Auto & Innovation

Erste Testfahrt: Aston Martin DB 11 V8

18.10.2017

Ende Oktober 2018 kommt der Aston Martin DB 11 erstmals mit einem V8-Motor vom Mercedes AMG GT auf den Markt. Wie gut Technik, Motor und Fahrverhalten des noblen Briten sind, klärt unser Fahrbericht. Der Preis ist jedenfalls Spitze: 184.000 Euro

Wenn Andy Palmer in diesen Tagen die noble Bang&Olufsen-Anlage in seinem Dienstwagen aufdreht, dann sollte der Aston Martin-Chef öfter mal die Beatles hören. Denn dass der britische Autohersteller zum ersten Mal seit Urzeiten wieder in der Gewinnzone ist und seinen Absatz im letzten Jahr verdoppelt hat, ist Palmer nur „with a little help from my friends“ gelungen. Schließlich fußt das Wachstum vor allem auf dem vor Jahresfrist eingeführten DB 11, der mit tatkräftiger Unterstützung von Mercedes-Ableger AMG entstanden ist.

Im ersten Schritt haben die Briten nur die Elektronik und das Infotainment übernommen. Denn weder bei ihrem famosen V12 mit 608 PS, noch bei ihrem stilsicheren Design brauchen sie Nachhilfe. Und wie man mit Lack und Leder, Chrom und Wurzelholz umgeht, haben sie in mehr als 100 Jahren hinreichend perfektioniert. Doch wenn Palmer in zwölf Monaten nach 2500 verkauften V12-Modellen die zweite Stufe der DB 11-Offensive zündet und Ende Oktober 2018 eine Version mit V8-Motor an den Start bringt, wird es Zeit, wieder Beatles zu hören. Denn unter der ebenso langen wie flachen Haube steckt dann erstmals ein Motor von Mercedes.

 

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Edel, elegant – und ein bisschen versnobt
Kein geringeres Aggregat als den famosen Achtzylinder aus dem Mercedes AMG GT überlassen die Schwaben ihren neuen Freunden auf der anderen Seite des Kanals. Damit wird der Motor quasi in den britischen Adelsstand erhoben – selbst wenn sie ihn mit einer neuen Bodenplatte und mit einer geänderten Trockensumpfschmierung erst einmal tiefer legen, um den Schwerpunkt zu senken. Denn gemessen an dem britischen Gran Turismo wirkt der Stuttgarter Sportwagen lange nicht so edel, elegant und elitär. Der DB 11 mag ein bisschen versnobt sein, ein paar Details wie die elektrische Klappe für die Ablage auf der Mittelkonsole sind schräg, und die Abteilung Colour & Trim leistet sich mit lila Leder ein paar Skurrilitäten. Doch unterm Strich ist der DB 11 das stilsicherere Auto, mit dem man schnell den besseren Auftritt hinlegt.

Das gilt für das Styling ebenso wie für den Sound. Aston Martin hat den Motor nicht nur neu kalibriert und ihn weicher im Fahrzeug aufgehängt. Die Briten bauten auch eine eigene Abgasanlage ein, mit der die acht Zylinder plötzlich leise Töne beherrschen. Zumindest im GT-Modus klingt der AMG-Motor plötzlich, als habe er Kreide gefressen.

Aber natürlich kann der elitäre Engländer auch anders. Man muss nur in den Sport- oder gar den Sport+-Betrieb wechseln, und aus dem Edelmann wird ein Hooligan, der seine Kraft nur so herausbrüllt. Der Lärm aus dem Endrohr klingt wie Feuerwerk, die adaptiven Dämpfer schütteln die Wirbel durch, und die Gänge wechseln so hart und schnell, dass nach ein paar Kilometern der Nacken schmerzt.

Sprint auf 100 in 4 Sekunden
Stil und Sound haben allerdings wenig mit dem Speed zu tun, den der DB 11 abliefert. Denn egal, in welchem Modus man gerade fährt, das Vierliter-Triebwerk wirkt immer explosiv: Mit 510 PS und 675 Nm liegt es in der Mitte dessen, was bei Mercedes möglich ist, und zugleich nur knapp 100 PS und 25 Nm vom hauseigenen V12 entfernt. Kein Wunder, dass er für den Sprint von 0 auf 100 mit 4,0 Sekunden nur eine Zehntel mehr braucht als das Top-Modell. Und dass der V12 bei Vollgas 21 km/h schneller ist, stört allenfalls beim Benzingespräch am Tresen. Denn mal ehrlich: 301 oder 322 km/h – das kann man im Alltag ohnehin nie ausprobieren.

Dabei erweist sich der V8 bisweilen sogar als die bessere Wahl. Denn je schmaler die Straßen und je enger die Kurven, desto mehr profitiert man von den gut zwei Zentnern, die weniger auf der Vorderachse lasten. Schon möglich, dass der DB 11 mit zwölf Zylindern perfekt ist, um stundenlang kraftvoll über die linke Spur zu fliegen. Doch bei einer Landpartie auf einer Bergstraße gelten andere Gesetze. Dort, wo man um die Ideallinie ringen muss, wo man am Lenkrad rotiert, und wo es auf jeden Millimeter ankommt, ist weniger bisweilen mehr. Und dass der V8 auch noch 25.000 Euro weniger kostet als ein V12 und mit seinem Normwert von 9,9 Litern zumindest auf dem Papier 1,5 Liter weniger verbraucht, ist ja auch kein Schaden.

Spätestens da allerdings schlägt auch die Stunde des Organspenders aus Stuttgart. Denn ausgerechnet beim Preis übernimmt der Mercedes AMG GT in diesem Vergleich eine für Daimler eher ungewöhnliche Rolle – mit seinem Grundpreis von 117.280 Euro ist er geradezu ein Schnäppchen gegenüber dem Aston Martin.

Text: Thomas Geiger. Fotos: PR.

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Daten und Fakten (Herstellerangaben)

Aston Martin DB 11 V8
Motor: 4,0-Liter-V8-Turbo-Direkteinsoritzer mit 375 kW/510 PS und 675 Nm
Fahrleistungen: 4,0 s auf 100 km/h, Spitze 301 km/h
Verbrauch: 9,9 l Super/100 km (NEFZ kombiniert), 230 CO2/km
Maße: L 4750/B 1950/H 1290 m
Preis: ab 184.000 €