Test Opel Astra: Clevere Alternative zum Golf?

14.12.2018

Um den Opel Astra ist es still geworden. Zu Unrecht. Denn der Kompaktwagen punktet mit solider Qualität, wie der ADAC Test zeigt. Alle Testergebnisse, Noten, technische Daten und Preise

Opel Astra fahrend
Opel Astra im ADAC Test: Dynamischer als der Vorgänger
  • Der Astra ist nach wie vor Opels Bestseller
  • Sicheres und agiles Fahrverhalten, gute Ausstattung mit Assistenzsystemen
  • Direkte Konkurrenten sind VW Golf, Ford Focus und Renault Mégane

 

Klassische Kompaktwagen in der Golfklasse verkaufen sich trotz SUV-Boom immer noch recht ordentlich. Der Astra ist ein gutes Beispiel: Etwa jeder fünfte Opel-Kunde greift aktuell zu dem seit 2015 erhältlichen Kompakten. Somit ist er das meistverkaufte Modell aus Rüsselsheim – erst danach reihen sich Corsa, Insignia, Mokka X und Crossland X ein. Was der Astra alles kann, musste er im ADAC Test beweisen, der jedes Modell ganz neutral nach 350 Kriterien bewertet.

Der Innenraum des Astra ist großzügig

Ingenieur arbeitet am Opel Astra
ADAC Testingenieur Alexander Lidl ermittelt das Platzangebot

Nicht nur optisch hat der Astra gewonnen. Seine moderne Form lässt den Vorgänger regelrecht alt aussehen. Und obwohl die Karosserie fünf Zentimeter kürzer geworden ist, bietet das aktuelle Modell nicht nur ein luftigeres Raumgefühl, sondern auch objektiv mehr Platz. Die ADAC Messwerte weisen eine bessere Beinfreiheit im Fond aus, selbst wenn es hinten für drei wegen der nur durchschnittlichen Innenbreite immer noch eng wird.

Vorn geht es geradezu opulent zu. Die Sitze lassen sich auch für Zwei-Meter-Riesen weit genug zurückschieben und die Kopffreiheit würde sogar für 2,20 Meter große Personen reichen.

Ernüchterung stellt sich beim Kofferraum ein. Ist wie beim Testwagen der doppelte Ladeboden verbaut, entsteht zwar nach dem Umlegen der Rückbank eine ebene Ladefläche. Doch dann schrumpft auch das Kofferraumvolumen um satte 90 Liter. Magere 245 Liter Fassungsvermögen bescheinigen die Testingenieure dem Opel Astra dann, umgelegt sind es immerhin 1080 Liter.

Hier zeigen die Japaner, wie es besser geht: Mazda und Honda haben zum Beispiel eine ausgeklügelte Mechanik, die beim Umklappen der Lehne automatisch die Sitzfläche absenkt und so einen ebenen Boden schafft. Die Zuladung des Astra dürfte mit gemessenen 535 Kilogramm in den meisten Fällen ausreichend sein.

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Aufgeräumt wirkt der Fahrerarbeitsplatz des Astra. Hier hat Opel kräftig entrümpelt, weitgehend ansprechende Materialien verwendet und sich trotz zahlreicher zusätzlicher Funktionen von der Tastenflut des Vorgängers verabschiedet. Das meiste wird über einen großen und klar aufgebauten Touchscreen bedient, der sich selbst erklärt. Für den Bordcomputer zwischen Tacho und Drehzahlmesser gilt das leider nicht – dessen Menü wirkt unübersichtlich und muss mit fummelig kleinen Tasten am Lenkrad gesteuert werden.

Sichere Fahreigenschaften beim Ausweichtest

Zoom-In
Opel Astra fahrend
Bremsentest: Aus 100 km/h steht der Astra nach guten 34,2 Metern 

Und wie fährt sich der Astra? Recht agil. Dass er im Vergleich zum Vorgänger rund 200 Kilo abgespeckt hat, zeigt sich vor allem beim Handling. Das neue Modell lenkt präziser und schlängelt sich flotter durch die Pylonengasse. Beim ADAC Ausweichtest, der ein abruptes Umfahren eines Hindernisses bei Landstraßentempo simuliert, zeigt sich: Der Astra bleibt selbst bei diesem Extremtest stabil und ist nicht aus der Ruhe zu bringen.

Leider geht die Sportlichkeit auf Kosten des Komforts: Unebenheiten halten VW Golf und Ford Focus merklich besser von den Insassen fern.

Gut: Der kurze Bremsweg von 34,2 Metern (aus 100 km/h) und die Ausstattung mit Assistenzsystemen. Beim getesteten "Innovation"-Modell sind Verkehrszeichenerkennung, Abstandsanzeige, Kollisionswarner sowie Spurhalte- und City-Notbremsassistent serienmäßig eingebaut.

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Gute Werte für den 150-PS-Benziner

Die Riege der Ottomotoren umfasst beim Astra zwischen 100 und 200 PS. Zum Test trat unter anderem der 150-PS-Benziner an. Damit ist der mit gemessenen 1280 kg bemerkenswert leichte Astra recht gut motorisiert, der Wunsch nach mehr Leistung kommt nur selten auf. Den Standardsprint auf 100 km/h erledigt der Opel in flotten 8,5 Sekunden, und auch ein Überholmanöver von 60 auf 100 km/h ist nach 4,9 Sekunden schnell geschehen.

Vibrationen leistet sich der Benziner vor allem beim Anfahren sowie bei höheren Drehzahlen – dann sind sie in Lenkrad und Schalthebel deutlich zu spüren. Testverbrauch: 5,9 Liter Super im Schnitt.

Der Dieselmotor läuft rau

Auch mit dem getesteten Diesel mit 136 PS ist der Astra richtig zügig unterwegs und zieht mit Nachdruck davon. Der Motor wirkt so kräftig, dass man ihm auch 150 PS abnehmen würde. Die Messwerte bestätigen den guten Eindruck. 213 km/h Spitze und 9,4 Sekunden auf Tempo 100 lassen keine Wünsche offen, und auch die gute Durchzugskraft nicht: Für den simulierten Überholvorgang von 60 auf 100 km/h benötigt der Kompaktwagen im dritten Gang nur 5,2 Sekunden, im vierten 6,2.

Wie alle Astra-Motoren erfüllt auch der Diesel die neue Abgasnorm Euro 6d TEMP und hat dank SCR-Kat mit AdBlue-Einspritzung sehr gute Abgaswerte vorzuweisen. Beim Testverbrauch von 5,5 Litern Diesel im Schnitt kann er aber keine Maßstäbe setzen. Auch bei der Laufkultur gibt es noch Verbesserungspotential. Der Diesel läuft sehr rau und ungehobelt und überträgt stets unangenehme Vibrationen in den Innenraum.

Interessant dürfte für viele, die umweltfreundlich unterwegs sein wollen, auch die Erdgasvariante des Astra (-> im Vergleich mit anderen alternativen Antrieben) sein. Die ist mit 110 PS zwar nicht ganz so zackig unterwegs, doch bei dieser Version kommt es ohnehin eher aufs Sparen an: 4,2 kg Erdgas im ADAC Ecotest und ein geringerer CO2-Ausstoß sprechen genauso für die Ökoversion wie geringe Spritkosten. 100 Kilometer kosten im Astra CNG gerade einmal 4,60 Euro.

Testfazit

Auch wenn der Opel Astra nicht perfekt ist, stellt er nach wie vor eine empfehlenswerte und vor allem etwas günstigere Alternative zum Dauerrivalen VW Golf dar. Spannend wird es 2019, wenn der VW Golf VIII auf den Markt kommt. Dann muss Opel rasch nachziehen, um mithalten zu können.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Opel Astra 1.4DI Turbo Innovation

und hier den ausführlichen Testbericht zum Opel Astra 1.6 Diesel Innovation

Technische Daten (Herstellerangaben)
Opel Astra 1.4 DI Turbo Start&Stop Innovation  Opel Astra 1.6 Diesel Start&Stop Innovation 
Motor

4-Zylinder-Turbobenziner, 1399 cm3, 110 kW/150 PS, 230 Nm bei 2000 U/min

4-Zylinder-Turbodiesel, 1598 cm3, 100 kW/136 PS, 320 Nm bei 2000 U/min
Fahrleistungen  8,5 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 215 km/h 9,4 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 213 km/h
Verbrauch 5,1 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 117 g/km 4,4 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß: 116 g/km 
Maße L 4,37 / B 1,81 / H 1,49 m L 4,37 / B 1,81 / H 1,49 m 
Kofferraum 370 – 1210 l 370 – 1210 l 
Preis 25.865 €, Basisbenziner ab 18.445 €
28.410 €, Basisdiesel ab 23.010 € 
ADAC Messwerte (Auszug)
1.4 DI Benziner 1.6 Diesel 
Überholvorgang 60–100 km/h
4,9 s  5,2 s 
Bremsweg aus 100 km/h
34,2 m
35,3 m 
Wendekreis 11,2 m
11,2 m 
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
5,9 l Super/100 km, 162 g CO2/km (well-to-wheel)
5,5 l Diesel/100 km, 173 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
810 km
870 km 
Innengeräusch bei 130 km/h 68,6 dB(A)
69,6 dB(A) 
Leergewicht / Zuladung
1280 / 535 kg
1355 kg / 545 kg 
Kofferraumvolumen normal / geklappt  /dachhoch 245 / 630 / 1080 l
245 / 630 / 1080 l 

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote 1.4 DI Benziner: 2,7
Gesamtnote 1.6 Diesel: 2,4 
Karosserie / Kofferraum 3,0  3,0 
Innenraum 2,5
2,6 
Komfort 2,5 2,6 
Motor / Antrieb 2,2
2,2 
Fahreigenschaften 
2,3
2,4 
Sicherheit
2,2
2,3 
Umwelt / EcoTest
3,6
2,2 

 

  • Das hat uns gefallen: Gute Fahrleistungen. Agiles Fahrverhalten. Empfehlenswerte Ergonomiesitze. Gute Bedienbarkeit.        
  • Das hat uns nicht gefallen: Kein Einklemmschutz für Fensterheber. Erhöhte Schadstoffemissionen bei Benziner.   

Text: Jochen Wieler. Fotos: ADAC/Thorsten Rother (5), PR (2), ADAC/Beate Blank

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