Fahrbericht Mercedes GLE: Wie gut ist der Oberklasse-SUV?

4.7.2019

Mit dem neuen Mercedes GLE will Daimler Maßstäbe setzen. Der Luxus-SUV kommt mit starken Motoren, elektronischem Fahrwerk und vielen Assistenzsystemen. Testfahrt, Crashtest-Ergebnis, technische Daten, Verbrauch, Preis.

  • Der neue GLE hat bis zu sieben Sitzplätze und elektrisch verstellbare Fondsitze
  • Mit seinem aktivem Fahrwerk legt sich der Oberklasse-SUV in die Kurve
  • 48-Volt-Technik sorgt für Hybridisierung
  • Direkte Konkurrenten sind BMW X5, Audi Q7 und Range Rover Discovery

 

Auf Knopfdruck erwärmt sich die Lehne in der Tür, selbst die Mittelarmlehne wird innerhalb weniger Sekunden mollig warm: Schalten Fahrer oder Beifahrer die Sitzheizung (ab 428 Euro) an, wärmt der neue Mercedes GLE nicht nur die Sitzfläche. Es sind diese kleinen Details, die den Mercedes GLE besonders machen.

Mercedes packt in sein SUV alles, was gut und teuer ist – aber achtet auf Kleinigkeiten wie die Heizung und die tief in den Türtaschen untergebrachten Warnwesten. Zum reinen Autofahren benötigt man solchen Luxus natürlich nicht – aber genau das ist es doch, was ein Luxusauto von einem reinen Fortbewegungsmittel unterscheidet.

Neu: Das elektronische aktive Fahrwerk

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Silberner Mercedes GLE fahrend von hinten
Austauschbar: Von hinten wirkt der GLE wenig eigenständig

SUV-Chef-Entwickler Andreas Zygan ist stolz auf das neue Allradsystem und die drei unterschiedlichen Fahrwerke. Als Basis dient eine Stahlfederung, optional bietet Mercedes das Luftfahrwerk Airmatic an (2035 Euro).

Erstmals bei Mercedes erhält der GLE aber auch ein elektronisch aktives Fahrwerk, eine Kombination aus 48-Volt-Technik und Hydropneumatik. Dabei unterstützen vier hydraulische Pumpen bei Federungsspitzen die Luftfederung, minimieren Wank- und Nickbewegungen.

Bei normaler Belastung arbeiten die Pumpen zwischen 80 und 100 bar, in Spitzen mit bis zu 130 bar Druck. Eine Verbindung über einen Stabilisator entfällt. "Der GLE ist der erste Mercedes, der auf diese Art von Federkomfort setzt. Es ist ein vollaktives Fahrwerk und bei einem SUV sinnvoll, da es hier höhere Federwege von bis zu 200 Millimeter erreicht", sagt Andreas Zygan. Mit 7735 Euro kostet es allerdings auch sehr viel Geld. 

Beim Fahren lassen sich die Modi wechseln, je nach Ausführung auch in den Modus Curve. Dann minimiert das System das Wanken in Kurven oder Bremsennicken, was sich aber auf den ersten Kilometern eher unangenehm anfühlt. Für unseren Geschmack federt der über 2,3 Tonnen schwere Mercedes im Comfort- und Sport-Modus besser.

Eine Frontkamera überwacht permanent die Fahrbahn, schickt die Daten ans Steuergerät, das die hydraulischen Pumpen schnell ansteuert – und für den Belag richtig einstellt. Bodenwellen und Spurrillen frühstückt der GLE einfach weg. Insassen spüren schlechten Straßenbelag kaum.

Vor vier Jahren hieß der GLE noch M-Klasse

Seit über 20 Jahren baut Mercedes SUV in dieser Klasse, anfangs als ML bzw. M-Klasse, seit 2015 heißt die Baureihe GLE. In dieser Zeit griffen mehr als zwei Millionen Kunden zu, vor allem in Nordamerika, China und Europa. Mit 4,94 Meter Länge (Plus 8 cm mehr Radstand zum Vorgänger) fällt der Mercedes dort kaum auf, genauso wie seine Konkurrenten BMW X5, Audi Q7, Rage Rover Discovery, Porsche Cayenne und VW Touareg.

Je nach Position der zweiten Sitzreihe fast der Kofferraum zwischen 630 und 2055 Liter, die Rückbank lässt sich optional sechsfach elektrisch verstellen (1428 Euro). Zwei zusätzliche Sitze gibt es ebenso optional (1082 Euro). Dort sitzen nicht nur Kinder bequem, sondern auch Erwachsene bis 1,80 Meter Körpergröße.

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Der Mercedes GLE überzeugt auch offroad

Es ist aber nicht nur das Raumangebot, das den GLE zur E-Klasse unter den SUV macht, sondern auch Materialauswahl und Verarbeitungsqualität. Auf Wunsch lässt sich der Innenraum inklusive Cockpit mit feinem Nappaleder (1785 Euro) ausschlagen. Weiches Leder umhüllt die bequemen Sitze, die Doppelnähte ziehen sich gerade an den Kanten entlang und edles Alu umrandet Lüftungsdüsen und einige Schalter. Das sieht nicht nur edel aus, sondern fühlt sich auch hochwertig an. 

Dabei kann der GLE nicht nur schick, sondern auch zum Arbeitstier mutieren: Mit dem Offroad-Paket (2261 Euro für GLE 450) zieht der SUV bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast (Anhängevorrichtung 1142 Euro) aus dem Dreck, ein Assistent hilft dann beim Rangieren (416 Euro).

Mit dem vollvariablen Allrad und Untersetzungsgetriebe für die Sechs- und Achtzylindermotoren kraxelt der GLE selbst schwierige Passagen hinauf. Ein Freifahrmodus schaufelt Schnee oder Sand durch Ändern des Fahrzeugniveaus unters Auto, dass die Räder wieder Traktion erreichen – und sich wieder frei buddeln können. Nur die wenigsten Besitzer werden wahrscheinlich in eine solche Situation kommen – aber es ist dann gut zu wissen, dass man wieder hinaus fände.

48-Volt-Technik sorgt für weniger Verbrauch

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Silberner Mercedes GLE stehend von der Seite
Mehr Platz: Der Radstand ist um acht Zentimeter gewachsen

Die Preisliste startet mit dem Vierzylinder-Diesel GLE 300d 4Matic ab 65.807 Euro mit 180 kW/245 PS. Darüber rangieren zwei weitere Diesel mit Sechszylinder mit 272 PS (GLE 350d) und 330 PS (GLE 400d).

Der GLE 450 4 Matic stellt den einzigen Benziner. Der 72.650 Euro teure Sechszylinder wird von einem elektrischen Zusatzbooster unterstützt. Der integrierte Startergenerator arbeitet mit 48-Volt-Unterstützung, klingt aber bei Volllast kernig, laut und etwas angestrengt. 

Im Gegensatz zum Vierzylinder-Diesel und dem Benziner arbeiten die Sechszylinder-Diesel ruhig und souverän im Hintergrund. Und nerven nicht mit Lärm oder Vibrationen.

Durch das üppige Drehmoment sprinten sie selbst im beladenen Zustand flott aus dem Stand zur nächsten Ampel. Von 0 auf 100 km/h vergehen 6,6 (350d) bzw. 5,7 Sekunden (400d), die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 und 245 km/h.

Mit einem Verbrauch nach der alten NEFZ-Norm von 7,5 Liter auf 100 Kilometer fährt das 2,3-Tonnen-Gefährt noch sparsam, auch wenn es in der Praxis schon mal zehn sein können. Die Neungang-Automatik wechselt schnell und zurückhaltend die Gänge. Dank eines zusätzlichen SCR-Katalysators in der Euro-6d-Abgasnorm mit RDE-Stufe 2 (Pflicht ab Januar 2020) soll der GLE auch sauber fahren. Der ADAC Ecotest wird das bald überprüfen.

Zu den neuen Assistenzsystemen zählen unter anderem ein 45 x 15 Zentimeter großes, vollfarbiges Head-up-Display mit vielen Infos (1178 Euro), Multibeam-LED-Scheinwerfer (1457 Euro) und ein aktiver Stauassistent (im Paket für 2296 Euro). Das aus der A-Klasse bekannte Multimediasystem MBUX erweiterte Mercedes auf 12,3 Zoll und 40 neuen Funktionen. Es lässt sich per Touchscreen, Geste oder Sprache bedienen. Navigations- und Verkehrshinweise werden mit Live-Bildern ergänzt (297 Euro).

Um bei langen Fahrten Stress zu reduzieren und den Fahrkomfort zu erhöhen, gibt es das Energizing-Paket (ab 827 Euro), als Plus-Paket mit sechs verschiedenen Programmen für 4075 Euro. Es vitalisiert den Fahrer über spezielle Sitze auf längeren Strecken durch Massage, Anleitungen zu kleinen Übungen, Musik und Ionisierung der Luft – passend zu den beheizten Armlehnen. Mehr Luxus geht derzeit nicht bei SUV.

Bestnote im Crashtest

Der Mercedes-Benz GLE erreicht volle 5 Sterne. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut (für die zweite Sitzreihe optional), der Fahrer wird zusätzlich mit einem Knieairbag geschützt.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder weitgehend gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der GLE ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten, aktivem Spurhaltesystem und systemintegriertem Speedlimiter serienmäßig ausgestattet.

Ausführlicher Crashtest-Bericht

Technische Daten (Herstellerangaben)
Mercedes-Benz GLE 400d 4Matic
Motor Sechszylinder-Reihen-Turbodiesel, 2925 cm3, 243 kW/330 PS, 700 Nm bei 1200 bis 3000 U/min
Fahrleistungen  5,7 s auf 100 km/h, Spitze 245 km/h 
Verbrauch  7,0 – 7,5 l Diesel/100 km, 184 – 199 g CO2/km 
Maße  L 4,92 / B 1,94 / H 1,77 m 
Kofferraum
630 – 2055 l
Leergewicht
2265 kg
Preis 76.100 Euro,
Baureihe (300d) ab 65.807 Euro

 

Das hat uns gefallen: Luxuriöser SUV mit viel Platz, vielen netten Details. Komfortables Luftfahrwerk, intelligenter Allrad, starker Top-Diesel. Hochwertige Verarbeitung.

Das hat uns nicht gefallen: Sehr schwer, sehr teuer. Brummiger und lauter Basisdiesel (GLE 300d). Sehr lange Optionsliste.

Mehr Infos zur Baureihe gibt es in der ADAC Autodatenbank

Text: Fabian Hoberg, Fotos: PR.

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