Testfahrt Lexus ES: Neu in der Premium-Liga

14.2.2019

In der Business-Klasse gelingt Lexus kaum ein Stich gegen Mercedes, Audi und BMW. Trotzdem greift der Toyota-Ableger jetzt mit dem ES in der oberen Mittelklasse an. Verkaufsstart: Januar 2019. Testfahrt, technische Daten, Bilder, Preise 

Lexus ES fahrend
Lexus ES: Markantes Design mit "Diabolo"-Kühlergrill
  • Die 5-Meter-Limousine ist Nachfolger des Lexus GS
  • Einzige Antriebsart des ES – ein 218 PS starker Hybrid
  • Der Konkurrent zu Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse kostet 48.200 Euro

 

Nur knapp 2800 Fahrzeuge hat Lexus 2018 in Deutschland verkauft und spielt mit 0,1 Prozent Marktanteil bei den Neuzulassungen nicht wirklich eine Rolle. Doch die Japaner haben hehre Ziele: 4000 Auto sollen 2019 abgesetzt werden, im Jahr darauf nochmal tausend mehr.

Damit der Plan gelingt, erweitert Lexus sein Angebot und bringt im Frühjahr einen kompakten Crossover namens UX, und die Stufenhecklimousine ES, die schon ab Januar 2019 zu Preisen von mindestens 48.200 Euro in den Schauräumen steht.

Die Fünf-Meter-Limousine wildert in der Business-Klasse und will als exklusive Alternative zu Mercedes E-Klasse, Audi A6 oder 5er BMW punkten. Exklusiv, weil man sie wohl nur selten zu Gesicht bekommt: Der eingestellte Vorgänger GS verkaufte sich zuletzt lediglich 115 Mal.

Den Lexus ES gibt es in den USA seit 1989

Dass Lexus mit der Einführung des ES die Konkurrenz in München, Stuttgart oder Ingolstadt erzittern lässt, ist also ausgeschlossen. Er ist viel mehr eine Pflichtübung, wenn man sich als Premium-Hersteller versteht. Und zwar eine, die relativ günstig zu realisieren ist. Denn: Der ES ist kein neues Auto.

Zwar hat es die Limousine bislang noch nie nach Deutschland geschafft. Doch zusammen mit dem Flaggschiff LS legte er 1989 den Grundstein für Lexus in den USA. Mittlerweile sind mehr als 2,3 Millionen ES verkauft worden. Auch die neue, siebte Generation ist in Amerika bereits im Handel.

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Umständliche Bedienung mit Touchpad

Sein Trumpf im Duell mit den deutschen Klassikern ist das Design. Ein bisschen an einen geschrumpften LS erinnernd, führt der ES die extrovertierte Lexus-Formensprache fort: großer "Diabolo"-Kühlergrill, schmale, L-förmige LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten, und hier und da ein paar markante Ecken im gut sitzenden Blechkleid. Das ist auf jeden Fall aufregender als der süddeutsche Einheits-Look.

Auch innen sieht vieles anders aus. Es gibt das größte Head-up-Display am Markt, dafür aber ein teils digitales, teils analoges Kombiinstrument, das ein bisschen wie zu heiß gewaschen wirkt, und der Bordcomputer ist ohne Lesehilfe nicht so leicht zu entziffern. In der Mittelkonsole thront ein breiter Infoscreen (je nach Ausstattung acht oder 12,3 Zoll groß), der jedoch nicht auf Fingerzeig reagiert.

Bedient wird das System über ein etwas umständliches Touchpad neben dem Automatik-Wählhebel. Dazu kommen für die heutige Zeit unüblich viele Tasten und eine Materialauswahl, die zwischen hervorragend und günstig schwankt.

Viel Platz für die Beine, wenig für Kopf und Gepäck

Zoom-In
Heckansicht des Lexus ES fahrend
Lexus ES: Auch am Heck konnten sich die Designer verwirklichen

Ausstechen kann der ES die Konkurrenz beim Platzangebot, zumindest was die Beinfreiheit anbelangt. Selbst knapp zwei Meter große Gäste können vorn wie hinten gut sitzen, vorausgesetzt, sie stoßen nicht an der Decke an; die coupéartige Dachlinie schränkt die Kopffreiheit ein. Fahrer- und Beifahrersitz dürften außerdem ein bisschen breiter bemessen sein, damit man auch ohne Modelmaße nicht direkt am Rand sitzt.

Der Kofferraum wirkt etwas unterdimensioniert: 454 Liter passen rein, gut 100 weniger als bei der Konkurrenz. Und die Rückbank lässt sich wegen einer extra Verstrebung nicht umklappen. Interessant: Der technisch eng verwandte Toyota Camry, der ebenfalls 2019 bei uns auf den Markt kommt, verzichtet zu Gunsten des Stauraums auf die Versteifung.

Der Lexus liegt satt auf der Straße, gleitet entspannt dahin und zieht auch in Kurven unbeeindruckt seine Bahnen. Anders als sein Vorgänger GS, der sich eher der Sportlichkeit verschrieben hatte, fährt der ES betont komfortabel vor, und selbst im Sportmodus mit gestrafften Dämpfern bleibt er ein angenehmer Reisebegleiter.

Etwas härter ausgelegt ist die F-Sport-Version, die allerdings den Preis auf 57.000 Euro ansteigen lässt. Nochmal deutlich teurer ist das Luxury-Modell mit Nahezu-Komplett-Ausstattung und einer umfangreichen Armada an Sicherheitssystemen für 63.950 Euro.

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    Keine Wahl haben die Kunden beim Motor: Der ES ist nur als 300h mit Hybrid-Antrieb erhältlich. Ein komplett neu entwickelter 2,5-Liter-Benziner (178 PS) übernimmt den Verbrenner-Part und wird mit einem 88 kW/120 PS starken E-Motor kombiniert. Die Systemleistung liegt so bei 218 PS. An die überbordende Kraft mancher Plug-in-Hybride kommt der ES aber nicht ran, beim beherzten Ampelstart tritt die 1,7 Tonnen schwere Limousine zügig, aber nicht allzu sportlich an.

    Der Hybrid-Lexus fährt leise, aber nur 180 km/h schnell

    Wie die Fahrwerks-Abstimmung ist auch der Antrieb eher aufs Cruisen angelegt und bei entspannter Fahrt dringt kaum ein Geräusch aus dem Motorraum nach innen; unter Volllast jault der ES bei weitem nicht mehr so dramatisch wie frühere Lexus-Hybrid-Modelle. Das liegt nicht zuletzt an der großzügig verbauten Dämmung. Verwaltet wird die Kraft von einem stufenlosen Getriebe, das gegenüber den in dieser Klasse typischen Wandlerautomaten immer noch ein bisschen ungewohnt wirkt.

    Und es hilft beim Sparen: Zwar kann der ES nur ein, zwei Kilometer rein elektrisch fahren, doch auf dem Papier soll er sich mit 5,3 Litern Super je 100 Kilometer begnügen. Mit ruhigem Gasfuß mag das klappen und auch bei normaler Gangart ist eine Sechs vor dem Komma drin. Eine Kehrseite des effizienten Hybridantriebs: Er beschränkt die Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h – und die Konkurrenz zieht selbst mit ihren Basismodellen problemlos vorbei.

    Technische Daten (Herstellerangaben) Lexus ES 300h
    Antrieb 4-Zylinder-Benziner: 2487 cm3, 131 kW/178 PS, 221 Nm bei 3600 U/min;
    Elektromotor: 88 kW/120 PS, 202 Nm; Systemleistung: 160 kW/218 PS
    Fahrleistungen 8,9 s auf 100 km/h, Spitze 180 km/h
    Verbrauch 5,3 l Super/100 km (WLTP), 121 g CO2/km
    Maße L 4,98 / B 1,87 / H 1,45 m 
    Kofferraumvolumen 454 l
    Preis ab 48.200 €                    

     

    Fünf Sterne beim EuroNCAP-Crash

    An Bord sind Gurtkraftbegrenzer, Gurtstraffer, Kopf- und Seitenairbags sowie optische und akustische Gurtwarner vorn und hinten. Vorn sind zusätzlich Knieairbags verbaut. Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko überwiegend gering bis sehr gering, jedoch kann im Fond der Beckengurt in den Bauchraum rutschen, was zu schweren Verletzungen führen kann.

    Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen mit i-Size-Kennzeichnung montiert, für den Beifahrersitz sind sie nicht erhältlich. Der ES ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten, automatischem Speed-Limiter und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet.

     

    Video: Lexus ES 300h im Crashtest

    Text: Michael Gebhardt. Fotos: PR.

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