Fahrbericht Mercedes G-Klasse: "G" wie Gefühl?

18.10.18

Nach fast 30 Jahren gibt es eine neue Mercedes G-Klasse. Wird der einst so urige Geländewagen die aktuellen Konkurrenten von Land Rover und Jeep durch Sanftheit überflügeln? Erste Testfahrt, Daten und Preise

Mercedes G-Klasse offroad fahrend
Die neue G-Klasse: "Matsch" fun – dank einer Wattiefe von 70 Zentimetern und kraftvollem Allradantrieb 
  • Zum Marktstart gibt es zwei kräftige, aber durstige V8-Zylinder-Benziner mit bis zu 585 PS
  • Dank 49 Zentimeter längerem Radstand bietet die G-Klasse viel Platz im Fond
  • Innen nicht wieder zu erkennen: jetzt mit Widescreen-Cockpit
  • Kein Modell ist unter 100.000 € zu haben

 

Auf den ersten Blick könnte die neue G-Klasse von Mercedes auch als besonders umfangreiches Facelift der seit 1989 gebauten Baureihe 463 durchgehen. Doch die neue Generation des kantigen Klassikers, die im Frühsommer 2018 auf den Markt gekommen ist, weist doch einige deutliche Unterschiede auf. Sie ist rund fünf Zentimeter länger und zwölf Zentimeter breiter geworden – das merkt man vor allem im Fond. Hier ist nun ordentlich Platz.

Sanftere Optik: Abgerundete Kotflügel und Stoßfänger

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Mercedes G-Klasse fahrend seitlich
So lieben Fans "ihre" G-Klasse: mit Ecken und Kanten

Mit der Rundumvergrößerung wurde auch die Optik leicht angepasst. Zwar bleiben markante Details wie Türgriffe mit Knopfdruck, Schutzleisten, Ersatzrad am Heck und exponierte Blinker auf den vorderen Kotflügeln erhalten, dennoch wirkt die neue G-Klasse sanfter. Das liegt vor allem an den stärker abgerundeten Kotflügeln und Stoßfängern, aber auch an der etwas mehr gekrümmten Frontscheibe. Auffällig sind auch die neugestalteten Scheinwerfer und Rückleuchten, die dank LED-Technik moderner wirken als bisher.

Cockpit mit riesigen Displays

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Verjüngungskur des Offroad-Monsters: innen ist alles spacig neu

Während das Exterieur des klotzigen Kraxlers wunderbar in die Ahnengalerie passt, fand im Innenraum ein deutlicherer Umbruch statt. Zwar gibt es in der Basis-Ausstattung weiterhin analoge Rundinstrumente, doch die größere Zahl der G-Klassen dürfte das neue optionale Widescreen-Cockpit bekommen, das aus vielen anderen Mercedes-Modellen bekannt ist.

Unter einer gemeinsamen Glasscheibe sind zwei je 12,3 Zoll große Displays vereint, die sich um die Darstellung von Tacho sowie Infotainment kümmern und größtenteils frei konfigurierbar sind. Dazu gibt es optional einen Aktiv-Multikontursitz mit Heiz-, Kühl- und Massagefunktion sowie Luftpolstern in den Wangen, die sich zur Unterstützung des Seitenhalts aufblasen können. G-typische Details wie der Haltegriff vor dem Beifahrer oder die drei mittig positionierten Knöpfe für die Differenzialsperren bleiben erhalten.

Die G-Klasse ist aber – aller neuen Komfort-Features zum Trotz – ein echtes Offroad-Monster geblieben. Besonders der sogenannte "G-Mode" im G 500, der mit Einschalten einer der drei hundertprozentigen Sperren aktiv wird, macht deutlich, dass der "G" weiterhin kein normaler SUV, sondern ein beinharter Geländewagen ist. Mit einer Wattiefe von 70 Zentimetern und einer Bodenfreiheit von 24 gibt es wenige Situationen, die den "G" aus der Ruhe bringen. Steile Aufstiege sind die bevorzugten Spielwiesen der G-Klasse. Wie dieser riesige Kasten sich mit stoischer Ruhe glatte Felsen hinaufschiebt ist beeindruckend.

V8-Motor und 9-Gang-Automatik

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Außen ist die G-KLasse sich absolut treu geblieben: mit Ersatzrad am Heck

Aber auch im normalen Straßenbetrieb haben die Ingenieure aus Stuttgart ordentlich nachgelegt. Dank einer neuen elektromechanischen Lenkung und dem Schritt von der Starr- zur Mehrlenkerachse samt optionalem adaptiven Fahrwerk ist die G-Klasse nicht mehr ganz so schwammig und indirekt zu fahren. Zwar sind Hochbeinigkeit und das charakteristische Schaukeln bei Lastwechseln weiterhin Teil des typischen G-Gefühls, doch man fühlt sich dank der neuen Lenkung der Straße jetzt deutlich verbundener.

Einen großen Teil der Souveränität steuern die beiden verfügbaren Aggregate sowie der neue Antriebsstrang bei. Momentan können sich Kunden zwischen dem G 500 (ab 107.000 Euro) mit 310 kW/422 PS und 610 Newtonmeter sowie dem AMG G 63 (ab 148.000 Euro) mit 430 kW/585 PS und 850 Newtonmeter entscheiden. Beide Motoren haben acht Zylinder in V-Bauweise und vier Liter Hubraum samt Turboaufladung.

Während der G 63 eindrucksvoll vorwärts schiebt und das Ganze mit einem tiefen Donnergrollen aus der Klappenabgasanlage samt Sidepipes untermalt, ist der G 500 die wohl rundere Wahl. Das sonore Blubbern des Achtzylinders bleibt erhalten, ist aber weniger aufdringlich als beim großen Bruder. Die neue Neun-Gang-Automatik bewegt den G sanft und geschmeidig durch die Fahrstufen. Lediglich im Sportmodus hält das Getriebe die Gänge gefühlt zu lange und nervt den Fahrer mit hohen Drehzahlen. Wer die G-Klasse wegen der hohen Verbräuche (G 500, 11,5 l) ohne allzu schlechtes Gewissen im Alltag fahren will, sollte auf die Diesel-Variante mit Reihensechszylinder warten, die nachkommen soll.

Fazit: Im Großen und Ganzen hat Mercedes viele Bereiche deutlich verbessert und das Auto auch für den Normalbetrieb nutzbarer gemacht. Trotzdem wird kaum ein Käufer das volle Potenzial im Gelände je ausnutzen und wäre daher eigentlich mit einem normalen SUV besser bedient. Aber für viele gilt: Man kauft hier nicht nur ein Auto, sondern eine Tradition, ein Image und ein Gefühl. Das G-Gefühl.

Technische Daten Mercedes Benz G 500  Mercedes-AMG G 63
Motor 4,0-Liter-V8-Benziner, 310 kW/422 PS bei 5250 bis 5500 U/min, 610 Nm bei 2250 bis 4750 U/min
4,0-Liter-V8-Benziner, 430 kW/585 PS bei 6000 U/min, 850 Nm bei 2500 bis 3500 U/min
 Antrieb Neungang-Automatikgetriebe, Allradantrieb Neungang-Automatikgetriebe, Allradantrieb
Fahrleistung 5,9 s auf 100 km/h, Spitze 210 km/h
4,5 s auf 100 km/h, Spitze 220 km/h
Verbrauch 11,5 l/100 km, CO2-Ausstoß 263 g/km 13,1 l/100 km, CO2-Ausstoß  299 g/km 
Maße L 4,82 / B 1,93 / H 1,97 m
L 4,82 / B 1,93 / H 1,97 m 
 Kofferraum 454 l
454 l 
 Preis ab 107.041 Euro ab 148.400 Euro

 

Text: Max Friedhoff/SP-X. Fotos: PR

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