Testfahrt Audi TT Facelift: Mit geschärften Sinnen

19.9.2018

Audi hat seinem kleinen Sportwagen TT eine Modellpflege gegönnt – und dabei auch einen problematischen Motor entsorgt. Erster Fahrbericht unserer Test-Redaktion, Daten und Preise.

Blauer Audi TT fahrend von vorne
  • Doppelkupplungs-Getriebe mit nun sieben statt bisher sechs Gängen
  • Kein Dieselmotor mehr verfügbar
  • Auf 999 Stück limitiertes Sondermodell "20 Years", das an die Einführung des TT 1998 erinnert

 

Als puristischen Sportwagen haben ihn seine Kunden – trotz vieler PS und großer Spritzigkeit – nie wirklich gesehen. Sondern eher als Chance, in einem Audi neue fahrdynamische Möglichkeiten auszuloten und mit einem besonderen Design Aufmerksamkeit zu heischen. 20 Jahre nach seinem ersten Auftritt haben die Ingolstädter ihrem Audi TT ein Facelift gegönnt und auch sonst einiges auf aktuellen Stand gebracht.

Das aktuelle Topmodell TTS bekam 306 Pferdestärken für maximal 250 km/h – obwohl es auch schneller ginge. Doch Audi hält sich beim TT und seinen Ablegern an die freiwillige Selbstbeschränkung und regelt den Motor ab, wenn 250 km/h erreicht sind.

Das Spitzenmodell TTS hat nun 400 Newtonmeter

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Neuer blauer Audi TT steht im Vordergrund, hinten steht ein alter, schwarzer Audi TT
Der neue Audi TTS vor dem NSU TT, seinem Auto-Union-Urahn

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ist der nur zwei Liter große Vierzylinder-Turbo sogar um vier PS schwächer geworden als vor der Modellpflege, dafür haben die Ingenieure das Drehmoment von 380 auf 400 Newtonmeter angehoben: Das Auto sprintet jetzt in 4,5 statt 4,6 Sekunden von null auf Tempo 100. Man würde lügen, wenn man behauptete, das auf einer Probefahrt zu bemerken, aber es gibt doch ein gutes Gefühl, wenn die Überarbeitungen um die Mitte der Modell-Laufzeit leichte Verbesserungen zeigen.

Änderungen, die man im Audi TTS auch sehen und erleben kann, sind das dreidimensionale Schutzgitter am markentypischen Singleframe-Grill, das neue Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (bisher sechs Gänge) und die Sportanzeige im virtuellen Cockpit. Wenn sich der Beifahrer bei schneller Kurvenfahrt unwohl fühlen sollte, kann er den Grund dafür eventuell durch einen schrägen Blick hinters Lenkrad überprüfen. Dort erscheint ein weiteres Digitalinstrument, das Beschleunigungs-, Verzögerungs- und natürlich auch Fliehkräfte anzeigt.

Allradantrieb und 19-Zoll-Räder sorgen für Grip

Für die TTS-Testfahrt auf dem Snaefell Mountain Course auf der Isle of Man, wo einmal im Jahr die legendäre Tourist Trophy stattfindet, wurde ein kurzer Abschnitt vom Gegenverkehr befreit – denn eigentlich ist die Rennstrecke gar keine, sondern besteht aus normalen Land- und sogar Stadtstraßen.

Hier konnte sich zeigen, was ein kompakter Sportwagen zu leisten vermag, wenn man ihn von der Leine lässt. Wobei man auf der Insel kein schlechtes Gewissen haben muss, mit 150 und mehr Stundenkilometern über die Landstraße zu brettern: Es gibt hier außerhalb der Städte kein Tempolimit.

Der TTS macht eine bemerkenswert gute Figur. Serienmäßig mit Allradantrieb ausgerüstet und um einen Zentimeter tiefer liegend als die Standard-TT-Modelle, hält das Topmodell mit seinen 19-Zoll-Rädern besonders guten Kontakt zur Straße. Beruhigend, wie der TTS bei wirklich schneller Kurvenfahrt über eine eher bucklige Piste die gegenläufigen Aufgaben des Spurhaltens und des Federns/Dämpfens beherrscht. Die angenehm leichtgängige Lenkung weiß, was sie tut, und die Reifen kleben geradezu am Boden.

Audi TTS: Fahrleistungen auf Sportwagenniveau

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Silberner Audi TT fahrend von hinten
Auf der Isle of Man: Audi TT Roadster auf dem Snaefell Mountain Course

Die anderen renovierten TT-Modelle standen für eine Probefahrt nicht zur Verfügung, obwohl sie eher im Fokus stehen werden, weil sie schlicht erschwinglicher sind. Der Basis-TT etwa kommt als TT 40 TFSI mit neuem 2,0-Liter-Motor und 145 kW/197 PS statt 132 kW/180 PS, als Ausbaustufe dazu wird es einen TT 45 TFSI mit 180 KW/245 PS statt 169 kW/230 PS geben.

Den 184 PS starken TDI ultra hat man vorerst aus dem Angebot genommen – erstens braucht ein Sportwagen nicht wirklich einen Dieselmotor, und zweitens sind sie bei Audi vermutlich froh, mal nicht über das Thema Diesel sprechen zu müssen. Andererseits: Der TDI hat rund zehn Prozent Verkaufsanteil erreicht – ob man langfristig darauf verzichten will?

Der TT 45 TFSI bildet die Basis für das Sondermodell "20 Years", das in einer limitierten Auflage von 999 Stück auf den Markt kommt und an die Einführung des TT im Jahr 1998 erinnert. Das Sondermodell soll vor allem optisch eine Nähe zu den Konzeptstudien des ersten TT herstellen, daher ist es ausschließlich in zwei verschiedenen Grautönen bestellbar, und seine Ledersitze zeigen die Farbe Mokassinbraun mit deutlich abgesetzten Nähten.

Heute gibt es das ESP im TT serienmäßig

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Cockpit eines Audi TT
Sowohl der TT als auch der TTS haben serienmäßig das "Audi virtual Cockpit"

Zur historischen Wahrheit des runden Geburtstages gehört auch, dass der TT seinerzeit einen Beinahe-Fehlstart hingelegt hat: Nach wenigen Monaten häuften sich Unfälle, bei denen der Wagen übersteuernd von der Straße abgekommen war, sogar Todesopfer waren zu beklagen. Es stellte sich heraus, dass Audi die Fahrwerksabstimmung sehr spitz ausgelegt hatte, mit sehr engem Grenzbereich, eben möglichst wie einen "echten" Sportwagen.

In einer bis dahin beispiellosen Rückrufaktion wurden nicht nur Heckspoiler an die Autos gebaut, sondern gegen eine Selbstbeteiligung von damals 650 Mark konnte auch jeder TT-Besitzer das ESP-System nachrüsten lassen. Schwer zu glauben, dass ein sportliches Auto vor 20 Jahren noch ohne serienmäßiges ESP ausgeliefert wurde. Aber die Entwicklung der elektronischen Assistenzsysteme stand in den 90er-Jahren tatsächlich noch am Anfang.

Heute ist ESP nur eines der vielen Helferlein im TT. Dazu kommen unter anderem Spurwechsel- und Spurhalteassistent, Einparkhilfe mit Rückfahrkamera und natürlich Infotainmentsysteme mit Sprachsteuerung, Smartphone-Integration und die Bedienung des Navigationssystems über ein Touchpad, auf das man mit dem Finger Buchstaben malen kann.

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Je mehr solcher Systeme man aufzählt, desto weniger kommt der TT als puristischer Sportler daher. Die Kunden haben ihn aber schon immer als elegant designten Wagen gesehen, mit dem man sportliche und fahrdynamische Möglichkeiten auszuloten kann – und das zu einem vernünftigen Preis.

So liegt auch heute noch die Einstiegsstufe in die Sportwagenwelt relativ niedrig, der Basis-TT ist ab 35.000 Euro zu haben, als Roadster (mit Stoffverdeck) kostet er 2500 Euro mehr. Für ein Auto wie den TTS muss man natürlich etwas länger sparen: 54.500 bzw. 57.000 Euro.

Technische Daten Audi TTS (dritte Generation)
Motor                     Vierzylinder-Turbobenziner, 1984 cm3, 225 kW/306 PS, 400 Nm bei 2000 U/min
Antrieb                     Allradantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe                    
Fahrleistungen                     4,5 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 250 km/h 
Verbrauch ca. 7,5 l Super/100 km
Maße L 4,19 / B 1,83 / H 1,34 m
Leergewicht 1285 kg
Kofferraum 305 Liter
Preis 54.500 Euro

Text: Stefan Anker/SP-X. Fotos: PR.

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