Auto & Innovation

Kia Stinger: Erster Fahrbericht des neuen koreanischen Gran Tourismo

25.10.2017

Stark, sportlich, elegant und richtig günstig: Mit dem Stinger greift Kia die etablierte Oberklasse-Konkurrenz wie BMW 4er Gran Tourismo, Audi S4 und Mercedes AMG C43 an. Die erste Testfahrt – sowie alle technische Daten und Preise

„Power to Surprise“ lautet seit einigen Jahren das Motto von Kia. Doch so richtig überraschen konnte das Modellprogramm mit Picanto, Rio, Ceed oder Optima noch nicht. Klar, die Autos sind prima gemacht, aber aufregend? Vorbei: Ab sofort sticht der in Deutschland designte Stinger (übersetzt: Stachel), ein überaus dynamischer Luxus-Sportler mit Power und Stil – und einer großzügigen serienmäßigen Ausstattung, für die sich die etablierte Konkurrenz fürstlich bezahlen lässt.

Es gibt immer ein erstes Mal. Und der Stinger ist Kias Debüt: Die erste viertürige Sportlimousine in klassischer Gran-Turismo-Tradition und gleichzeitig der erste Kia mit Hinterradantrieb. Dass auch sein elegantes Design im Straßenbild sofort ins Auge sticht, beweisen die begeisterten Reaktionen anderer Autofahrer bei unseren ersten Ausfahrten: „Was, das soll ein Kia sein? Das hätte ich denen nie zugetraut“. 

Also alles richtig gemacht. Denn genau deshalb ist der Stinger für Kia-Geschäftsführer Steffen Cost so wertvoll: „Wir wollen einen Imagetransfer erzeugen. Der Kunde, der einen Picanto fährt, soll überrascht sein und denken: Mann, meine Marke Kia kann ja auch Stinger! Das ist die wichtigste Aufgabe dieses Auto. Und sollten wir dann mit ihm noch was verdienen, umso besser.“

Der Preis ist heiß: 43.990 Euro

Dass Kia mit dem Stinger Geld verdient, mag man tatsächlich kaum glauben. 43.990 € verlangen die Koreaner für die Version mit dem „kleinsten“ der drei angebotenen Motoren, der mit der serienmäßigen und fein schaltenden Achtstufen-Automatik auch schon 255 PS an die Hinterräder stemmt. Zum Vergleich: Ein gleichstarkes BMW 4er Gran Coupé Steptronic kostet 47.600 €, ist aber – BMW-typisch – nackt. Beim Stinger serienmäßig: Lederausstattung, elektrisch beheizte und klimatisierte Sitze, 8-Zoll-Navi, Apple/Android-Anbindung, Head-up-Display, Fernlichtassistent, Kennzeichenerkennung, ACC, Rückfahrkamera, 18-Zoll-Felgen und noch einiges mehr. Für solche Extras würden bei BMW wohl an die 20.000 Euro anfallen.

 


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Und weil wir gerade beim Vergleich mit BMW sind: Es bleibt ein grundlegendes Ärgernis, dass die Bayern auf ihre Autos keine Garantie geben. Geht etwas nach der Gewährleistungsfrist kaputt, muss der Kunde auf die Kulanz der Marke vertrauen. Kia ist da weniger arrogant: Sieben Jahre Herstellergarantie bei maximal 150.000 km – das ist ein starkes Verkaufsargument und kann im Ernstfall viel Geld sparen.

Das Platzangebot ist gut

Jetzt aber den Rechenschieber beiseite – das Preis-Leistungs-Verhältnis ist entscheidend. Der erste Eindruck: Trotz seiner sportlichen Coupé-Silhouette bietet der Stinger mit 4,83 Metern Länge und 1,87 Breite enorm viel Platz. Hinten könnten zwei Erwachsene auch auf längeren Strecken bequem sitzen, allerdings sind die Beine durch die tiefe Sitzposition zu sehr angewinkelt. Fürs Gepäck bleibt hinter der Fließheckklappe mit 400 Litern Packvolumen ebenfalls noch ausreichend Platz, nur für einen mittleren Hund wäre der Kopfraum wohl zu knapp.

Das Interieur präsentiert sich optisch wie haptisch mit viel Leder durchaus luxuriös. Doch wichtiger ist die einfache Bedienbarkeit – und hier zeigt der Stinger die kia-übliche Stärke: Kein Schnick-Schnack, die Schalter da, wo sie sein müssen, Instrumente und Displays bestens ablesbar.

Die Motoren sind laufruhig und kraftvoll

Drei Motoren stehen zur Wahl. Neben dem schon angesprochenen 2-Liter-Basisbenziner mit 255 PS, der den 1,8 Tonner sehr laufruhig und ausreichend kräftig bewegt, steht noch ein fulminanter 3,3-Liter-V6-Benziner mit Twin-Turbo und 510 Nm Drehmoment zur Verfügung – ein echter Spaßmacher.

Doch erste Wahl dürfte wohl der ökonomische und laufruhige 2,2-Liter-Turbodiesel mit 200 PS und 5,6 Liter Verbrauch sein, der schon im Sorento gute Dienste leistet. Allerdings hat Kia die Chance verpasst, diesen Motor, der die aktuellen Grenzwerte noch einhält, für den Stinger abgasmäßig mit NOx-Filter und SCR-Technik zukunftsfit zu machen.

Das Fahrwerk ist sportlich-agil und komfortabel

Absolut auf der Höhe der Zeit sind dagegen das am Nürburgring verfeinerte Fahrwerk, das in Verbindung mit der feinfühlig ansprechenden Lenkung den Spagat zwischen sportlich-agilem Handling und Reisekomfort überzeugend hinbekommt.

Der Stinger ist tatsächlich ein richtiger Gran-Turismo im klassischen Sinn geworden: Eine coupéhafte Reiselimousine mit luxuriösem Platz für vier Personen und sportlichen Talenten. Und dem Picanto-Fahrer können wir versichern: Ja, Kia kann auch Stinger.

Text: Thomas Kroher. Fotos: PR.

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Daten & Fakten (Herstellerangaben)

Kia Stinger 2.2 CRDi GT Line
Motor: 4-Zylinder Turbodiesel, 147 kW/200 PS, 2199 cm3, 440 Nm bei 1750 U/min
Fahrleistungen: 7,6 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 230 km/h
Verbrauch: 5,6 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß: 147 g/km
Maße: L 4,83/B 1,87/H 1,40 m
Kofferraumvolumen: 406 - 1114 l
Preis: 44.990 €, Baureihe ab 43.990 €

Das hat uns gefallen: Sehr laufruhiger, ausreichend kräftiger Motor. Fein abgestimmtes Fahrwerk. Gut ansprechende Lenkung. Relativ großzügige Platzverhältnisse. Einfache und logische Bedienung.
Das hat uns nicht gefallen: Schlechte Sicht nach hinten. Zu wenig Oberschenkelauflage im Fond.