Lexus UX: Kompakt-SUV im Fahrbericht

25.11.2019

Der Lexus UX tritt im Segment der Premium-SUV als Alternative zu Mercedes GLA, BMW X1 und Audi Q2/Q3 an. Mit auffälligem Design und Hybridantrieb soll er vor allem Individualisten gefallen. Testfahrt, Daten, Preise, Bilder, Crashtest-Video

Frontansicht des Lexus UX fahrend
Lexus UX: Die selbstbewusste Front täuscht – groß ist der Japaner nicht
  • Mit 4,50 Metern Länge im Kompakt-SUV-Segment angesiedelt
  • Zwei Versionen: Ein Benziner mit 171 PS und ein Hybrid mit 184 PS
  • Preise zwischen 33.950 Euro und 50.850 Euro
  • Elektroversion UX 300e kommt 2020

 

1989 wurde erstmals ein Lexus auf dem deutschen Markt angeboten: Der LS400 trat als wuchtige Limousine gegen die Mercedes S-Klasse an und verwöhnte mit Luxus und einem seidenweichen Motor.

30 Jahre später umfasst die Produktpalette des Toyota-Ablegers nicht mehr nur ein Modell, sondern neun verschiedene Fahrzeuge vom kompakten CT200 über die Limousine ES bis zum Sportwagen LC. Jetzt gesellt sich ein zehntes dazu: Der UX, der laut Hersteller als "Urbaner Entdecker" mit überschaubarer Größe junge Paare oder Senioren ansprechen soll, die kein allzu großes Auto benötigen, aber eines haben wollen, das nicht an jeder Ecke steht.

Den Lexus UX Hybrid gibt es auch mit Allrad

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Heckansicht des  Lexus UX fahrend
Lexus UX: Individuelles Design, aber hohe Ladekante

Freilich sollten sie auch das nötige Kleingeld mitbringen, denn billig ist der Lexus nicht. Die Basisversion gibt es mit 171 PS starkem Benzinmotor zwar für 33.950 Euro, doch wer sich's ein bisschen hübsch einrichten möchte, muss zu einer der fünf (!) darüber liegenden Ausstattungsversionen greifen, die dann je nach Geldbeutel auch ein Navi, eine kabellose Ladefunktion fürs Smartphone, Matrix-LED-Scheinwerfer oder elektrisch verstellbare Ledersitze vorhalten. Knapp 51.000 Euro kostet die teuerste Version.

Rund 80 Prozent der Käufer entscheiden sich ohnehin für die Hybridversion mit einer Systemleistung von 184 PS. Die gibt es ab 35.900 Euro und für noch einmal 3300 Euro zusätzlich bekommt der Hybrid einen zweiten Motor an der Hinterachse. So wird aus dem frontgetriebenen UX ein Allradler ("E-Four"). Die Hinterachse schaltet sich nur bei Bedarf zu, so dass bei normaler Fahrt mit genügend Traktion der hintere E-Motor meist Pause hat.

Bei unserer Testfahrt mit dem Hybrid-Modell namens 250h konnte der Antrieb auf Anhieb überzeugen. Das Zusammenspiel von Elektromotor und Benziner klappt – wie bei Lexus/Toyota üblich – hervorragend: Ob der UX gerade elektrisch oder mit Benziner oder mit einer Mischung aus beiden Motoren fährt, lässt sich bei sanftem Gasfuß nur im Display eindeutig klären. Weil der SUV für die Fahrzeuggröße recht gut gedämmt ist, fährt es sich angenehm leise.

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Nur bei stärkerer Beschleunigung meldet sich der neu entwickelte 2,0-Liter-Vierzylinder mit hohen Drehzahlen so lange zu Wort, bis das Gaspedal wieder gelupft wird. Das durch das stufenlose Getriebe typische Toyota-Hybrid-Phänomen wirkt aber bei weitem nicht so störend wie etwa bei einem Prius. Manch einer empfindet es sogar als sportlich.

Die Fahrleistungen sind es jedenfalls. Mit einer Beschleunigung von 8,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h wird ein Sprint zum kurzweiligen Vergnügen, die Allradversion braucht nur 0,2 Sekunden länger. In beiden Fällen wird die Höchstgeschwindigkeit aber bei 177 km/h gedrosselt. Bei gelassener Fahrweise lassen sich die nach neuem WLTP-Verbrauchszyklus versprochenen 5,3 Liter Super auf 100 Kilometer durchaus einhalten; der Allradler braucht einen halben Liter mehr.

Wer nicht die etwas straffer abgestimmte Version F-Sport wählt, kann sich über einen guten Federungskomfort freuen. Allen Varianten gemein ist aber die direkt abgestimmte Lenkung, die den neuen Lexus UX recht handlich erscheinen und kurvige Landstraßen nicht zur Last werden lässt. Zumindest solange man den UX nicht mit einem Sportwagen verwechselt – der Hybrid bringt rund 1,6 Tonnen auf die Waage, die bei zu forscher Kurvenfahrt nach außen drängen.

Kein Raumwunder: Wenig Platz im Lexus-SUV

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Frontansicht des Lexus UX fahrend
Typische Lexus-Front mit riesigem Kühlergrill

Mit einem großen SUV sollte man den UX ebenfalls nicht verwechseln. Schließlich türmt sich seine nur 1,54 Meter hohe Karosserie nicht annähernd so auf wie die eines VW Tiguan (1,63 m) oder Ford Kuga (1,69 m), so dass man eigentlich nicht von einem SUV, sondern von einem leicht erhöhten Kompaktwagen, oder wie es die Autoindustrie gerne tut, von einem "Crossover" sprechen kann. Mit einer Länge von 4,50 Metern gesellt sich der Lexus UX aber sehr wohl zu den genannten Konkurrenten.

Ohne mit deren Platzangebot mithalten zu können. Durch sehr flache Scheiben wird viel Platz verschenkt, was sich besonders im Fond bemerkbar macht. Schon beim Einsteigen muss man aufpassen, sich nicht den Kopf zu stoßen und mit der Kopffreiheit ist es wegen des stark eingezogenen Dachs nicht weit her.

Auch vorn leidet das Raumgefühl, doch hier ist eher das ausladende Armaturenbrett schuld. Das wirkt modern und Lexus-typisch hochwertig gestaltet und gefällt durch eine nicht übertrieben komplizierte Handhabung. An das etwas eigenwillige Touchpad zur Bedienung des Bildschirms muss man sich allerdings erst gewöhnen.

Premium-Kompakt-SUV: Schon gefahren und bewertet 

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  • Der Lexus UX hat nur 750 kg Anhängelast

    Auch vom Kofferraumvolumen sollte man nicht allzu viel erwarten. Die Ladekante ist hoch und wo der Fronttriebler noch 320 Liter schluckt, gibt Lexus für die Allradversion nur magere 283 Liter an. Auch als Zugwagen eignet sich der Japaner nur bedingt – an 750 Kilogramm Anhängelast scheitert der Lexus UX schon an kleinen Wohnwagen. Die Benziner-Version UX 200 darf übrigens auch nicht mehr ziehen.

    Unter dem Strich ist der neue Lexus UX dennoch eine bereichernde Alternative für alle, die ein etwas ausgefalleneres Auto haben und sich nicht zwischen Kompaktwagen und SUV entscheiden wollen. Der UX liegt irgendwo dazwischen. Einziger Haken: Lexus-Händler sind nach wie vor rar gesät. Deutschlandweit gibt es nur 21.

     

    Technische Daten (Herstellerangaben) Lexus UX 200 Lexus UX 250h
    Motor                     Vierzylinder-Benziner, 1987 cm3, 126 kW/171 PS, 205 Nm bei 4800 U/min Vierzylinder-Hybrid-Benziner, 1987 cm3, 135 kW/184 PS Systemleistung, 190 Nm bei 4400 U/min
    Fahrleistungen                     9,2 s auf 100 km/h, 190 km/h Spitze 8,5 s auf 100 km/h, 177 km/h Spitze 
    Verbrauch / CO2-Ausstoß 6,6 – 6,9 l Super/100 km, 150 – 156 g CO2/km 5,3 l Super/100 km, 120 g CO2/km 
    Maße                     L 4,50 / B 1,84 (m. Spiegeln 2,08) / H 1,54 m L 4,50 / B 1,84 (m. Spiegeln 2,08) / H 1,54 m 
    Kofferraumvolumen 334 l 320 l 
    Preis ab 33.950 Euro ab 35.900 Euro 

    Lexus UX 300e: Elektro-Version mit 400 km Reichweite 

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    Lexus UX 300e beim Laden
    Mit Steckdose: Der UX 300e wird der erste rein elektrische Lexus

    Mit dem UX 300e hat Lexus sein erstes rein elektrisch angetriebenes Serienfahrzeug präsentiert. Der UX 300e segelt unter der Flagge der im Herbst 2019 in Tokio vorgestellten Elektrifizierungsstrategie "Lexus Electrified" mit einer integrierten Steuerung von Antriebsstrang, Lenkung, Aufhängung und Bremsen.

    Der Akku ist im Unterboden verstaut und hat eine Kapazität von 54,3 kWh. Laut Lexus soll das für eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern (nach NEFZ) sorgen. In der Praxis dürfte es wohl etwas weniger sein. Laden lässt sich die Antriebsbatterie mit maximal 50 kW.

    Die Leistung des Elektromotors liegt bei 150 kW/204 PS, das maximale Drehmoment bei 300 Newtonmeter. Auf 100 km/h soll der UX 300e in 7,0 Sekunden sprinten, die Spitze ist bei 160 km/h abgeregelt.

    Der Marktstart des UX 300e ist laut Hersteller in Europa für 2020 angedacht. In Japan kommt das Modell Anfang 2021 auf den Markt

    Crashtest: Fünf Sterne für den Lexus UX

    Der Lexus UX erreicht volle 5 Sterne und übertrifft die dafür erforderlichen Punktwerte deutlich. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seiten- und Knieairbags verbaut.

    Der Insassenschutz ist sehr gut, das Verletzungsrisiko für Erwachsene und Kinder gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung. Der mittlere Sitz hinten ist für gegurtete Kindersitze geeignet, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch, der Beifahrerairbag deaktivierbar. Der UX ist unter anderem mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet.

    Hier finden Sie die Detailergebnisse zum Crashtest des Lexus UX.

    Text: Jochen Wieler mit Material von MID. Fotos: Lexus.

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