Toyota Lexus LY 650: Mit Vollgas übers Wasser

18.10.2019

In dicken Lettern klebt "Lexus“ auf der Seite. Nicht auf einem Auto, sondern auf einer 20-Meter-Yacht. Toyotas Nobeltochter baut seit diesem Sommer Yachten. Sinnvolle Geschäftserweiterung oder Marketing-Gag?

Jachten der Autohersteller Toyota Lexus
Formensprache und Farbgebung sollen an einen Lexus erinnern
  • Luxus-Yachten sind ein Marketinginstrument zur Imagebildung
  • Viele Autohersteller versuchen, in der Bootsbranche Fuß zu fassen
  • Die Preise liegen mindestens im siebenstelligen Bereich

 

”Für uns ist es eine sinnvolle Ergänzung zu Lexus-Autos. Mit unserer Yacht LY 650 zeigen wir, dass Lexus mehr ist als nur ein Autohersteller, dass wir Luxus auch auf andere Bereiche transportieren können“, sagt Akio Toyoda, CEO von Toyota bei der Präsentation.

Yachten seien außerdem ideal, um in Ruhe seine Privatsphäre genießen zu können. Vor allem Promis und Superreiche legen in ihrer Freizeit darauf Wert. Akio Toyoda kam beides in den Sinn, als er 2011 die Idee zu einer eigenen Yacht hatte. In Japan wird er wie ein Popstar verehrt. Er kann nicht in öffentlichen Hotels absteigen, ohne sofort erkannt zu werden.

Gleichzeitig wollte er die Marke Lexus auffrischen. ”Als ich 2009 als Toyota-CEO begann, fand ich Lexus langweilig. Das wollte ich mit neuen Ideen und einem neuen Design ändern“, sagt er. Die Form von Bug, Deck, Fenster und das Windschild erinnern an das Design von Lexus-Fahrzeugen, ebenso wie die Materialien und die gedeckten Farben.

Elegant sollte die Yacht werden, und schnell. Yachten seien ein Marketinginstrument, um die Marke luxuriös aufzuladen. Da Toyota und Lexus in diesem Bereich die Erfahrung fehlte, kooperierten die Japaner mit der amerikanischen Werft Marquis Yachts. 2,5 Jahre dauerte die Entwicklung für die 65-Fuß-Yacht (19,8 Meter) im Design von Lexus-Fahrzeugen, mit japanischer Qualität und hochwertiger Verarbeitung.

Bei den Antrieben setzen die Japaner auf bewährte Volvo-Penta-Motoren mit mindestens 2100 PS und bis zu 2700 PS. Bis zu 32 Knoten (60 km/h) schnell fährt die LY 650 damit. Die Inneneinrichtung wurde passend für die Yacht entwickelt und gebaut, ohne 90-Grad-Winkel, dafür mit vielen Rundungen. Fünf bis sechs Boote will die Werft pro Jahr bauen, zum Preis zwischen 3,7 und 4,7 Millionen Dollar.

Im maritimen Bereich tummeln sich schon seit Jahren bekannte Auto- und Motorenmarken. Volvo-Penta zählt zum Marktführer für Innenbordmotoren, hat aber mit der zum Tata-Konzern gehörenden Marke Volvo Cars seit 1999 nichts mehr zu tun. Der Hersteller baut Motoren und komplette Antriebssysteme für Sportboote und Berufsschifffahrt von 10 bis über 1000 PS.

Bekannte japanische Motorenhersteller treiben ebenfalls Boote an: Suzuki stellt Außenbordmotoren zwischen 2,5 und 350 PS her. Yamaha verkauft seit Anfang der 1960er-Jahre Außenbordmotoren in Deutschland, aktuell mit bis zu acht Zylindern und 430 PS. Auch der maritime Ableger von Honda stellt Außenbordmotoren her, mit einer Leistung von 2,3 bis 250 PS.

Aus einer Idee einiger Skipper, die bei VW in der Motorenentwicklung arbeiteten, entstanden sparsame VW-TDI-Dieselmotoren für Boote – und die Marke VW Marine. Den Vertrieb für die Vier-, Fünf-, Sechs-, und Achtzylindermotoren hat mittlerweile Mercury Marine übernommen.

 

Bildergalerie: Yachten anderer Automarken

Andere Autohersteller gehen weiter, legen mit Kooperationspartnern komplette Boote auf Kiel. Mercedes-AMG kooperiert schon seit über zehn Jahren mit dem Speedboot-Hersteller Cigarette und stellt regelmäßig Rennboote vor.

Mit der 41´AMG Carbon Edition zeigt AMG nun das elfte Boot in Kooperation mit Cigarette. Die 41-Fuß-Yacht (12,5 Meter) mit einem Rumpf aus Carbon wird von Mercury-Racing-400R-Außenbordmotoren mit einer Gesamtleistung von 1600 PS angetrieben. 2016 zeigte Mercedes AMG das 14 Meter lange Superboot Arrow460-Granturismo. Die beiden Dieselmotoren leisten insgesamt 960 PS und beschleunigen das Powerboot auf bis zu 37 Knoten (70 km/h). Preis: rund 2,5 Millionen Euro.

Aston Martin entwarf mit Quintessence Yachts die AM37. Das 11,10 Meter (37 Fuß) lange Powerboot setzt wie bei den Fahrzeugen auf edles Holz und Leder. Zwei 370-PS-Mercury-V8-Dieselmotoren oder zwei 430 PS starke Mercury-V8-Benzinmotoren stehen als Antrieb zur Wahl, bei der stärkeren AM37 S arbeiten zwei 520-PS-Motoren im Heck. Damit sind immerhin bis zu 50 Knoten (92,6 km/h) möglich.

Yachten sind gut fürs Image von Mercedes, Aston Martin, Porsche & Co. 

Bugatti kooperiert mit dem Boothersteller Palmer Johnson und baut die 20 Meter lange Niniette 66. Das Design lehnt sich an den aktuellen Hypersportwagen Bugatti Chiron an, wie auch die Materialien: Größtenteils wurde leichtes Carbon verwendet. Durch die beiden MAN-V8-Dieselmotoren mit je 1000 PS fährt das Schiff bis zu 44 Knoten (88 km/h) schnell. Preis: je nach Ausstattung 4 Millionen Dollar.

Das Designstudio F.A. Porsche legte gemeinsam mit dem Yachtbauer Dynamiq die Superjacht Gran Turismo Transatlantic 115 auf Kiel: für 14 Millionen Euro. Porsche war bei der 35-Meter-Yacht fürs Design zuständig, die Werft fürs Technische. Ein Hybridsystem senkt den Kraftstoffverbrauch, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 21 Knoten (38 km/h).

Akio Toyoda rechnet sich durchaus Marktchancen für seine neue Lexus-Yachten aus. Neben der LY 650 sollen weitere Sportboote in anderen Größen folgen. Fünf Boote vom präsentierten Baumuster seien schon verkauft, eine davon nach Japan. Ob er der neue Eigner sei, verriet er nicht. Aber er lächelte sanft. Vielleicht, weil er sich freut, sich selbst beschenkt zu haben – mit einer Yacht mit den dicken Lexus-Buchstaben auf den Seiten.

Text: Fabian Hoberg. Fotos: Toyota (6), Mercedes-AMG (2), Aston Martin (2), Bugatti (2), Porsche (2).

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