Fahrbericht Harley-Davidson Sport Glide: Cruiser zwischen zwei Welten

7.2.2018

Gemütlich cruisen oder beherzt durch Kurven ziehen – mit der neuen Harley-Davidson Sport Glide soll beides möglich sein. Die kultige US-Motorradmarke nennt das Bike ihren "schnellsten Cruiser aller Zeiten". Eine erste Testfahrt sowie technische Daten, Fakten und Preise

Schnellverschluss heißt das Zauberwort: Mit ein paar Klicks verwandelt sich die neue Harley-Davidson Sport Glide vom lässigen Naked Bike für Stadt und Landstraße in ein Tourenbike mit Verkleidung und Koffern. Dies betont jedenfalls Michael Spaett: Der Manager stammt aus Harleys Heimat Milwaukee und erklärt in breitestem Midwest-Slang die Vielseitigkeit von Harleys neuem Allrounder. Egal, ob Reise zu zweit, spontaner Ritt über Land oder kurze Stadtfahrt – die Sport Glide soll mit Leistung und Komfort überzeugen.

Ob das gelingt, haben wir auf dem kurvigen Asphalt Teneriffas ausprobiert. Die verschlungenen Pass-Sträßchen rund um den 3700 Meter hohen Teide, dem höchsten Berg Spaniens, sind wie geschaffen für ein sportliches Bike. Aber auch für einen Cruiser? Tatsächlich erlaubt die neue Harley erstaunliche Schräglagen. Nicht im absoluten Sinne, aber für Harley-Verhältnisse.

Der V2 liefert satte 145 Newtonmeter Drehmoment

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Harley-Herz: Der 84 PS starke "Milwaukee Eight 107" 

Von einem Motorrad, dessen Räder eine Weite von 1,625 Meter Radstand trennt, kann man keine echte Sportlichkeit verlangen. Doch die Sport Glide lässt sich überraschend willig einlenken und in den angepeilten Kurvenradius steuern – selbst bei engen Haarnadeln, die hier zahlreich auftauchen.

Zwischen den Serpentinen oder flotten Links-Rechts-Kombinationen laden lange Bergauf-Geraden zum Gas geben ein. Jetzt ist der Einsatz des V2-Motors besonders gefragt, der wie eh und je im berühmten „Potato-Potato“-Rhythmus poltert: unregelmäßig pulsierend wie ein Herzschlag und deshalb so wohlklingend.

Auf jeden Fall hält der knapp 1,75-Liter-Zweizylinder sein Versprechen. 84 PS Leistung klingen zwar wenig gewaltig für ein 317 kg-Gefährt. Aber satte 145 Newtonmeter Drehmoment liegen schon bei 3000 U/min an und zerren mächtig am Zahnriemen zum Hinterrad.

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Die Verkleidung lässt sich ganz einfach entfernen

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Verkleidung ab: So wirkt die Sport Glide fast zierlich 

Außerdem positiv am "Milwaukee Eight 107“-Motor, der seinen Namen den acht Ventilen sowie den 107 Kubikinch Hubraum verdankt: Vibrationen bleiben absolut im Rahmen. Vorbei die Zeiten, in denen Harley-Fahrer die genauere Bedeutung des Rückspiegel-Abbildes nur erahnen konnten.

Der besondere Trick der Sport Glide: Im Handumdrehen lassen sich die relativ zierliche Verkleidung in Harleys klassischem "Batwing“-Design sowie zwei Seitenkoffer entfernen – fertig ist das gestrippte Bike für die Stadt oder die Feierabend-Runde. Bis dahin bietet die Verkleidung recht guten Windschutz, wie wir bei einer Fahrt knapp über dem Gefrierpunkt übers obere Teide-Plateau feststellen konnten.

In voller Ausstattung eignet sich die Sport Glide durchaus für die längere Fahrt oder sogar für den Wochenend-Trip zu zweit. Immerhin fassen die beiden Koffer insgesamt 50 Liter; auch deren Einhandbedienung überzeugt voll und ganz.

Diese Harley ist ein echter Hingucker

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Verkleidung dran: So geht's bequem auf die Langstrecke

Mit dem bequemen, breiten Sitz und den nach vorne verlegten Fußrasten bietet die Harley viel Komfort. Sowohl kleinere als auch sehr große Biker finden eine bequeme Sitzposition. Je nach Fahrbahnzustand oder Beladung lässt sich die Federvorspannung des hinteren Zentralfederbeins per Drehrad verstellen. Die Zeiten, als man hierzu die Sitzbank demontieren musste, sind vorbei. Ein USB-Anschluss und das schlüssellos funktionierende "Keyless Ignition System“ gehören zum Serienumfang.

Immer zur Serie gehört das besondere Design einer Harley. Auch die Sport Glide ist ein Hingucker, vor allem in "Vivid Black“ mit zahlreiche Chromelementen. Ob man die blumig betitelten weiteren Lackierung "Twisted Cherry“ und „Silver Fortune“ allzu oft sehen wird, ist fraglich.

Harley-Kunden lieben es meist klassisch und traditionell, also Schwarz. Umso mutiger wirken die modern und dynamisch gestylten "Mantis“-Leichtmetallfelgen: Vorn in 18 Zoll-Dimension mit einem 130er-Reifen von Michelin, hinten in der Dimension 16 Zoll und 180 mm Breite.

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Fazit: Testfahrt bestanden!

Gemütliches Cruisen und dynamisches Kurvenfahren – beides funktioniert. Zusammen mit dem typischen Harley-Flair samt bollerndem V2-Sound ist das schon mal viel wert. Ob jene 18.000 Euro gerechtfertigt sind, die Harley als Einstiegspreis aufruft, muss sich zeigen. Immerhin ist Harley-Davidson selbstbewusst genug, auf sämtliche 2018er-Modelle, also auch die neue Sport Glide, vier Jahre Garantie ohne Kilometer-Begrenzung zu gewähren.

 

Technische Daten
Harley-Davidson Sport Glide
Motor Zweizylinder-Viertakt-V-Motor (45-Grad-Winkel), 62 kW/84 PS bei 5450 U/min (alternativ für Klasse
A2-Führerschein: 32 kW/44 PS bei 5020 U/min), 145 Nm bei 3000 U/min (44 PS-Version: 105 Nm bei 2000 U/min), Sechsganggetriebe, Zahnriemenantrieb
Fahrwerk Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, vorn Upside-Down-Gabel 43 mm, hinten Zentralfederbein mit per Drehknauf hydraulisch einstellbarer Federbasis, Dreieckschwinge aus Stahlrohr; vorn Einscheibenbremse 300 mm mit Vierkolben-Festsattel, hinten eine Scheibenbremse gelocht 292 mm mit Zweikolben-Schwimmsattel, ABS
Maße und Gewichte  Radstand 1625 mm, Sitzhöhe 680 mm, Leergewicht 317 kg, Tankinhalt 18,9 Liter
Fahrleistungen  Höchstgeschwindigkeit 190 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h: k.A.
 Preis 17.995 €

 

Text: Ralf Schütze. Fotos: Alessio Barbanti/PR. (acfo)

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