Zurück zur Übersicht
Köln | 22.10.2019

Nissan Juke: Der kleine Crossover wird erwachsen

Der neue Nissan Juke
Nissan Juke 2020: Bullige Front, typische Rundscheinwerfer

Mehr Platz, mehr Komfort und etwas weniger extravagant: Die zweite Generation legt bei Qualität und Fahrdynamik zu. Der erste Fahrbericht mit Daten und Preisen

  • Neuer Kleinwagen-SUV mit 4,21 Metern Länge
  • Nur ein Dreizylinder mit 117 PS zu haben
  • Mehr Platz als bisher und größerer Kofferraum
  • Preis: ab 18.990 Euro. Marktstart: 11. Januar

Start frei für den neuen Nissan Juke: Nach zehn Jahren, in denen Nissan immerhin 10.000 Einheiten des kompakten Crossover-Pioniers in Deutschland verkauft hat, rollt ab Januar die zweite Modellgeneration auf die Straßen Europas. Das Design wurde etwas gefälliger, doch seinen polarisierenden Charakter hat sich der Juke auch in der Neuauflage bewahrt – und setzt sich so klar vom Renault Captur ab, der auf der gleichen Plattform eher konservativere Kunden gewinnen soll. Wir konnten den neuen Juke schon fahren. 

Das Motto des Nissan Juke: Design ist alles!

Zoom-In
Das Heck des neuen Nissan Juke
Neuer Juke: Hinten viel Blech und kleine Scheibe

Die Nissan-Verantwortlichen sind bei der Präsentation der zweiten Juke-Generation überraschend ehrlich: Ja, der Hauptgrund einen Juke zu kaufen, war und ist auch in Zukunft das außergewöhnliche Design. Denn: "Design ist alles". Und deshalb wurde die Formensprache des kompakten Crossover auch nur behutsam neu interpretiert.

Wie gewohnt wird die Frontpartie von den modelltypischen runden Scheinwerfern geprägt, die jetzt aber serienmäßig in Voll-LED-Ausführung leuchten, sowie dem charakteristischen dreidimensionalen V-Kühlergrill. Die Seitenansicht prägt das scheinbar schwebende Dach im Coupé-Stil und die auffällige C-Säule mit integrierten Türgriffen, was stark an den kleineren Nissan Micra erinnert.

Das heruntergezogene Dach wirkt wie bei einem SUV-Coupé – momentan eine ziemlich angesagte Fahrzeug-Klasse, die zum Beispiel auch Audi mit dem Q3 Sportback oder BMW mit dem X2 bedienen. Am Heck dominieren scharfkantige LED-Rückleuchten im dreidimensionalen Bumerang-Stil. 

Doch wie zu erwarten hat so viel extravagantes Design auch handfeste Nachteile: Die Übersicht vor allem nach hinten ist miserabel. Und deshalb ist es unverständlich, dass die Firma Nissan, die ja sonst bei der Ausstattung selten knausert, eine Rückfahrkamera nicht für alle Varianten spendiert.

Trotz schlechter Rundumsicht sitzt man ansonsten im Juke bequem, denn das neue Modell hat beim Platzangebot deutlich zugelegt. Möglich macht das die gewachsene Karosserie mit einem Längenzuwachs um 7 cm auf 4,21 m. Doch es ist vor allem der um 10 cm gewachsene Radstand, weshalb die Insassen im Fond jetzt 5,8 Zentimeter mehr Knieraum und 1,1 Zentimeter mehr Kopffreiheit genießen. Allerdings wird das Raumgefühl durch die extrem hohe Gürtellinie (Design!) hinten etwas beeinträchtigt.

Der Kofferraum hat um 20 Prozent zugelegt und offeriert mit 422 Litern nun satte 68 Liter mehr Fassungsvermögen. Auch die Kofferraumöffnung wurde verbreitert und ermöglicht nun ein leichteres Be- und Entladen.

Gut vernetzt mit WLAN-Hotspot

Zoom-In
Das Cockpit des neuen Nissan Juke
Rundinstrumente und konventionelle Tasten: Das Cockpit des Nissan Juke

Abgesehen von peppigen Farben in den teureren Ausstattungsvarianten wurde der Innenraum ohne übertriebene Modernität gestaltet. Neue Soft-Touch-Materialien auf dem Armaturenbrett, der Türverkleidung und im Fußraum machen einen hochwertigen Eindruck, zu dem auch die sportlichen Sitze mit optionalem Alcantara- oder Lederbezug und die in höheren Ausstattungslinien serienmäßige Ambiente-Beleuchtung beitragen.

Die Steuerelemente sind intuitiv bedienbar: Es bleibt bei großen Rundinstrumenten hinter dem Lenkrad, und die Bedienung der Klimaanlage funktioniert über konventionelle Tasten außerhalb des 8 Zoll großen Touchscreens.

Das Infotainment-System Nissan Connect beherrscht Apple CarPlay und Android Auto für eine gute Smartphone-Integration und fungiert auch als WLAN-Hotspot, so dass die Mitfahrer ihre eigenen Geräte drahtlos verwenden können.

Über eine Smartphone-App lassen sich auch aus der Ferne Ölstand und Reifendruck kontrollieren, und wer zu Hause über den Google-Sprachassistenten ein Ziel ins Smartphone spricht, kann es gleich an das Navi des Juke schicken. Die üblichen Assistenzsysteme wie Totwinkelwarner, Querverkehrserkennung und Notbremssystem stehen teils serienmäßig, teilweise gegen Aufpreis zur Verfügung.

Und wer dann noch 600 Euro übrig hat, sollte sich das Bose Personal Plus Soundsystem leisten: Acht leistungsstarke Lautsprecher – darunter je zwei Lautsprecher, die in die beiden Kopfstützen der Vordersitze integriert sind – sorgen für einen außergewöhnlich klaren Sound. 

3 SUVs in Fahrt

SUV-Kaufberatung: Das ist zu beachten

SUV sind beliebt wie nie zuvor. Was ist beim Kauf zu beachten? Welche Größe ist die richtige? Braucht man überhaupt Allradantrieb? Der ADAC hat alles zum Thema SUV zusammengetragen.

Kaufberatung SUV
 

Einziger Motor: Ein Dreizylinder mit 117 PS

Zoom-In
Der Motor des neuen Nissan Juke
Hier arbeiten die 117, etwas trägen PS

Bei den Motoren gibt es zum Marktstart und wohl noch auf absehbare Zeit  keine Auswahl. Lediglich ein 1,0-Liter-Dreizylinder ist im Angebot, der mit seinen 117 PS und nominell 180 Nm Drehmoment allerdings enttäuscht. Für einen Dreizylinder läuft er zwar extrem laufruhig und wird dank der guten Dämmung niemals akustisch aufdringlich, ist aber gerade bei niedrigen Drehzahlen träge und zäh. Häufige Gangwechsel mit dem serienmäßigem Sechsgang-Schaltgetriebe helfen auch nicht weiter, denn der sechste Gang ist eigentlich nur als Schongang für die Autobahn ausgelegt.

Als Alternative zum serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe steht für den Juke erstmals ein sportliches Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT) mit Lenkradschaltwippen zur Wahl. Das Fahrverhalten lässt sich über den optionalen D-Mode Schalter mit den drei Modi Eco, Standard und Sport den individuellen Vorlieben anpassen.

Im Vergleich zum Vorgänger hat Nissan den Preis deutlich erhöht: Mit einem Grundpreis von 18.990 Euro liegt der neue Juke rund 2500 Euro über dem alten Modell. Mit Doppelkupplungs-Automatik ist der Japaner ab 22.590 Euro zu haben.

So leicht wie 2010 wird es der neue Juke allerdings nicht mehr haben. Denn heute tummeln sich im Segment der Kleinwagen-SUV wesentlich mehr Konkurrenten: VW T-Cross, Ford Puma, Fiat 500X, Mazda CX-3 oder Peugeot 2008 – um nur eine Handvoll Fahrzeuge der boomenden Gattung zu nennen.

Technische Daten (Herstellerangaben)  Nissan Juke DIG-T 117 Acenta 6MT                    
Motor/Antrieb  3-Zylinder-Benzin-Direkteinspritzer-Turbo, 999 cm3, 86 kW/117 PS, 180 Nm bei 4000 U/min                 
Fahrleistungen  10,4 s auf 100 km/h, 180 km/h                    
Verbrauch (Super) 5,9-6,2 l/100 km (kombiniert), 35-142 g CO2/100 km
Maße L/B/H  4,21/1,80/1,56 m                   
Kofferraum / Leergewicht 422 Liter / 1257 kg                    
Preis                    20.900 € (Baureihe ab 18.900 €)                    

Text: Thomas Kroher, Jochen Wieler. Fotos: Nissan

Hier finden Sie viele weitere Fahrberichte und Autotests.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de