Fahrspaß garantiert: Der sportliche Kia Stinger im Autotest

29.3.2018

Stark, sportlich, elegant und richtig günstig: Mit dem Stinger greift Kia die etablierte Konkurrenz wie BMW 4er Gran Tourismo, Audi S4 und Mercedes AMG C43 an. Der erste ADAC Test  – sowie alle technische Daten und Preise

"Power to Surprise" lautet seit einigen Jahren das Motto von Kia. Doch so richtig überraschen konnte das Modellprogramm mit Picanto, Rio, Ceed oder Optima noch nicht. Klar, die Autos sind prima gemacht, aber aufregend? Vorbei: Ab sofort sticht der in Deutschland designte Stinger (übersetzt: Stachel), ein überaus dynamischer Luxus-Sportler mit Power und Stil – und einer großzügigen serienmäßigen Ausstattung, für die sich die etablierte Konkurrenz fürstlich bezahlen lässt.

Es gibt immer ein erstes Mal. Und der Stinger ist Kias Debüt: Die erste viertürige Sportlimousine in klassischer Gran-Turismo-Tradition und gleichzeitig der erste Kia mit Hinterradantrieb. Dass auch sein elegantes Design im Straßenbild sofort ins Auge sticht, beweisen die begeisterten Reaktionen anderer Autofahrer bei unseren ersten Ausfahrten: "Was, das soll ein Kia sein? Das hätte ich denen nie zugetraut". 

Also alles richtig gemacht. Denn genau deshalb ist der Stinger für Kia-Geschäftsführer Steffen Cost so wertvoll: "Wir wollen einen Imagetransfer erzeugen. Der Kunde, der einen Picanto fährt, soll überrascht sein und denken: Mann, meine Marke Kia kann ja auch Stinger! Das ist die wichtigste Aufgabe dieses Auto. Und sollten wir dann mit ihm noch was verdienen, umso besser."

Der Preis ist heiß: ab 43.990 Euro

Dass Kia mit dem Stinger Geld verdient, mag man tatsächlich kaum glauben. 43.990 € verlangen die Koreaner für die Version mit dem "kleinsten" der drei angebotenen Motoren, der mit der serienmäßigen und fein schaltenden Achtstufen-Automatik auch schon 255 PS an die Hinterräder stemmt. Zum Vergleich: Ein gleichstarkes BMW 4er Gran Coupé Steptronic kostet 47.600 €, ist aber – BMW-typisch – nackt. Beim Stinger serienmäßig: Lederausstattung, elektrisch beheizte und klimatisierte Sitze, 8-Zoll-Navi, Apple/Android-Anbindung, Head-up-Display, Fernlichtassistent, Kennzeichenerkennung, ACC, Rückfahrkamera, 18-Zoll-Felgen und noch einiges mehr. Für solche Extras würden bei BMW wohl an die 20.000 Euro anfallen.

Die getestete Variante kommt zwar schon auf 54.900 € – doch das ist dann auch schon das Topmodell mit 3,3-Liter-V6, stolzen 370 PS und Allradantrieb. Doch dazu später mehr.

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Weil wir gerade beim Vergleich mit BMW sind: Es bleibt ein grundlegendes Ärgernis, dass die Bayern auf ihre Autos keine Garantie geben. Geht etwas nach der Gewährleistungsfrist kaputt, muss der Kunde auf die Kulanz der Marke vertrauen. Kia ist da weniger arrogant: Sieben Jahre Herstellergarantie bei maximal 150.000 km – das ist ein starkes Verkaufsargument und kann im Ernstfall viel Geld sparen.

Das Platzangebot bis auf die Kopffreiheit gut

Jetzt aber den Rechenschieber beiseite – das Preis-Leistungs-Verhältnis ist entscheidend. Der erste Eindruck: Trotz seiner sportlichen Coupé-Silhouette bietet der Stinger mit 4,83 Metern Länge und 1,87 Breite enorm viel Platz. Hinten könnten zwei Erwachsene auch auf längeren Strecken bequem sitzen, allerdings sind die Beine durch die tiefe Sitzposition zu sehr angewinkelt.Und wer über 1,80 Meter groß ist, streift mit den Haaren bereits das Dach.

Fürs Gepäck bleibt hinter der Fließheckklappe mit gemessenen 440 Litern Packvolumen ebenfalls noch ausreichend Platz, vorausgesetzt die Gepäckraumabdeckung hat man vorher entfernt. Die ist nämlich recht flach angebracht und schmälert das Ladevolumen auf 335 Liter. Umgeklappt fasst der Kia mit der großen Heckklappe immerhin 1.065 Liter.

Das Interieur präsentiert sich optisch wie haptisch mit viel Leder durchaus luxuriös. Doch wichtiger ist die einfache Bedienbarkeit – und hier zeigt der Stinger die kia-übliche Stärke: Kein Schnick-Schnack, die Schalter da, wo sie sein müssen, Instrumente und Displays bestens ablesbar. Serienmäßig ist sogar ein Head-Up-Display eingebaut, das Infos für den Fahrer gut ablesbar auf die Windschutzscheibe projiziert.

Die Motoren sind laufruhig und kraftvoll

Drei Motoren stehen zur Wahl. Neben dem 2-Liter-Basisbenziner mit 255 PS, der den 1,8 Tonner sehr laufruhig und ausreichend kräftig bewegt, steht noch ein laufruhiger 2,2-Liter-Turbodiesel mit 200 PS und 5,6 Liter Normverbrauch zur Wahl, der schon im Sorento gute Dienste leistet. Allerdings hat Kia die Chance verpasst, diesen Motor, der die aktuellen Grenzwerte noch einhält, für den Stinger abgasmäßig mit NOx-Filter und SCR-Technik zukunftsfit zu machen.

Getestet wurde aber der Top-Motor: Der fulminante 3,3-Liter-V6-Benziner mit Twin-Turbo und 510 Nm Drehmoment – ein echter Spaßmacher! Der Motor hängt einfach prima am Gas, gefällt durch seinen sonoren und kräftigen, aber keinesfalls aufdringlichen Sound. Und wer dem Reiz des Stinger erliegt und das Gaspedal Richtung Bodenblech bewegt, wird mit Nachdruck in die Sitze gepresst. Auf 100 km/h sprintet der Kia in 4,9 Sekunden, die Spitze liegt bei 270 km/h – und dreht der häufig bei 250 km/h abgeriegelten Konkurrenz einfange Nase. Auch der Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h ist nach ADAC Messung rasant erledigt: 2,7 Sekunden, länger dauerts nicht.

Die Schattenseite der Spaßgranate ist der hohe Verbrauch. Im ADAC EcoTest kam der Koreaner auf 10,4 Liter Super, verbunden mit einem gemessenen CO2-Ausstoß von 278 g je Kilometer (well-to-wheel). Auf der Autobahn genehmigt sich der Sportler sogar 12,4 Liter. Zeitgemäß ist das nicht. Weil auch die Partikelemissionen erhöht sind, reicht es nur für einen von fünf Sternen im EcoTest.

Das Fahrwerk ist sportlich-agil und komfortabel

Absolut auf der Höhe der Zeit sind dagegen das am Nürburgring verfeinerte Fahrwerk, das in Verbindung mit der feinfühlig ansprechenden Lenkung den Spagat zwischen sportlich-agilem Handling und Reisekomfort überzeugend hinbekommt.

Der Stinger ist tatsächlich ein richtiger Gran-Turismo im klassischen Sinn geworden: Eine coupéhafte Reiselimousine mit luxuriösem Platz für vier Personen und sportlichen Talenten. Und dem Picanto-Fahrer können wir versichern: Ja, Kia kann auch Stinger.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test zum Kia Stinger (PDF-Download1,22 MB)

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Daten & Fakten (Herstellerangaben)

Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT AWD Automatik
Motor: 6-Zylinder-Turbobenziner, 272 kW/370 PS, 3342 cm3, 510 Nm bei 1300 U/min
Fahrleistungen: 4,9 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 270 km/h
Verbrauch: 10,6 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 244 g/km
Maße: L 4,83/ B 1,87/ H 1,40 m
Kofferraumvolumen: 406 - 1114 l
Preis: 54.900 €, Baureihe ab 43.990 €
ADAC Messwerte  
Überholvorgang 60 – 100 km/h 2,7 s
Bremsweg aus 100 km/h 35,1 m
Wendekreis 12,4 m
Verbrauch im ADAC EcoTest 10,4 l Super/100 km, 278 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite 575 km
Innengeräusch bei 130 km/h 68,7 dB(A)
Kofferraumvolumen  335 – 1065 l 
Leergewicht / Zuladung  1880 / 445 kg 

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,6
Karosserie/Kofferraum 2,8
Innenraum 2,4
Komfort 2,2
Motor/Antrieb 1,3
Fahreigenschaften 2,0
Sicherheit 1,7
Umwelt/EcoTest (1 Stern von 5) 4,5

 

  • Das hat uns gefallen: Sehr laufruhiger, ausreichend kräftiger Motor. Fein abgestimmtes Fahrwerk. Gut ansprechende Lenkung. Relativ großzügige Platzverhältnisse. Einfache und logische Bedienung 
  • Das hat uns nicht gefallen: Schlechte Sicht nach hinten. Zu wenig Oberschenkelauflage im Fond. Hoher Verbrauch.

Text: Thomas Kroher. Fotos: PR. 

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