Jaguar E-Pace: Das kann der britische Kompakt-SUV

18.10.2019

Mit dem nur 4,40 Meter langen Kompakt-SUV E-Pace will sich die Marke neue Kunden erschließen. Ob das gelingt? Der Konkurrent des Audi Q3 und BMW X1 im ADAC Test. Preis: ab 36.910 Euro. Plus: Ergebnisse des Euro-NCAP-Crashtests

  • Kompakter SUV mit noblem Anspruch
  • 180-PS-Diesel: Testverbrauch 7,1 Liter/100 km
  • Federung sportlich statt komfortabel

 

Auch Jaguar hat die SUV-Hysterie voll erwischt. Neben dem größeren F-Pace und dem elektrischen I-Pace gibt es auch den kompakten E-Pace. Ein logischer Schritt, schließlich haben die Briten viel zu lange zugesehen, wie BMW X1, Audi Q3 und Volvo XC40 die Klientel abgreift, die für einen Premium-Hersteller besonders wichtig ist: Kunden, die bisher Ford Kuga oder Nissan Qashqai gefahren sind, sich nun etwas gönnen wollen und zum ersten Mal zu einer nobleren Marke greifen.

Alle Diesel mit SCR-Kat und AdBlue-Einspritzung

Zoom-In
Das knackige Design des E-Pace dürfte ankommen

Das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Zwar klingt der Einstiegspreis von 36.910 Euro nicht überteuert, doch dann muss man sich mit dem Basisdiesel mit 150 PS, Frontantrieb, Schaltgetriebe und Stoffsitzen begnügen. Soll der Wagen aber standesgemäß ausgestattet, besser motorisiert sein und automatisch schalten, muss man eher mit mehr als 50.000 Euro kalkulieren.

Die getestete Version (180 PS Diesel, Allrad) kommt auf gut 46.000 Euro Basispreis. Derzeit gibt es drei Diesel (150, 180, 240 PS) und drei Benziner (200, 249 und 300 PS).

"Wir sind gut beraten, ein Nebeneinander von Aggregaten zu akzeptieren", sagte der Vorstandsvorsitzende Ralf Speth bei der Präsentation des E-Pace. Lobenswert: Alle Diesel werden mit SCR-Kat und AdBlue-Einspritzung ausgeliefert, um die umstrittenen Stickoxidemissionen wirksam zu reduzieren. Eine elektrifizierte Version des E-Pace soll noch kommen.

Der kompakte SUV ist kein Leichtgewicht

Zoom-In
Der E-Pace erstreckt sich auf nur 4,40 Metern Länge

Zum ADAC Test stand uns der 180-PS-Diesel mit Schaltgetriebe zur Verfügung. Damit ist der E-Pace an sich ausreichend motorisiert. Allerdings spricht der Motor bei niedrigen Dreh- zahlen eher träge an, um dann oberhalb von 2000 Umdrehungen umso nachdrücklicher anzuschieben.

In Kombination mit dem lang übersetzten Sechsgang-Schaltgetriebe ergibt sich ein durchwachsenes Bild; während der Überholvorgang mit einer Beschleunigung von 60 auf 100 km/h in etwas über sechs Sekunden zügig erledigt wird, fehlt dem E-Pace im sechsten Gang bei niedrigen Drehzahlen die Puste für eine angemessene Beschleunigung. 60 auf 100 km/h dauern sehr lange 27,4 Sekunden im höchsten Gang, im fünften klappt das dann in etwa 14 Sekunden.

Grund: Das für einen kompakten SUV sehr hohe Leergewicht macht sich hier bemerkbar. Auch beim Verbrauch übrigens. 7,1 Liter im ADAC Ecotest sind nicht sonderlich sparsam. Das geht mittlerweile besser. Gut dagegen: Die Schadstoffanteile im Abgas fallen niedrig aus.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

 

Das Sechsganggetriebe ist insgesamt zufriedenstellend geführt, es zeigt sich etwas störrisch und kratzig beim Schalten. Daran ist wohl auch der etwas ungünstige Winkel verantwortlich, in dem der Fahrer die Schaltung betätigen muss, da der Schalthebel vergleichsweise hoch angeordnet ist; die Schaltwege sind aber schön kurz.

Das Fahrwerk wurde auf Agilität ausgelegt und nicht etwa auf einen sehr hohen Federungskomfort: So kommen Fahrbahnstöße teilweise doch überraschend deutlich zu den Insassen durch. Für einen SUV fährt sich der E-Pace aber erfreulich agil – auch wenn das ESP manchem ein wenig zu spät eingreifen dürfte.

Gute Smartphone-Anbindung und WLAN-Hotspot

Zoom-In
Auf der Rückbank geht es überraschend geräumig zu

Als technische Basis des bei Magna Steyr in Graz gebauten E-Pace dient die Plattform des Range Rover Evoque. Dadurch hat der Jaguar auch den Allradantrieb des Bruders geerbt, bietet aber nicht dessen spezielle Allradfahrprogramme. Nur eine Bergabfahrhilfe für steiles Gelände ist an Bord.

Die jüngeren Kunden, die Jaguar anpeilt, legen aber ohnehin eher Wert auf andere Dinge: Eine gute Smartphone-Anbindung etwa, über die sich bestimmte Apps (Spotify etc.) auf dem Bildschirm nutzen lassen, USB-Buchsen (5 an der Zahl) zum Laden von externen Geräten und ein WLAN-Hot-Spot, über den jeder Mitfahrer mit Tablet oder Smartphone ins Internet gehen kann.

Wer will, kann sogar den klassischen Schlüssel durch ein "Wearable“ ersetzen, das aussieht wie ein Fitnessarmband und ums Handgelenk gelegt wird. Warum sich bei all der Technik das Smartphone nicht induktiv laden lässt, bleibt rätselhaft – das kann mittlerweile selbst ein VW Polo.

Die üblichen Funktionen des Alltags lassen sich leicht bedienen. Die meisten Schalter sind recht groß und klar beschriftet sowie im Blickfeld des Fahrers. Allerdings sind die Tasten links unten am Armaturenbrett weit außerhalb des Blickfelds des Fahrers. Der Startknopf wird vom Lenkradkranz je nach Fahrerstatur teilweise verdeckt.

5 Sterne im Euro-NCAP-Crashtest

Der Jaguar E-Pace erreicht volle 5 Sterne. Er ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern vorne und hinten ausgestattet. Vorne sind zusätzlich Seitenairbags verbaut. Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder überwiegend gering bis sehr gering. Allerdings ist der Oberkörper des Fahrers im Offsetcrash einem mittleren Verletzungsrisiko ausgesetzt, die Belastungen auf das linke Schienbein sind hoch.

Hinten sind Isofix-Halter montiert mit i-Size-Kennzeichnung. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar, Isofix-Anbindungen sind für den Beifahrersitz nicht erhältlich. Der E-Pace ist mit einem einfachen Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten serienmäßig ausgestattet.

 

Tipp Icon

Jaguar: Mit indischer Mutter

Jaguar Land Rover mit Sitz in Coventry gehört zum indischen Tata-Konzern und wächst stetig. 2010 wurden weltweit insgesamt knapp 232.840 Fahrzeuge verkauft, 2017 bereits 621.109. Auf das Konto von Jaguar gehen dabei 178.601 Stück (2010: 51.444). Seit 2010 ist der gebürtige Mittelfranke Ralf Speth Vorstandsvorsitzender der Marken, der vorher bei BMW, Ford und Linde tätig war.

Genügend Platz – auch hinten

Zoom-In
Jaguar-Land-Rover-Chef Ralf Speth mit seinem kleinsten SUV

Obwohl der E-Pace nur 4,40 Meter lang ist – und somit einen Opel Astra nur um drei Zentimeter übertrifft –, herrschen keine beengten Platzverhältnisse. Kopf- und Beinfreiheit fallen hinten für Personen bis 1,90 Meter Größe überraschend gut aus.

Der Kofferraum ist mit einem Fassungsvermögen von gemessenen 330 bis 1215 Liter zwar nicht annähernd so üppig wie von Jaguar versprochen (577 bis 1234 Liter), doch für die Fahrzeuggröße ist das noch ok. Zumal sich das gut zugeschnitte Gepäckabteil gut nutzen lässt. So fehlt es Jaguars günstigstem Modell auch nicht an praktischem Nutzwert.

Ist der E-Pace also der Jaguar fürs Volk? Nach Jaguar-Maßstäben auf jeden Fall, denn der E-Pace ist in Deutschland das meistverkaufte Modell der Briten. Jeder dritte Jaguar-Kunde nimmt einen E-Pace.

Ob es auch mal einen Kleinwagen von Jaguar geben könnte? "Wir haben doch gerade einen vorgestellt" – Jaguar-Chef Speth lächelt verschmitzt und schaut in Richtung E-Pace.

Hier lesen Sie den ausführlichen Testbericht zum Jaguar E-Pace S D180 AWD als PDF.

 

Technische Daten (Herstellerangaben) Jaguar E-Pace S D180 AWD
Motor 4-Zylinder-Turbodiesel, 1999 cm3, 132 kW/180 PS, 430 Nm bei 1750 U/min
Fahrleistungen 9,9 s auf 100 km/h, 207 km/h Spitze
Verbrauch (nach WLTP) 7,2 l Diesel auf 100 km, 189 g CO2/km
Maße L 4,40 / B 1,98 / H 1,65 m
Kofferraum 577 – 1234 l 
Preis 46.360 €, Baureihe ab 36.910 € 
ADAC Messwerte (Auszug)
Überholvorgang 60-100 km/h 6,2 s
Bremsweg aus 100 km/h 36,5 m
Wendekreis 11,8 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 7,1 l Diesel/100 km , 225 g CO2/km (well-to-wheel)
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) ***
Reichweite 785 km
Innengeräusch bei 130 km/h 67,1 dB (A)
Leergewicht / Zuladung 1895 / 505 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch  330 / 735 / 1215 l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,7
Karosserie/Kofferraum 2,7
Innenraum 2,2
Komfort 2,6
Motor/Antrieb 2,8
Fahreigenschaften 2,8
Sicherheit 2,2
Umwelt/Ecotest 3,5

 

  • Das hat uns gefallen: Gutes Platzangebot vorn. Gute Serienausstattung. Zusätzlich viele Ausstattun- gen aus höheren Klassen lieferbar. Fußgängerschutzairbag Serie. Sicheres Keyless-System
  • Das hat uns nicht gefallen: Einige Ausstattungen für Handschalter nicht lieferbar. Hoher Verbrauch. Straffe Fahrwerksabstimmung. Sehr hohes Gewicht

Text: Jochen Wieler. Fotos: Jaguar.

Hier finden Sie viele weitere Fahrberichte und Autotests.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de