Auto & Innovation

Wie der Mensch, so das Auto

Schicker Mini Countryman gegen schlichten Dacia Sandero Stepway: Wer gewinnt bei unserem Vergleich?

Ein Mini gegen einen Dacia? So abwegig das klingt, so grundsätzlich ist die Frage, die dahintersteckt: Jeder muss beim Autokauf entscheiden, was ihm wichtig – und wie viel ihm die individuelle Mobilität wert ist. Exemplarisch haben wir zwei sehr unterschiedliche Kleinwagen getestet: den Dacia Sandero Stepway und den im Grundpreis 2,5-mal  so teuren Mini Countryman. Beide sind kompakte Autos im robusten Geländelook und liegen damit voll im Trend. Zwei Motorwelt-Kollegen haben dazu ganz persönlichen Ansichten und Einsichten.

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Der Image-Faktor ist wichtig

Jochen Wieler: Ein Dacia? Keine zehn Pferde würden mich in so ein image-freies Billigauto bringen! Mir hat es stattdessen der bildhübsche Mini angetan. Jedes Teil an ihm ist durchgestylt, damit kann ich mich überall sehen lassen. Und falle positiv auf. Ein Mini ist ein knuffiger Sympathieträger, den jeder mag. Ein rollendes Lebensgefühl eben. Das passt zu mir, und so zeige ich mich gern. 

Thomas Kroher: So ein Lifestyle-Quatsch! Image wird doch völlig überbewertet. Das brauche ich nicht – diese Phase habe ich in meinem Alter hinter mir. Und wer sagt, dass der Dacia kein Image hat? Wie formuliert es Mehmet Scholl in der Werbung so schön: „Das Statussymbol für alle, die kein Statussymbol brauchen.“ Das ist ein Statement. Und so übel sieht der Sandero gar nicht aus.

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Ein Auto muss praktisch sein

Kroher: Das Wichtigste an einem Auto ist ohnehin der Nutzwert in der Praxis – und den bietet der Dacia allemal. Mit seiner Kürze von 4,10 Metern und einem Wendekreis von knapp 11 Metern ist er absolut stadttauglich, kommt auf Langstrecke mit seinem 50-Liter-Tank und mageren 5,1 Litern Dieselverbrauch 1000 Kilometer weit. Vier Erwachsene sitzen dabei auch mehrere Stunden lang sehr bequem, und der Kofferraum schluckt dachhoch beladen sogar sieben Sprudelkästen.  

Wieler: Perfekt geht ja wohl anders. Nach dem Umlegen der Rücksitze hat der Dacia eine unpraktische Stufe im Kofferraum – so etwas erlaubt sich der Mini nicht. Bei ihm lassen sich auch die Rücksitze um 13 Zentimeter verschieben. So kann ich wählen: Brauche ich gerade viel Platz für langbeinige Mitfahrer, oder muss ich viel Gepäck mitnehmen? Mini ist am 4,30 Meter langen Countryman nichts mehr: 315 Liter Kofferraumvolumen und eine umgeklappt 1,54 Meter lange Ladefläche sind doch auch was für den Baumarkt.

Kroher: Tatsächlich wird trotzdem nur das edle Golfbag verstaut, um das schicke  Interieur ja nicht zu verkratzen. Beim Arbeitskumpel Sandero ist mir das eher egal … Aber 300 Euro extra für eine verschiebbare Rückbank? Für halb so viel Geld bekomme ich beim Dacia schon eine Rückfahrkamera, denn nach hinten sieht man – bei beiden Modellen – nichts.

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Die beste Technik ist gut genug

Wieler: Eine Kamera hat doch heute jeder. Der Mini zirkelt sogar von selbst in die Parklücke! Ich kann zwischen verschiedenen Farben der Interieurbeleuchtungen wählen, der Fußraum ist LED-beleuchtet, und ich kann einstellen, ob ich sportlich oder effizient fahren will. Und die Sprachsteuerung gehorcht aufs Wort – umständlich Navi-Ziele eintippen, das tu ich mir nicht an. Wenn ich nachts einsteige, wird das Mini-Logo als Lichtkegel vor die Tür projiziert! Toll, oder? Ich stehe dazu: Ich liebe technische Spielereien!  Und ich finde, dass ein neues Auto den Stand der Technik haben sollte. 

Kroher: Technische Gimmicks sucht man im Stepway auch bei der teuersten „Celebration“-Ausstattung für 13 400 € vergeblich: Klimaanlage, Zentralverrie-gelung und elektrische Fensterheber – das ist für den Dacia-Fahrer der höchste Luxus. Aber viel mehr brauche ich zum Fahren auch nicht. Wichtiger ist sein drehmomentstarker 90-PS-Diesel, der schon bei mittleren Drehzahlen kräftig beschleunigt. Der Verbrauch stimmt, doch bei den Stickoxiden leistet sich Renault beim Dacia einen Fauxpas: Exorbitante NOx-Werte im ADAC EcoTest (889 mg/km!) sind nicht akzeptabel – null Punkte in der Schadstoffwertung! Schade, aber der Sandero mit so einem dreckigen Diesel geht gar nicht.

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Sicherheit ist lebenswichtig

Kroher: Akzeptieren kann ich dagegen die nur rudimentäre Sicherheitsausstattung des Sandero: Front- und Seitenairbags sowie das gesetzlich vorgeschriebene ESP und die Reifendruckkontrolle – mehr gibt’s nicht. Kann das der ADAC gut finden? Ich zumindest bin froh, dass sich so noch mehr Familien überhaupt ein Auto leisten können. Und die Karosserie hat beim Crashtest bewiesen, dass sie die Insassen tatsächlich effektiv schützt.

Wieler: Kompromisse bei der Sicherheit kommen für mich nicht infrage. Der Mini bekommt alle fünf Sterne im Crashtest, hat sechs Airbags, eine Auffahrwarnung, und gegen Aufpreis erkennt er sogar Personen und regelt den Abstand zum Vordermann automatisch. Sein Fahrwerk ist wirklich famos abgestimmt: Es macht nicht nur Spaß, sondern bietet auch im Grenzbereich maximale Sicherheit.

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Der Preis muss stimmen

Wieler: So viel Perfektion hat natürlich ihren Preis. Günstig ist der Countryman Cooper D für gut 30 000 € nicht. Mit den Extras des Testwagens kommt der BMW-Ableger sogar auf 47 000 €. Ganz schön heftig. Aber wer sich’s leisten kann, darf sich den Spaß doch gönnen!  

Kroher: Für das Geld spendiere ich jedem in meiner Familie einen eigenen Dacia! Mit den niedrigen Wartungskosten und dem geringen Wertverlust kann ich mir das auch langfristig leisten. Klar, dafür bekomme ich beim Sandero nur das Allernötigste – aber mehr brauche ich nicht. 

Text: Thomas Kroher, Jochen Wieler. Illustration: Gerhard Schlegel

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Vergleichstest


Vergleichsergebnis Platz 1
Mini Cooper D Countryman
Platz 2
Dacia Sandero Stepway dCi 90
Herstellerangaben
 
Motor 4-Zyl.-Turbodiesel, -
1995 cm³, 110 kW/150 PS
330 Nm bei 1750 U/min
4-Zyl.-Turbodiesel, -
1461 cm³, 66kW/90 PS
220 Nm bei 1750 U/min
Fahrleistungen

8,9 s auf 100 km/h
208 km/h

11,7 s auf 100 km/h
167 km/h
Maße (Länge/Breite/Höhe) 4,30/1,82/1,56  m   4,08/1,76/1,62 m
Preis 30.100 Euro, Baureihe ab 24.000 Euro Celebration 13.400 Euro, Baureihe ab 9.990 Euro
ADAC Messwerte
 
Überholvorgang 60-100 km/h 5,7 Sekunden 7,4 Sekunden 
Bremsweg aus 100 km/h 33,8 Meter  36,1 Meter
Wendekreis 11,6 Meter  10,9 Meter
Kofferraum (normal/geklappt) 315/670 Liter  290/566 Liter
 Reichweite 960 Kilometer   980 Kilometer
EuroNCAP-Crashtest *****  **** (Test von 2013)
Kosten inklusive Wertverlust 610 Euro monatlich  355 Euro monatlich
ADAC EcoTest    
Verbrauch gesamt 5,3 I Diesel/100 km  5,1 I Diesel/100 km
Stadt/Land/BAB 5,1/4,8/6,3 I  4,3/4,7/6,5 I
CO2-Emission (Well-to-Wheel) 167 g/km  162 g/km
EcoTest-Wertung (max. 5 Sterne) ***  *
ADAC Urteil 2,7

 3,6

     
 Das gefiel uns
  • angenehme Sitzhöhe
  • viel Platz vorn
  • kräftiger Motor
  • Isofix auf Beifahrersitz serienmäßig
  • günstiger Preis
  • einfacher Zustieg
  • ordentliches Platzangebot
 Das gefiel uns nicht
  • sehr hohe Preise
  • relativ hoher Geräuschpegel
  • wenig Sicherheitsausstattung
  • sehr hoher Schadstoffausstoß (NOx)

 

Hier können Sie die ausführlichen Testberichte als PDF herunterladen:

Dacia Sandero Stepway dCi 90  (710,78 KB)

MINI Cooper D Countrymann (726,29 KB)