Mercedes GLS: Erste Testfahrt im Luxus-SUV

5.6.2019

Der neue Mercedes GLS kommt Ende 2019 auf den Markt. Der Oberklasse-SUV bietet mehr Platz, Komfort und Luxus zu Preisen ab 86.000 Euro. Erste Fahreindrücke plus Infos zu den Motoren, technischen Daten und Bilder

Front und Seite des Mercedes GLS fahrend
Mercedes GLS: Ende 2019 kommt die überarbeitete Version in den Handel
  • Der luxuriöse SUV bietet Platz für bis zu sieben Personen
  • Stärkere Motoren auch mit elektrischer Unterstützung
  • Der GLS kann bereits bestellt werden, die Preise starten bei rund 86.000 Euro

 

Die neue Generation des 2015 eingeführten Mercedes GLS wird 7,7 cm länger und 2,2 cm breiter, der Radstand wächst um 6 cm. In Motor und Innenraum kommt mehr Technik zum Einsatz. Ab Ende 2019 tritt der SUV gegen Konkurrenten wie BMW X5, VW Touareg, Audi Q7, Range Rover oder Porsche Cayenne an.

Mehr Komfort im Innenraum

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Rückbank des Mercedes GLS
In der mittleren Sitzreihe des Mercedes GLS ist das Platzangebot extra groß

Der Wagen wurde auf 5,20 m Länge verlängert. Das kommt den Passagieren in der zweiten Sitzreihe zugute – hier bietet Mercedes statt drei auch zwei Einzelsitze mit Armlehnen an. In die dritte Reihe passen zwei Erwachsene bis 1,94 Meter Körpergröße.

Gegen Aufpreis von 2120 Euro wird es hinten noch komfortabler: Es gibt dann eine verlängerte Mittelkonsole mit Cupholdern, Komfort-Kopfstützen und eine -Armlehne für die zweite Sitzreihe. Besonders bequem haben es Passagiere auch durch die Massagefunktion der Sitze. Wenn die hinteren Plätze per Knopfdruck in den Fahrzeugboden fahren, entsteht ein Kofferraumvolumen von bis zu 2400 Liter. Für einfaches Beladen senkt er sich um 5 cm ab.

Hinten gibt es zudem zwei Touchscreens im 11,6-Zoll-Format, USB-Ladebuchsen, elektrische Sitzverstellung und -heizung. Optional können sie die Fünf-Zonen-Klimaanlage, das Telefon und das Entertainmentsystem mit einem 7-Zoll-Tablet auf dem Schoß steuern und Filme über die 11,6 Zoll großen Monitore in den vorderen Kopfstützen anschauen.

Volles Entertainment im Cockpit

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Cockpit des Mercedes GLS
Ins Cockpit des Mercedes GLS sind zwei Bildschirme integriert

Im Cockpit hat der Fahrer zwei Bildschirme von 12,3 Zoll vor sich. Optional unterstützt eine Gestensteuerung bei einigen Funktionen die Bedienung. Mit neuen Assistenzsystemen wie dem aktiven Abstandswarner wird die Fahrt sicherer: Das System erkennt Staus vorab und reduziert die Geschwindigkeit auf 100 km/h. Im Stau selbst fährt der GLS dann bis 60 km/h selbstständig.

Im neuen GLS kommt die neueste Generation des vielgelobten Infotainmentsystems MBUX  (Mercedes-Benz User Experience) zum Einsatz. Es ermöglicht unter anderem Personalisierung (Profile) und Vorhersage-Funktionen, natürliches Sprachverstehen (Aktivierung über "Hey Mercedes"), Wifi-Hotspot und Internetradio.

Beim Design der Karosserie fallen vorn der steil stehende Kühler, der verchromte Unterfahrschutz und die Scheinwerfer auf. Damit die neue, größere Version problemlos durch die Waschstraße kommt, klappen die Seitenspiegel automatisch ein, und der Regensensor wird deaktiviert. Außerdem fährt das Fahrwerk höher, was die Spurweite verringert.

Diesel und Benziner mit E-Unterstützung

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Motor des Mercedes GLS
Mercedes-Ingenieur Theurer (r.) und Autor Hoberg vor der Testfahrt

Bei den Dieselmotoren (die als erstes erhältlich sind) gibt es die Varianten GLS 350 d 4Matic mit 286 PS und GLS 400 d 4Matic mit 330 PS. Beide Motoren schaffen dank eines zusätzlichen Selective-Catalytic-Reduction-Katalysators (SCR) mit Ammoniak-Sperr-Kat (ASC) im Abgasstrang bereits die zukünftige Abgasnorm Euro 6d.

Dazu kommen später die Benziner GLS 450 4Matic mit V6-Motor mit 367 PS und 500 Nm Drehmoment sowie der GLS 580 4Matic mit neuentwickeltem V8-Motor. Beide setzen auf eine elektrische Unterstützung mit 22 PS. Die stärkste Variante aus der AMG-Manufaktur leistete bisher 585 PS, künftig werden es über 600 sein.

Die Ingenieure rund um Carl-Friedrich Theurer haben zweieinhalb Jahre an dem neuen V8-Motor gefeilt. Als Basis diente der 4,0-Liter-Rumpfmotor, der mit anderen Zylinderköpfen und Lagern versehen wurde. So leistet die neue Kombination im GLS 580 starke 489 PS. Ihre elektrische Unterstützung nennt Mercedes EQ Boost.

Zum ersten Mal verbaut Mercedes einen integrierten Startergenerator (ISG) im V8. Der startet den Motor und boostet im unteren Drehzahlbereich elektrisch mit 22 PS und 250 Nm. Dazu erläutert Teamleiter Theurer: "Der ISG kompensiert den Übergang zum Aufbau des Turbodrucks, sodass ein Turboloch kaum zu spüren ist." Zwei Turbolader versorgen die Brennräume mit Luft, schieben den über 2,5 t schweren SUV leicht an. Addieren lässt sich die Leistung der beiden Motoren nicht, da sie bei verschiedenen Drehzahlen anliegen.

Mercedes GLS: Gute erste Fahreindrücke

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Front und Seite des Mercedes GLS fahrend
Vergrößert: Die neue Version des Mercedes GLS ist 5,20 m lang

Bei einer Mitfahrt in einem noch getarnten Modell auf dem Daimler-Testgelände beschleunigt der 5,20 m lange GLS nach einem Kickdown ohne Leistungsloch kraftvoll. Nur die kurzen Gangwechsel der Neun-Gang-Automatik sind zu spüren. Beim Bremsen oder im Schiebebetrieb rekuperiert der ISG, speichert also den Strom in einer 48-Volt-Batterie unter dem Rücksitz.

"V8-Benziner und ISG wurden zu einer harmonischen Antriebseinheit zusammengeführt, sodass ein geschmeidiges Fahren möglich wird, trotz weniger Hubraum und zwei Turbos," sagt Theurer. Im Eco-Modus sinkt die Drehzahl auf 0, aber ein kurzer Tipp aufs Gaspedal genügt, und der ISG startet den V8 schnell und kaum merkbar.

Durch das 48-Volt-Bordnetz lässt sich das elektronisch geregelte Luftfahrwerk schnell ansteuern. Das elektrisch aktive Fahrwerk (eABC) reagiert in Millisekunden auf Unebenheiten und bügelt Bodenwellen einfach weg. Kein Poltern oder Eintauchen des Fahrwerks dringt bis zu den Insassen durch. Optional neigt sich der GLS in Kurven leicht wie ein Motorrad, und der Freifahrmodus schaukelt der SUV in schwierigem Gelände frei.

Tipp Icon

V8 – zukunftssicher mit Startergeneratoren

Aufgrund der verschärften Abgasregelungen in der EU müssen die Autohersteller ihre Flottenverbräuche weiter senken. Bis 2021 dürfen neu zugelassene Fahrzeuge in der EU nur 95 g CO2/km ausstoßen, bis 2030 soll der Flottenwert auf rund 60 g CO2/km sinken. Jedes zusätzliche Gramm CO2 über dem Grenzwert kostet 95 Euro Strafe und wird mit der Anzahl der im Vorjahr in der EU zugelassenen Autos multipliziert. Außerdem wird das Fahrzeuggewicht berücksichtigt.

Hoher Verbrauch und starke Emissionen machen daher dem V8-Motor und dessen Herstellern wie Mercedes, BMW und Porsche zu schaffen. Um strengere Abgas- und Emissionsvorschriften zu erfüllen, betreiben sie einen hohen Aufwand. Nach der Zylinderabschaltung – im Teillastbereich läuft der Motor nur auf vier Zylindern – kommt nun die elektrische Unterstützung.

Grundsätzlich funktioniert ein Startergenerator bei jedem Verbrennungsmotor. Neben dem riemengetriebenen gibt es den integrierten Startergenerator (ISG), der bei Mercedes bei Vierzylinder-Motoren zum Einsatz kommt. Mit dem ISG gilt der Motor als Microhybrid, er wird zwar elektrisch unterstützt, kann aber aufgrund seiner geringen Leistung und niedrigen Batteriekapazität nicht rein elektrisch fahren. "Es ist eine weitere Möglichkeit, den Verbrenner effizienter zu machen. Wir sparen trotz Gewichtsnachteil allein mit dem ISG rund 8 Prozent Kraftstoff ein", erklärt Mercedes-Entwickler Theurer.

Technische Daten Mercedes GLS 350 d 4Matic Mercedes GLS 400 d 4Matic  Mercedes GLS 580 4Matic
Motor  Sechzylinder-Diesel, 2925 cm3, 210 kW/286 PS, 600 Nm Drehmoment Sechzylinder-Diesel, 2925 cm3, 243 kW/286 PS, 600 Nm Drehmoment,
V8-Turbo-Benziner / 489 PS / 700 Nm
Fahrleistungen  7,0 s auf 100 km/h, 227 km/h Spitze 6,3 s auf 100 km/h, 238 km/h Spitze k. A.
Verbrauch   7,9 l Diesel/100 km, 208 g CO2/100 km 7,9 l Diesel/100 km, 208 g CO2/100 km
10,0 l Super/100 km, 229 g CO2/km
Abgasnorm Euro 6d  Euro 6d k. A.
Maße  L 5,20 m / B 1,95 m 
L 5,20 m / B 1,95 m 
L 5,20 m / B 1,95 m 
Kofferraum  bis zu 2400 l   bis zu 2400 l  
bis zu 2400 l  
 Preis 85.924 €
90.387 € k. A.

Text: Fabian Hoberg, Fotos: Daimler AG.

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