Ferrari Portofino: Erster Fahrbericht über das neue Super-Cabrio

26.2.2018

Cabrio und Coupé, 600 PS stark: Portofino heißt der Nachfolger des Ferrari California. Mit versenkbarem Aluminium-Dach sieht er offen und geschlossen super aus, der V8 Turbo verspricht Fahrspaß nonstop. Eine erste Testfahrt mit dem knapp 190.000 Euro teuren Konkurrenten des Porsche Turbo S Cabriolet

In 3,5 Sekunden beschleunigt der Portofino auf 100 km/h

Schon im Stand wirkt er schnell – richtig schnell. Scharf geschnittene Linien, LED-Scheinwerfer mit Raubtier-Blick, eine Wespentaille, die das Heck mit den mächtigen 285er-Reifen betont: So steht der Ferrari Portofino zur ersten Testfahrt bereit. Von Anfang an hat Ferraris Design-Abteilung (diesmal ohne Hilfe von Pininfarina) darauf geachtet, den 2+2-Sitzer sowohl geschlossen als auch offen wie aus einem Guss wirken zu lassen – ein Grund dafür, dass wieder ein faltbares Hardtop statt eines klassischen Stoffdaches zum Einsatz kam.

Typisch Ferrari: Super-Design außen und innen

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Das Hardtop aus Alu lässt sich während der Fahrt öffnen und schließen

Und es hat geklappt: Als Coupé wirkt der Wagen stimmig und mit durchgehenden Linien, und nicht wie ein Cabrio mit aufgesetztem Hardtop. Nachdem sich das Dach auf Knopfdruck über dem Gepäckraum zusammengefaltet hat (was bis Tempo 40 möglich ist), mutiert der Portofino zum Spider.

Typisch Ferrari auch das Interieur: Schon beim Öffnen der Türen schlägt einem der kräftige Duft des Leders entgegen, das den Innenraum dominiert. Als weiteres Material fällt vor allem Carbon auf. Am Cockpit, in der Konsole, teilweise am Lenkradkranz: Überall schimmert das hochwertige Leichtbau-Material (jedenfalls in der getesteten Ausstattung).

Vorne lassen sich die Passagiere in konturierte, aber nicht übertrieben enge Sitze nieder. Hinten finden Kinder zumindest für kurze Strecken ausreichend Platz: Schließlich bewirbt Ferrari den Portofino ausdrücklich als Sportwagen für den Alltag. Alternativ lässt sich der Fond auch als Gepäckraum nutzen – sogar inklusive Durchlade-Möglichkeit vom Kofferraum aus.

Von den analogen Instrumenten ist, wie bei anderen Modellen der Marke, allein der zentrale dominante Drehzahlmesser übriggeblieben. Links und rechts daneben informieren rechteckige Displays über alle erdenklichen Daten von G-Force bis zu Navi-Anweisungen. Der Beifahrer blickt auf ein eigenes, schmales Display – sozusagen als alles überwachender Co-Pilot.

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Das kompakte, handliche Lenkrad erinnert mit seinen vielen Schaltern – unter ihnen das Ferrari-typische „Manettino“ zur Wahl des Fahrmodus – an ein Formel 1-Steuer. Links unten sitzt der feuerrote Startknopf, der den V8 weckt. Ein kurzes Aufbrüllen, dann pendelt er sich unter der Fronthaube brabbelnd auf Leerlaufdrehzahl ein.

Der V8-Motor liefert Fahrspaß total

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Der Achtzylinder -Turbomotor hat 40 PS mehr als sein Vorgänger

Die Fahrt, die dann folgt, gehört zweifellos zu den höchsten Genüssen automobilen Lebens. Egal, ob das Manettino auf Sport oder Comfort geklickt ist: Das Triebwerk reagiert spontan auf jeden Befehl vom Gasfuß – wenn auch, verglichen mit früheren Saugmotoren, mit minimaler Verzögerung. Doch dank des Turbo entwickelt der V8 bei nahezu jeder Drehzahl enormen Druck, beschleunigt rabiat: erst kräftig brüllend, dann trompetend.

Das Doppelkupplungs-Getriebe findet ohne spürbare Schaltpause und zuverlässig den passenden aus sieben Gängen. Natürlich kann der Fahrer per feststehender Schaltpaddel eingreifen, aber notwendig ist das nicht wirklich.

Das Fahrwerk unterstützt die schnelle Fahrt mit sportlich-straffer, aber nicht übertrieben harter Abstimmung. Präzise folgt es den Befehlen der Lenkung, Kurven durcheilt das Cabrio-Coupé wie auf Schienen – wobei sich die Karosserie im Offen-Modus auch mal ein Knarzen erlaubt.

In dieser Hinsicht ist der Heckantrieb, die konsequente Trennung von Kraftfluss und Lenkung, tatsächlich noch unübertroffen. Beim Entfesseln der kompletten Leistung gerät das Prinzip aber an seine Grenzen: Dann bricht das Heck beim Beschleunigen aus. Der Bordcomputer lässt den Fahrer an der langen Leine und das ESC erst spät eingreifen.

Schnäppchen für Millionäre

Platz gibt es für zwei Passagiere, notfalls für zwei weitere auf der Rückbank

Als geschlossenes Coupé vermittelt der Portofino tatsächlich feinstes Sportwagen-Feeling; offen gesellt sich das Frischluft-Erlebnis dazu. Trotz des faltbaren Hardtop sitzt die Frontscheibe relativ weit vorne und lässt echtes Spider-Feeling zu. Bei hochgefahrenen Fenstern und dem manuell installierten Windschott strömen 30 Prozent weniger Luftmasse in den Innenraum als beim Vorgänger – was unter Cabrio-Enthusiasten natürlich Geschmackssache sein kann.

Für knapp unter 190.000 Euro erhält der Ferraristi also tatsächlich einen emotionalen Sportwagen mit hohen Alltagsqualitäten. Darin ist er seinem direkten Konkurrenten, dem Porsche 911 Turbo S Cabriolet, durchaus ähnlich – obwohl der Italiener schon optisch deutlich spektakulärer daherkommt als der Schwabe. Der ist, auch wegen seines Allradantriebs, teurer als der 20 PS stärkere Ferrari. Ein italienischer Sportwagen als Schnäppchen-Angebot – Millionär, was willst du mehr?

Technische Daten
Ferrari Portofino
Motor V8 Turbo, 3855 cm3, 441 kW/600 PS bei 7500 U/min
760 Nm zwischen 3000 und 5250 U/min
Fahrleistungen

3,5 Sekunden von 0 – 100 km/h
10,8 Sekunden 0 – 200 km/h
Spitze über 320 km/h
Verbrauch 10,7 l Super plus/100 km
CO2-Ausstoß: 245 g/km
Maße L 4,59 / B 1,94 / H 1,30 m
 Gewicht 1664 kg
 Kofferraum 292 l
 Preis 189.704 Euro

 

Text: Marcus Efler. Fotos: PR.

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