Mercedes G-Klasse: Fahrbericht und Crashtest

5.4.2019

Seit 40 Jahren gibt es die Mercedes G-Klasse. Jetzt ist der legendäre Geleändewagen komplett überarbeitet worden. Der Fahrbericht unserer Test-Redaktion klärt, wie gut die neue Generation ist. Plus: Crashtest, technische Daten, Motoren und Preise

Mercedes G-Klasse offroad fahrend
Die neue G-Klasse: "Matsch" fun – dank einer Wattiefe von 70 Zentimetern und kraftvollem Allradantrieb 
  • Motoren: Zwei kräftige, aber durstige Benziner mit 422 und 585 PS, ein Diesel mit 286 PS
  • Dank 49 Zentimeter längerem Radstand bietet die G-Klasse viel Platz im Fond
  • Innen nicht wieder zu erkennen: Jetzt mit Widescreen-Cockpit
  • Die Preise starten bei 95.000 Euro

 

Auf den ersten Blick könnte die neue G-Klasse von Mercedes auch als besonders umfangreiches Facelift der seit 1989 gebauten Baureihe 463 durchgehen. Doch die neue Generation des kantigen Klassikers, die im Frühsommer 2018 auf den Markt gekommen ist, weist einige deutliche Unterschiede auf. Sie ist rund fünf Zentimeter länger und zwölf Zentimeter breiter geworden – das merkt man vor allem im Fond. Hier ist nun ordentlich Platz.

Sanfteres Design dank abgerundeter Kanten

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Mercedes G-Klasse fahrend seitlich
So lieben Fans "ihre" G-Klasse: mit Ecken und Kanten

Mit der Rundumvergrößerung wurde auch die Optik leicht angepasst. Zwar bleiben markante Details wie Türgriffe mit Knopfdruck, Schutzleisten, Ersatzrad am Heck und exponierte Blinker auf den vorderen Kotflügeln erhalten, dennoch wirkt die neue G-Klasse sanfter.

Das liegt vor allem an den stärker abgerundeten Kotflügeln und Stoßfängern, aber auch an der etwas mehr gekrümmten Frontscheibe. Auffällig sind auch die neugestalteten Scheinwerfer und Rückleuchten, die dank LED-Technik moderner wirken als bisher.

Während das Exterieur des klotzigen Kraxlers wunderbar in die Ahnengalerie passt, fand im Innenraum ein deutlicherer Umbruch statt. Zwar gibt es in der Basis-Ausstattung weiterhin analoge Rundinstrumente, doch die größere Zahl der G-Klassen dürfte das neue optionale Widescreen-Cockpit bekommen, das aus vielen anderen Mercedes-Modellen bekannt ist.

Innenraum: Cockpit mit riesigen Displays

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Verjüngungskur des Offroad-Monsters: Innen ist alles neu

Unter einer gemeinsamen Glasscheibe sind zwei je 12,3 Zoll große Displays vereint, die sich um die Darstellung von Tacho sowie Infotainment kümmern und größtenteils frei konfigurierbar sind. Dazu gibt es optional einen Aktiv-Multikontursitz mit Heiz-, Kühl- und Massagefunktion sowie Luftpolstern in den Wangen, die sich zur Unterstützung des Seitenhalts aufblasen können. G-typische Details wie der Haltegriff vor dem Beifahrer oder die drei mittig positionierten Knöpfe für die Differenzialsperren bleiben erhalten.

Die G-Klasse ist aber – aller neuen Komfort-Features zum Trotz – ein echtes Offroad-Monster geblieben. Besonders der sogenannte "G-Mode" im G 500, der mit Einschalten einer der drei hundertprozentigen Sperren aktiv wird, macht deutlich, dass der "G" weiterhin kein normaler SUV, sondern ein beinharter Geländewagen ist.

Mit einer Wattiefe von 70 Zentimetern und einer Bodenfreiheit von 24 gibt es wenige Situationen, die den "G" aus der Ruhe bringen. Steile Aufstiege sind die bevorzugten Spielwiesen der G-Klasse. Wie dieser riesige Kasten sich mit stoischer Ruhe glatte Felsen hinaufschiebt ist beeindruckend.

Landrover Defender fahrend, schräg vorne

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V8-Motor und 9-Gang-Automatik

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Außen ist die G-KLasse sich absolut treu geblieben: Mit Ersatzrad am Heck

Aber auch im normalen Straßenbetrieb haben die Ingenieure aus Stuttgart ordentlich nachgelegt. Dank einer neuen elektromechanischen Lenkung und dem Schritt von der Starr- zur Mehrlenkerachse samt optionalem adaptiven Fahrwerk ist die G-Klasse nicht mehr ganz so schwammig und indirekt zu fahren. Zwar sind Hochbeinigkeit und das charakteristische Schaukeln bei Lastwechseln weiterhin Teil des typischen G-Gefühls, doch man fühlt sich dank der neuen Lenkung der Straße jetzt deutlich verbundener.

Einen großen Teil der Souveränität steuern die beiden Benziner sowie der neue Antriebsstrang bei. Momentan können sich Kunden zwischen dem G 500 (ab 107.000 Euro) mit 422 PS und 610 Newtonmeter sowie dem AMG G 63 (ab 148.000 Euro) mit 585 PS und 850 Newtonmeter entscheiden. Beide Motoren haben acht Zylinder in V-Bauweise und vier Liter Hubraum samt Turboaufladung.

Während der G 63 eindrucksvoll vorwärts schiebt und das Ganze mit einem tiefen Donnergrollen aus der Klappenabgasanlage samt Sidepipes untermalt, ist der G 500 die wohl rundere Wahl. Das sonore Blubbern des Achtzylinders bleibt erhalten, ist aber weniger aufdringlich als beim großen Bruder. Die neue Neun-Gang-Automatik bewegt den G sanft und geschmeidig durch die Fahrstufen.

Lediglich im Sportmodus hält das Getriebe die Gänge gefühlt zu lange und nervt den Fahrer mit hohen Drehzahlen. Wer die G-Klasse wegen der hohen Verbräuche (G 500, 11,5 l) ohne allzu schlechtes Gewissen im Alltag fahren will, sollte die Diesel-Variante mit Reihensechszylinder wählen. Der G 350 d leistet 286 PS und stellt starke 600 Nm Drehmoment zur Verfügung. De Diesel-Preisliste beginnt bei 95.000 Euro.

Fazit: Im Großen und Ganzen hat Mercedes viele Bereiche deutlich verbessert und das Auto auch für den Normalbetrieb nutzbarer gemacht. Trotzdem wird kaum ein Käufer das volle Potenzial im Gelände je ausnutzen und wäre daher eigentlich mit einem normalen SUV besser bedient. Aber für viele gilt: Man kauft hier nicht nur ein Auto, sondern eine Tradition, ein Image und ein Gefühl. Das G-Gefühl.

Mercedes G-Klasse im Crashtest: 5 Sterne

Die Mercedes-Benz G-Klasse erreicht gerade noch volle 5 Sterne. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffer, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seiten- und Knieairbags verbaut. Optional sind für die zweite Sitzreihe Seitenairbags erhältlich.

Der Insassenschutz ist insgesamt noch gut, doch sind die Gurtbelastungen für den Oberkörper teilweise hoch. Für Kinder in der zweiten Sitzreihe besteht jedoch ein sehr hohes Verletzungsrisiko für die Halswirbelsäule im Frontalcrash. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung, für den Beifahrersitz sind sie nicht erhältlich.

Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar. Die G-Klasse ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und etwas schwachem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet. 

Technische Daten Mercedes G 350 d  Mercedes G 500  Mercedes-AMG G 63
Motor 3,0-Liter-6-Zylinder-Diesel, 210 kW/286 PS, 600 Nm bei 1200 U/min 4,0-Liter-V8-Benziner, 310 kW/422 PS, 610 Nm bei 2250 bis 4750 U/min
4,0-Liter-V8-Benziner, 430 kW/585 PS, 850 Nm bei 2500 bis 3500 U/min
 Antrieb Neungang-Automatikgetriebe, Allradantrieb
Neungang-Automatikgetriebe, Allradantrieb Neungang-Automatikgetriebe, Allradantrieb
Fahrleistung 7.4 s auf 100 km/h, Spitze 199 km/h 5,9 s auf 100 km/h, Spitze 210 km/h
4,5 s auf 100 km/h, Spitze 220 km/h
Verbrauch 9,8 l/100 km, CO2-Ausstoß 259 g/km 11,5 l/100 km, CO2-Ausstoß 263 g/km 13,1 l/100 km, CO2-Ausstoß  299 g/km 
Maße L 4,82 / B 1,93 / H 1,97 m
L 4,82 / B 1,93 / H 1,97 m
L 4,82 / B 1,93 / H 1,97 m 
 Kofferraum 454 l
454 l
454 l 
 Preis ab 95.000 Euro ab 107.041 Euro ab 148.400 Euro

 

Text: Max Friedhoff/SP-X. Fotos: Daimler AG.

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