfen.

Davon abgesehen war im Innenraum nicht viel zu tun: Das Cockpit ist und bleibt übersichtlich, Verarbeitung und Materialauswahl sind klassentypisch und das Platzangebot ist in beiden Reihen ordentlich. Vorn geht es geradezu opulent zu.

Die Sitze lassen sich auch für Zwei-Meter-Riesen weit genug zurückschieben, und die Kopffreiheit würde sogar für 2,20 Meter große Personen reichen. Nicht zuletzt wegen der Bequemsitze, die mit dem "Aktion Gesunder Rücken"-Siegel prämierten wurden, wird der Opel zum gemütlichen Langstrecken-Mobil.

Dürftige Basisausstattung für 19.990 Euro

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Opel Astra Heck
Das Fahrwerk federt nach dem Facelift etwas softer

Wie gehabt ist der Astra als klassischer, 4,37 Meter langer Steilheck-Kompakter oder als Kombi Sports Tourer zu haben; die Stufenheck-Limousine ist schon vor dem Facelift aus dem Programm geflogen.

Mit 4,70 Meter Länge ragt der Sports Tourer schon in die Mittelklasse und nimmt es mit 540 bis 1630 Liter Gepäck auf; in den Fünftürer passen klassenübliche 370 bis 1210 Liter. Gegen Aufpreis öffnet und schließt die Kombi-Heckklappe elektrisch und reagiert auf einen Fußschwenk unter der Schürze.

Die Sesam-öffne-dich-Funktion steht allerdings, wie das meiste interessante Zubehör, nur in den höheren Ausstattungslinien zur Wahl; das gilt auch für die LED- oder LED-Matrix-Scheinwerfer, das erwähnte Infotainmentsystem, die induktive Ladeschale fürs Handy, das beheizbare Lenkrad, die elektrische Parkbremse und Assistenzsysteme wie Notbremsfunktion, Spurhalter, Abstandstempomat oder die Rückfahrkamera.

Im Basispreis von 19.990 Euro (Kombi ab 20.990 Euro) immer dabei sind zumindest ein Radio mit Sieben-Zoll-Touchscreen, eine Klimaanlage und elektrische Fensterheber rundum.

Motoren: Drei Benziner, zwei Diesel

Wer sich für den günstigsten Astra entscheidet, bekommt einen 81 kW/110 PS starken 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner; darüber rangieren weitere Ausbaustufen des gleichen Aggregats mit 96 kW/130 PS und 107 kW/145 PS. Vierzylinder gibt es im Astra keine mehr, auch die Diesel (zwei 1.5er mit 77/kW/105 PS und 90 kW/122 PS) laufen nur noch auf drei Töpfen.

Ab Werk fahren alle Motoren mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe vor, für den großen Selbstzünder gibt es einen Neungang-Wandlerautomatik (ab 29.145 Euro). Interessant: Auf der Benziner-Seite bietet Opel die 145-PS-Version auch mit stufenlosem Getriebe an, allerdings kommt die Kraft dann aus einem 1,4-Liter-Dreizylinder.

Alle Motoren sind komplett neu, haben allerdings noch nichts mit den in etwa gleich großen und starken Peugeot-Citroën-Motoren zu tun. Grund: Ihre Entwicklung hat noch zu GM-Zeiten begonnen, und auch die Amerikaner werden die Triebwerke zukünftig einsetzen. 

Front des Opel Corsa fahrend

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Gute Fahrleistungen des 130-PS-Benziners

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Opel Astra Heck
Bei Flottenkunden und Familien sehr beliebt: Der Kombi Sports Tourer

Für unsere erste Testfahrt stand der Sports Tourer mit 96 kW/130-PS-Otto (ab 22.950 Euro) zur Verfügung: Ein guter Allrounder, der dank Ausgleichswelle ausgesprochen leise und kultiviert läuft und mit 225 Newtonmeter genug Drehmoment für spontane Überholmanöver bereit hält.

Mehr Kraft hat auch die 107 kW/145-PS-Version nicht. Schon mit nur knapp über 1000 Umdrehungen gleitet der Astra entspannt-niedertourig dahin und lässt sich schaltfaul fahren.

Allerdings macht das knackige, leichtgängige Sechsgang-Getriebe Lust, ihn auf Touren zu bringen und spätestens ab 2000 U/min legt sich der Dreizylinder kräftig ins Zeug. Wer den Schalthebel schnell durch die kurzen Gassen flutschen lässt, kann den 130-PS-Astra in 9,9 Sekunden auf Tempo 100 bringen, maximal läuft er flotte 215 km/h. 

Dass Opel die gesamte Motorenpalette ausgetauscht hat, hat einen Grund: Die neuen Triebwerke sind bis zu 21 Prozent sparsamer als die alten. Dazu trägt auch die verbesserte Aerodynamik ihren Teil bei, die unter anderem aus den verstellbaren Klappen hinter dem nur leicht erneuerten Kühlergrill resultiert. Dieser ist von außen übrigens fast das einzige Erkennungsmerkmal des neuen Astra.

Für den Verbrauch heißt das: Die Benziner mit Partikelfilter nehmen sich im realitätsnahen WLTP-Test maximal 5,5 Liter Super, die Diesel mit SCR-Kat bleiben sogar unter der Fünf-Liter-Marke; die Automatik-Versionen schlucken rund einen halben Liter mehr. Alle Motoren erfüllen schon jetzt die kommende Euro-6d-Abgasnorm. Die Norm-Werte sind in der Praxis durchaus erreichbar – wenn man den Gasfuß in Zaum hält.

Die Motoren des Opel Astra

Benziner (Herstellerangaben)
Opel Astra 1.2 DIT (81 kW) Opel Astra 1.2 DIT (96 kW) Opel Astra 1.2 DIT (107 kW) 
Motor

3-Zylinder-Turbobenziner, 1,2 Liter Hubraum, 81 kW/110 PS, 195 Nm bei 2000 U/min

3-Zylinder-Turbobenziner, 1,2 Liter Hubraum, 96 kW/130 PS, 225 Nm bei 2000 U/min 3-Zylinder-Turbobenziner, 1,2 Liter Hubraum, 107 kW/145 PS, 225 Nm bei 2000 U/min 
Fahrleistungen  10,4 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 200 km/h 9,9 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 215 km/h 9,4 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 220 km/h 
Verbrauch (nach WLTP) 5,2 – 5,5 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 119 – 126 g/km 5,2 – 5,5 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 119 – 126 g/km  5,2 – 5,5 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 119 – 126 g/km  
Maße L 4,37 / B 1,81 / H 1,49 m L 4,37 / B 1,81 / H 1,49 m  L 4,37 / B 1,81 / H 1,49 m 
Kofferraum 370 – 1210 l 370 – 1210 l  370 – 1210 l  
Preis

ab 20.990 €

ab 23.950 € ab 25.200 € 

 

Diesel (Herstellerangaben) Opel Astra 1.5 Diesel (77 kW) Opel Astra 1.5 Diesel (90 kW)
Motor 3-Zylinder-Turbodiesel, 1,5 Liter Hubraum, 77 kW/105 PS, 260 Nm bei 1500 U/min 3-Zylinder-Turbodiesel, 1,5 Liter Hubraum, 90 kW/122 PS, 300 Nm bei 1750 U/min 
Fahrleistungen 10,6 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 200 km/h 10,2 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 210 km/h 
Verbrauch (nach WLTP) 4,4 – 4,7 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß: 117 – 125 g/km 4,5 – 4,8 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß: 119 – 126 g/km 
Maße L 4,37 / B 1,81 / H 1,49 m L 4,37 / B 1,81 / H 1,49 m 
Kofferraum 370 – 1210 l 370 – 1210 l 
Preis ab 24.385 €                     ab 27.745 € 

Es gibt keine alternativen Antriebe

Gut: Neue Stoßdämpfer sorgen für mehr Fahrkomfort als bisher. Wer es richtig krachen lassen will, der kann aber auch weiterhin zum Dynamik-Fahrwerk greifen, das straffere Dämpfer, eine direkte Lenkung und eine modifizierte Hinterachse mitbringt. Eine reinrassige OPC-Sportversion, die gegen den zukünftigen VW Golf GTI antreten könnte, hat Opel dagegen nicht mehr im Programm. 

Gestrichen wurde leider auch die saubere Erdgasversion des Astra – sie blieb nicht sehr lang im Programm. Schade, denn so gibt es gar keine alternativen Antriebe für den Rüsselsheimer. Damit ist wohl erst in der nächsten Modellgeneration zu rechnen. Dass dann ein Plug-in-Hybrid kommt, gilt als sicher.

 

Text: Michael Gebhardt. Fotos: Adam Opel AG.

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