Auto & Innovationen

Kia Stonic: Mini-SUV im ADAC Test

4.5.2018

Kia setzt voll auf Lifestyle: Der neue Stonic soll all jene überzeugen, denen ein Kleinwagen zu klein und ein Kompaktwagen à la VW Golf zu spießig ist. Und die Koreaner könnten damit einen echten Volltreffer landen. Der kleine SUV ist zu Preisen ab 15.790 Euro zu haben. So schneidet er im ADAC Test ab

Klein, flott, stylisch: Mini-SUV Kia Stonic

"B-SUV-Segment" – so nennen die Autobauer die Kategorie, in die der neue Stonic einsortiert wird. Wer mit der sperrigen Bezeichnung nichts anfangen kann: Gemeint ist nichts anderes als ein Kleinwagen mit einem Hauch von Offroad-Flair. Die Betonung liegt beim Stonic aber eher auf Kleinwagen. Er basiert auf dem Kia Rio und bietet daher trotz der etwas üppigeren Karosserie kaum mehr Platz. Pluspunkte sammelt der Koreaner bei seiner guten Serienausstattung und den optischen Individualisierungsmöglichkeiten.

Vorreiter waren Renault Captur und Peugeot 2008

Kein Wunder, dass Mini-SUVs aller Marken den Markt überschwemmen: Diese Fahrzeugklasse verspricht momentan die größten Zuwachsraten. Los ging es vor vier Jahren bei Renault mit dem Captur. Darauf folgten unter anderem der Peugeot 2008, der Mazda CX-3 oder jüngst der Opel Crossland X. Nun also der Stonic, mit dem Kia möglichst viele Kunden von anderen Herstellern abziehen will. "In diesem Segment gibt es keine Markenloyalität", sagt Produktmanager Ivan Batard. Die Käufer würden zu 21 Prozent vom Kleinwagen kommen und hauptsächlich nach Optik kaufen.

Die fällt durchaus ansehnlich aus. Der Stonic ist deutlich gefälliger und weniger extrovertiert gestaltet als sein kastiges Schwestermodell Soul, der nach wie vor angeboten wird. Wem das Design zu zurückhaltend ist, der kann teils starke Farben wie ein strahlendes Gelb oder ein kräftiges Rot wählen. Die neun verschiedenen Außenvarianten lassen sich zudem mit fünf Dachfarben kombinieren. "Die Kunden legen heute viel Wert auf Individualisierung“, sagt Ivan Batard. Gut: Die Kontrastlackierung am Dach ist je nach Art und Ausstattungsvariante zwischen 300 und 850 Euro zu haben und damit nicht unerschwinglich.

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Auch das eher schlichte Interieur kann etwas Farbe gut vertragen: Vier verschiedene Töne stehen zur Wahl. Nicht ganz übertünchen lässt sich dadurch aber, dass ausschließlich hartes und kratzempfindliches Plastik verwendet wurde, das keinen sonderlich hochwertigen Eindruck macht. Aber das wäre in der Preisklasse unter 16.000 Euro vielleicht auch etwas viel verlangt.

Toll: Ein gute bedienbarer Touchscreen ist immer an Bord und die zeitgemäße Smartphone-Integration mit Android Auto und Apple Car Play ebenfalls. Navigieren läuft so zum Beispiel problemlos über den bordeigenen Bildschirm, so dass es im Grunde die teureren Ausstattungsvarianten, für die es ein fest eingebautes Navi gibt, gar nicht braucht. Die Basisversion Edition 7 bringt sogar schon Alufelgen, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Klimaanlage mit, vier Türen sind ohnehin Standard. Assistenzsysteme wie eine Müdigkeitserkennung oder eine Spurverlassenswarnung kosten aber extra.

Bietet der Stonic beim Komfort mit seiner etwas steifbeinigen Federung und dem relativ hohen Geräuschniveau nicht mehr als Durchschnitt, glänzt er dafür bei der zielgenauen Lenkung, die spontan anspricht und eine gute Rückmeldung gibt. Und beim ADAC Ausweichtest fährt der Stonic ebenfalls ein recht gutes Resultat ein. ESP regelt sicher und zuverlässig, beim simulierten Ausweichmanöver gibt es keine Probleme. Gemessene 37,6 Meter Bremsweg aus 100 km/h sind heute aber nicht mehr das Maß aller Dinge.

Die Motoren sind solide

Bei den Motoren bietet Kia solide Hausmannskost in Form von zwei Saugbenzinern mit 84 (ab 15.790 €) und 99 PS (ab 17.390 €), die von hohen Drehzahlen leben, sowie den wesentlich quirligeren, wenn auch nicht vibrationsfrei arbeitenden Dreizylinder mit 1,0 Liter Hubraum und 120 PS (ab 18.390 €).

Im ADAC Test musste sich der 120-PS-Benziner beweisen. Weil das maximale Drehmoment von 172 Newtonmeter bereits bei 1500 Umdrehungen anliegt, lässt sich der Stonic schaltfaul bewegen, die Fahrleistungen sind flott. Trotz des kleinen Hubraums ist der Mini-SUV aber nicht besonders sparsam: Der realitätsnahe ADAC EcoTest weist einen Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern, auf der Autobahn von 7,4 Litern Super aus.

Ein dickes Fragezeichen steht über der Zukunft des 110 PS starken Dieselmotors, der die Motorenpalette abrundet. Er ist ohnehin recht teuer (ab 20.090 €) und dürfte schon allein deshalb für die wenigsten eine Option darstellen. "Lässt die Nachfrage nach Dieselmotoren weiter nach, würden wir den 1.6 CRDi über kurz oder lang aus dem Programm nehmen", sagt Kia-Produktmanager Batard. Alternative Antriebe sind für den Stonic nicht vorgesehen, genauso wenig ein Allradantrieb.

Kia Rio/Kia Stonic: 3 bzw. mit Sicherheitspaket 5 Sterne im Crashtest

Der Kia Stonic erreicht nur 3 Sterne, unter Einbezug des optionalen Advanced Driving Assistance Packs aber 5 Sterne. Der Stonic basiert auf dem Kia Rio und ist mit der gleichen Sicherheitsausstattung versehen. Die Ergebnisse wurden am Rio ermittelt. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, optischen und akustischen Gurtwarnern sowie Kopfairbags vorn und hinten ausgestattet. Vorne sind zusätzlich Seitenairbags verbaut. Der Insassenschutz ist gut. Sowohl für die Erwachsenen wie auch für Kinder besteht durchweg nur ein geringes bis sehr geringes Verletzungsrisiko.

Lediglich beim Heckaufprall ist die Belastung auf die Nackenwirbel in der zweiten Sitzreihe mittel. Hinten  sind ISOFIX-Halter montiert. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar. Der Stonic ist nur optional im Rahmen des Advanced Driving Assistance Packs mit einem automatischen Notbremsassistenten und einem Spurverlassenswarner ausgestattet. Beim Kauf sollten sie unbedingt auf der Ausstattungsliste stehen. 

Hier geht es zu den detaillierten Crashtest-Ergebnissen.

Sehen Sie hier das Video zum Kia-Rio-Crashtest*.

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Wenig Vorteile gegenüber dem Kia Rio

Nach dem Sportage und dem Cee’d soll der Stonic die Nummer drei bei den Verkaufszahlen werden – noch vor dem Kleinwagen Rio. Dabei halten sich die Vorteile des Stonic in engen Grenzen. Weil die Karosserie mit 4,14 Metern nur sieben Zentimeter länger ist als die des Rio, herrschen ähnliche, kleinwagentypische Platzverhältnisse, und auch der Kofferraum fasst nur eine Reisetasche mehr: 352 zu 325 Liter beim Rio sind nicht die Welt.

Zwar ist die Karosserie des Stonic sieben Zentimeter höher, doch daran hat die serienmäßige Dachreling einen gehörigen Anteil. So sitzt man im Stonic nur vier Zentimeter höher als im Rio – beim Fahren registriert man das eigentlich nicht. Das dürfte das einzig wahre Manko am Stonic sein, schließlich ist genau das ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Kaufgrund für Vertreter des "B-SUV-Segments".

Hier lesen Sie den ausführlichen Testbericht zum Kia Stonic 1.0 T-GDI Spirit (PDF-Download648,63 KB)

Technische Daten & ADAC Bewertungen

Technische Daten
(Herstellerangaben)
Kia Stonic 1.0 T–GDI Spirit
Motor 3-Zylinder-Turbobenziner, 88 kW/120 PS, 172 Nm bei 1500 U/min
Fahrleistungen 10,3 s auf 100 km/h, Spitze 185 km/h
Verbrauch 5,0 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 115 g/km
Maße L 4,14 / B 1,76 / H 1,51 m
Kofferraumvolumen 352 – 1155 l
Preis 21.890 €, Baureihe ab 15.790 €

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,8
Karosserie/Kofferraum                     3,2                    
Innenraum                     2,9                    
Komfort                     3,2                    
Motor/Antrieb                     2,6                    
Fahreigenschaften  2,7 
Sicherheit  2,4 
Umwelt/EcoTest  2,9 

 

  • Das hat uns gefallen: Gute Serienausstattung. Notbremssystem Serie. Großes Farbspektrum. Spritziger Motor. Einfache Bedienung. Sieben Jahre Garantie.        
  • Das hat uns nicht gefallen: Kaum mehr Platz als ein Kleinwagen. Keine alternativen Antriebe zu haben. Mäßiges Halogenlicht. Hohes Geräuschniveau. Ungenügender Fenstereinklemmschutz.

So schneidet der Stonic im Vergleich mit Seat Arona, Hyundai Kona und Opel Crossland X ab 

Text: Jochen Wieler. Fotos: PR.

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