Die KTM 790 Duke 2018: Erste Testfahrt

8.8.2018

Die neue KTM 790 Duke gilt als rasante Rennmaschine. Doch ist das Naked Bike auch alltagstauglich? Der erste Fahrbericht unserer Test-Redaktion klärt das. Plus: Daten und Preise

Schwarz-orange KTM 790 Duke fahrend
Mit der 790 Duke will KTM in der Mittelklasse Erfolg haben 
  • Die 790 Duke von KTM ist der erste Reihen-Zweizylinder der Marke
  • Das österreichische Naked Bike gibt es ab 9790 Euro
  • Mit 187 kg und 105 PS verspricht das Mittelklasse-Bike explosionsartige Kraftentfaltung

 

Mit der 790 Duke stellt KTM das erste Motorrad der Marke mit Reihen-Zweizylinder vor. Bisher sorgten Einzylinder- oder V2-Motoren für kräftigen Vortrieb. Der neue Twin im markentypischen Stahl-Gitterrohrrahmen ist allerdings kein gewöhnlicher Reihenmotor: Dank Hubzapfenversatz um 75 Grad brabbelt und gröhlt er im rauen, charakteristischen und unregelmäßigen Takt eines V-Motors. Eine Klangkulisse, die KTM-Fans zu schätzen wissen. Die explosionsartige Kraftentfaltung des völlig neu entwickelten 0,8-Liter-Motors gilt es zu nutzen.

Das Unregelmäßige und Raue am 105 PS starken Triebwerk passt bestens zum Charakter der 790 Duke: Das Bike giert förmlich nach hoher Drehzahl, der Zweizylinder setzt sie in impulsiven Vortrieb um. Launisch präsentiert sich das Zweirad dagegen beim Dahinrollen. Diese Fahrweise quittiert die 790 Duke mit „Konstantfahrruckeln".

Naked Bike von KTM: Power für die Mittelklasse

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Schwarz-orange KTM 790 Duke stehend
KTM gab dem Kurvenspezialist den Spitznamen "Skalpell" 

Dass die KTM 790 Duke gelegentlich zu divenhaftem Fahrverhalten neigt, verzeiht man ihr schnell. Denn von den 86 Nm Drehmoment, die sie aus 799 ccm Hubraum maximal schöpft, liegen zwischen gut 3000 und fast 10.000 Touren nie weniger als 70 Nm an.

Und zumindest in dieser Drehzahlregion liefert der neue Motor Power pur. Für den leichten, kurzfristigen Einbruch und wohl auch das von uns festgestellte Ruckeln dürfte der Schubkraft-Abfall bei etwa 4800 Umdrehungen verantwortlich sein.

Die 77 kW/105 PS der 790er schließen bei KTM die Lücke zwischen den 73 PS der einzylindrigen 690 Duke und den brachialen 177 PS der 1290 Duke mit V2-Motor. Das wurde für die Österreicher auch höchste Zeit: Schließlich sind rund 70 Prozent der in Europa zugelassenen Motorräder Naked Bikes, und die Mittelklasse spielt dabei die größte Rolle.

Rivalen wie Ducati Monster 821 (109 PS, 11.795 Euro) oder Yamaha MT-09 (115 PS, 10.375 Euro) teilten diesen Markt bislang untereinander auf. Künftig dürfte auch die neue KTM 790 Duke ein Stück vom Kuchen abbekommen.

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KTM 790 Duke und ihre Konkurrenten

Modell Leistung Gewicht Preis
KTM 790 Duke 105 PS
187 kg 
9790 €
Ducati Monster 821 109 PS
213 kg  11795 €
Kawasaki Z900 125 PS
210 kg 9095 €
Suzuki GSX-S 750 114 PS
214 kg
8890 €
Yamaha MT-09 115 PS
195 kg
10375 €

 

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Die Duke ist nüchtern ausgestattet

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KTM 790 Duke Reifen
Die Bremsen überzeugen bei Bremskraft und Dosierbarkeit

Den relativ günstigen Preis erreichten die KTM-Entwickler, indem sie auf exklusive Ausstattung verzichten. Statt Brembos greifen nüchtern mit „KTM“ bedruckte Stopper in die Bremsscheiben. Sie stammen von einem spanischen Zulieferer und funktionieren tadellos: Das Bremsverhalten ist kräftig und dennoch gut dosierbar.

Auch die Reifen vom taiwanesischen Hersteller Maxxis performen erstaunlich gut. Und das Fahrwerk leistet sich keinen Schnitzer, obwohl das hintere Federbein von KTMs Haus- und Hoflieferanten WP nur in der Federbasis einstellbar ist.

In die Vollen sind die Österreicher hingegen bei der elektronischen Ausstattung der 790 Duke gegangen. Der von Bosch beigesteuerte Quickshifter erlaubt beinahe immer reibungslose Schaltvorgänge, ohne die serienmäßige Anti-Hopping-Kupplung zu ziehen. Vier Fahrprogramme ermöglichen die gute Einstellung aufs eigene Fahrkönnen (vor allem im Modus „Track“, den die 790er als erste KTM serienmäßig an Bord hat).

Das Kurven-ABS bietet für Könner einen „Supermoto-Modus“ und die Traktionskontrolle ist schräglagenabhängig. All diese Funktionen bzw. deren Einstellung lassen sich über den großen TFT-Bildschirm bedienen und kontrollieren. Die Menüführung ist intuitiv und auch bei Sonnenlicht gut ablesbar.

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Agiler Fahrspaß, geringer Verbrauch

Mit 825 mm Sitzhöhe und 1475 mm Radstand bietet die Mittelklasse-Duke Fahrern bis 1,85 m Größe bequem Platz. Mit dem 76 cm breiten Lenker hat man das Naked Bike stets gut im Griff. Das ist eine der Voraussetzungen dafür, dass man die 790 kinderleicht um engste Ecken zirkeln lassen kann.

Dennoch fühlt man sich auch in schnell durchfahrenen Landstraßenkurven wohl – das Fahrwerk erweist sich als so präzise, wie man es sich aufgrund des offiziellen Spitznamens "Skalpell" erhofft. Auch Highspeed-Passagen auf der Autobahn bringt man hinter sich, ohne etwa unter Hochgeschwindigkeits-Pendeln zu leiden.

Der Fahrer muss sich lediglich anfangs daran gewöhnen, dass die 790 nahezu widerstandsfrei in jede Schräglage hineinfällt. Egal in welchem Fahrzustand: Die KTM bringt nur 187 kg auf die Waage – vollgetankt, wohlgemerkt.

Wer meint, so ein agiles, kurvenhungriges und drehzahlversessenes Spaßgerät würde an der Zapfsäule große Toleranz verlangen, liegt falsch. Die KTM 790 Duke ist extrem genügsam. Wir bewegten sie im gemischten Betrieb aus Stadt, Autobahn und Landstraße mit 3,7 l/100 km – dazu gehörten zwar auch entspanntes Cruisen, aber ebenso längere Fahrten zu zweit. Allerdings zeigte sich, dass die favorisierte Fortbewegung mit einer 790 Duke alleine stattfindet.

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Technische Daten KTM 790 Duke
Motor Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Zweizylinder-Reihenmotor, Leistung 77 kW/105 PS bei 9.000 U/min (wahlweise 35 kW/48 PS für Führerscheinklasse A2), max. Drehmoment 86 Nm bei 8.000 U/min, Sechsganggetriebe
Fahrleistungen 3,3 s von 0–100 km/h, Spitze 239 km/h
Fahrwerk Stahl-Gitterohrrahmen, vorn Upside-Down-Gabel (ø 43 mm), hinten Aluminium-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis
Bremsen vorn Doppelscheibe (ø 300 mm), hinten Einscheibenbremse (ø 240 mm), Ein-Kolben Schwimmsattel, Traktionskontrolle, Kurven-ABS
Reifen vorn 120/70 ZR17, hinten 180/55 ZR17
Maße / Gewichte Radstand 1475 mm, Tankinhalt 14 Liter, Sitzhöhe 825 mm /  Leergewicht 187 kg, zul. Gesamtgewicht 430 kg
Verbrauch 4,0 l/100 km (WMTC) kombiniert
Preis 9790 €

Text: Ralf Schütze. Fotos: Ralf Schütze (6), PR (1).

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