Renault Mégane R.S. im Fahrbericht: Technik, Fakten und Design

15.2.2018

Mit starkem Motor und innovativer Technik will der elegante Renner Renault Mégane R.S. seine Sport-Konkurrenten von VW, Ford, Seat oder Hyundai ausstechen. Die Eindrücke der ersten Testfahrt. Die Preise starten bei 37.000 Euro

Leistungsstarke Kompaktsportler haben bei Renault Tradition. Und wer wie ich in früheren Jahren in diversen Langstreckenrennen gegen die kleinen Wadlbeisser aus dem Renault 5- oder Clio-Cup  um Plätze kämpfen musste, weiß: Eine durchaus erfolgreiche Tradition! Seit 2004 ist der Mégane R.S. das sportliche Aushängeschild der Franzosen, die jetzt, 14 Jahre später, auf der anspruchsvollen Rennstrecke im spanischen Jerez die Neuauflage präsentieren – dynamisch und leistungsstark wie kein Vorgängermodell.

Die dritte Generation des R.S. spurtet in nur 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht im Topspeed 255 km/h. Als Antrieb dient ein komplett neuer 1,8-Liter-Turbobenziner mit 280 PS. Zusätzlich sorgen zahlreiche Anleihen aus dem Motorsport für Fahrspaß. Doch davon später mehr.

Elegantes Kraftpaket

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Mégane R.S. mit Frontpartie, die einen F1-Spoiler und die Zielflagge zitiert

Denn wichtig ist auch der erste Eindruck. Und im Licht der südspanischen Sonne kann man gut nachvollziehen, warum Renault es sich bei dem ersten Auftritt auf der IAA in Frankfurt getraut hat, den Mégane R.S. zum optischen Mittelpunkt des Messestands zu machen: Er sieht verdammt gut aus!

Groß dimensionierte Reifen mit vorn und hinten verbreiterter Spur, ausladendende Kotflügel, große Frischluftöffnungen in der Frontschürze, schmale LED-Scheinwerfer vorn sowie ein mächtiger Diffusor mit zwei zentral positionierten Auspuffendrohren hinten: Das alles strahlt Kraft und Sportlichkeit aus, ohne krawallig oder prollig zu wirken.

Unauffällig-dezent sind die optischen R.S.-Veränderungen im Innenraum. Ein paar farbige rote Akzente und ein großes R.S.-Logo auf dem velourbezogenen Lenkrad (R.S.: Renault Sport), das war‘s. Und das heißt eben auch: viel Plastik wie im normalen Mégane, jetzt mit bemühter Carbon-Musterung der Türenverkleidung.

Sehr funktional sind die Renault-Sportsitze: Sie bieten prima Seitenhalt und bleiben trotzdem auch auf langen Strecken sehr bequem. Hinten sitzt es sich Mégane-mäßig etwas beengt, dafür ist der fast 400 Liter große Kofferraum gut nutzbar.

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Die Bedienung? Typisch Renault

Wer Renault-erfahren ist, wird mit der Bedienung der (wenigen) Schalter keine Probleme haben – und auch die Radiosteuerung am Lenkstockhebel verstehen. Immerhin gibt es jetzt auch ein Head-up-Display, das allerdings auf eine kleine Plastikscheibe über dem Cockpit projiziert wird und deshalb nicht im direkten Blickfeld des Fahrers liegt.

Nur schwer zu akzeptieren ist das Infotainmentsystem R-Link – vor allem, weil es mit seinem riesigem 8,7-Zoll-Touchscreen-Display und schön gestalteter Grafik das Zeug zum Klassenbesten hätte. Doch um die Bedienlogik zu verstehen, muss man wohl eine französische Krabbelgruppe mit anschließender Gymnasialausbildung durchlaufen haben. Mal schnell per Intuition eine Einstellung ändern? Vergessen Sie’s. Oder im Vollbildmodus des im Prinzip gut funktionierenden Navi-Systems den Autozoom-Modus ausschalten, um die Verkehrslage in der Umgebung im Blick zu halten? Geht nicht!

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Die Fahrleistung? Sicher mit 280 PS!

Der R.S. hat andere Stärken – und die darf er auf der Rennstrecke in Jerez unter Beweis stellen. Zum Beispiel seinen starken, komplett neu entwickelten 280-PS-Turbobenziner, der extrem direkt – und mit tollem Sound – am Gasfuß hängt. Die Kraft überträgt er mit einem gut abgestuften 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das sich über Schaltwippen am Lenkrad bedienen lässt. Die Schaltstrategie und andere Parameter kann der Fahrer je nach Bedarf per Tastendruck verändern.

Für noch mehr Agilität statten die Renault-Ingenieure den R.S. mit der dynamischen Allradlenkung 4Control aus. Das Prinzip: Bis 60 km/h lenken die Hinterräder gegenläufig mit – dadurch regiert die Lenkung direkter, die Wendigkeit steigt. Über 60 km/h steuern die Räder in die gleiche Richtung, was wie eine Verlängerung des Radstands wirkt. Die Folge: Fahrstabilität und Sicherheitsreserven nehmen zu – und das wird gerade hier auf der Rennstrecke eindrucksvoll spürbar.

Ein weiteres schönes Detail sind die für den Rallye-Sport entwickelten Stoßdämpfer mit hydraulischem Endanschlag. Federt das Rad ein, drückt die Hydraulik das Rad schneller wieder Richtung Boden, sodass schlechte Straßen besser kontrollierbar werden.

Assistenzsysteme gut, Abgas schlecht

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Mehr als Optik: Der mächtige Diffusor am Unterboden sorgt auch für Abtrieb

An Assistenzsystemen ist auf Basis von Radar-, Kamera- und Ultraschalltechnik alles an Bord, was derzeit geboten wird. Und auch bei der Komfortausstattung will sich Renault nicht lumpen lassen. Doch Einzelheiten der deutschen Konfiguration stehen noch nicht fest, genausowenig der exakte Endpreis bei der Markteinführung („gut unterrichtete Kreise“ sprechen von mindestens 37.000 €).

Was aber feststeht, ist die offizielle Schadstoffeinstufung: Obwohl Euro 6c ab Herbst für Neufahrzeuge obligatorisch ist, startet der R.S. noch mit der alten 6b-Norm, die ohne den dann nötigen Partikelfilter für Benzindirekteinspritzer zu schaffen ist. Ganz ehrlich: Diesen ökologisch fragwürdigen Taschenspielertrick hat der ansonsten famose Mégane R.S. nicht verdient!

Technische Daten
Renault Mégane R.S. EDC (Doppelkupplung)
Motor 4-Zylinder Direkteinspritzer-Turbobenziner, 1798 cm3,
205 kW/280 PS, 390 Nm bei 2400 U/min
Fahrleistungen 5,8 s auf 100 km/h,
255 km/h Spitze
Verbrauch 6,9 l Super auf 100 km,
155 g CO2/km
Gewicht

1505 kg

Maße L 4,36/B 1,88/H 1,43 m
Kofferraum 384 - 1247 l
Preis noch nicht bekannt

 

  • Das hat uns gefallen: Sportlich starker Motor. Direkte Lenkung. Straff abgestimmtes, aber dennoch ausreichend komfortables Fahrwerk. Gut abgestimmtes Doppelkupplungsgetriebe. Gut geformte Sitze. Toller Sound.
  • Das hat uns nicht gefallen: Kompliziertes Entertainment-System. Schlechte Übersichtlichkeit, vor allem nach hinten. Kein Partikelfilter. 

Text: Thomas Kroher, Fotos: PR. (acfo)

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