Im Trend: Solaranlage plus Stromspeicher für Haus und Elektroauto

29.8.2018

Wer heute eine Photovoltaikanlage kauft, bestellt meist einen Heimakku mit. Der Grund: Es ist viel billiger, Strom aus der eigenen Solaranlage zu speichern und selbst zu nutzen, statt ihn zu verkaufen

Querschnitt eines smart homes
Ideal: Der Strom fürs Elektroauto wird selbst erzeugt und im Keller gespeichert
  • Mit Energiespeicher im Haus lässt sich der Anteil des selbstgenutzten Stroms enorm steigern
  • Für eine Kilowattstunde gibt es derzeit 12 Cent. Ökostrom aus dem Netz kostet 25 bis 30 Cent
  • 2017 waren in Deutschland 85.000 Heimspeicher installiert

 

Ein typisches Problem für Besitzer von Elektroautos: Sie müssen unterwegs Strom zapfen, finden aber keine freie Ladesäule. Oder sie müssen zum nächsten Termin, doch das Laden dauert und dauert. Und dann kann es auch noch sein, dass der öffentliche Strom unverschämt teuer ist – und am Ende zusätzlich die Parkzeit berechnet wird. Zwei Euro pro Kilowattstunde sind keine Seltenheit. Kein Wunder, das Elektrofahrer öffentliches Laden möglichst vermeiden.  

Unabhängigkeit von einem bestimmten Stromanbieter und dessen Preispolitik – das ist nicht nur der Wunsch jedes Elektro-Autofahrers, sondern auch der Traum von Eigenheimbesitzern mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. Denn seit die Bundesregierung Solaranlagen nicht mehr so stark finanziell unterstützt, ist der Verkauf von Strom ein schlechtes Geschäft: Für die Einspeisung ins Netz gibt es derzeit rund 12 Cent pro Kilowattstunde. Wer Ökostrom aus dem Netz bezieht, zahlt dagegen 25 bis 30 Cent. Also nutzt man am besten so viel wie möglich selbst.  

Solaranlage nie ohne Heimakku  

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Herr Ostermann
 Marktführer: Christoph Ostermann, Chef der Sonnen GmbH

Bisher fehlten für die Realisierung zu Hause die passenden Energiespeicher. Die Akkutechnologie war lange Zeit nicht sicher genug oder nahezu unbezahlbar. Das hat sich geändert. 2017 existierten in Deutschland bereits 85.000 Heimspeicher, Tendenz stark steigend. Der Grund für den Zuwachs: Mit einem Heimspeicher lässt sich der Anteil des selbstgenutzten Stromes auf 50 bis 60 Prozent erhöhen – wenn ein Elektroauto dazukommt, sogar noch mehr. Ohne Speicher sind es selten mehr als 30 Prozent.

Inzwischen wird jede zweite neue Photovoltaikanlage gleich zusammen mit einem Energiespeicher bestellt. Gute Heimakkus kosten heute 800 bis 1100 € pro Kilowattstunde, wie der Solarcluster Baden-Württemberg vermeldet. Ein Akku mit zehn Kilowattstunden Speicherkapazität für  8000 Euro sei auf jeden Fall rentabel.  

Als Pionier bei der Entwicklung der Energiespeicher gilt Christoph Ostermann, Gründer der Sonnen GmbH* mit Sitz im Allgäu. Er und auch sein Kompagnon Torsten Stiefenhofer waren schon überzeugt, dass Elektroautos die Zukunft gehört, als es noch längst keine alltagstauglichen E-Fahrzeuge gab. Und dass man dafür sauberen, am besten selbst erzeugten Solarstrom braucht. Also entwickelten sie einen Satz Akkumulatoren nebst Regelungstechnik für einen Heimspeicher.

Ostermann: "Als wir 2009 anfingen, gab es weder Nachfrage noch Angebot für Solarenergie-Speichersysteme. Die Branche und die Kunden waren bereits zehn Jahre lang darauf konditioniert, Solarstrom ins Netz einzuspeisen, weil es sich wirtschaftlich gut rechnete." Im Januar 2011 stellten sie die ersten Heimspeicher fertig und verkauften sie für stolze 25.000 €. Allerdings nur an Umweltidealisten, denen es das Geld wert war. Heute ist die Sonnen GmbH Marktführer für Energiespeicher in Deutschland – weit vor dem kalifornischen Konkurrenten Tesla*.

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Endlich unabhängige Stromversorgung

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Ein Mann erklärt die Anlage der Sonnen GmbH
Das Ehepaar Welck zeigt stolz den neuen Heimspeicher

Sonnen setzt auf Batteriezellen vom Typ Lithium-Eisen-Phosphat. Diese Zellen sind robust und langlebig. Außerdem werden die Speicher mit den notwendigen Zusatzgeräten (z.B. Wechselrichter) und der kompletten Steuerung geliefert. Neben den unterschiedlichen Speicherkapazitäten ein Grund, weshalb die Preise verschiedener Hersteller nur schwer miteinander zu vergleichen sind.

Den Traum von der sauberen, unabhängigen Stromversorgung hat sich das Ehepaar Welck aus Gräfelfing bei München erfüllt. Solarpaneele kamen aufs Dach der Doppelhaushälfte, der Heimspeicher fand Platz in einem Vorratsraum. Inlkusive Installation haben die Welcks dafür 21.500 € ausgeben müssen. Wir sind total zufrieden. Jetzt schauen wir täglich aufs iPad, das uns genau anzeigt, wie viel Strom wir erzeugen und wie viel wir verbrauchen", berichten sie stolz.

Stromüberschuss wandert zunächst in den Akku zur späteren Nutzung. Erst wenn der Füllstand im Akku zur Neige geht und die Sonne nicht scheint, muss auch mal Strom aus dem Netz gezogen werden. Das war bisher jedoch selten der Fall. Unterm Strich rechnet das Ehepaar, dass sich seine Investitionen nach spätestens zwölf Jahren amortisiert haben. Den nächsten Schritt haben die Welcks schon im Kopf. Ein Elektroauto soll angeschafft werden.

Spezielle Wallbox fürs Auto

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Ein Elektroauto wird betankt
Tesla-Fahrer Thomas Pfluger lädt selbst erzeugten Solarstrom 

Elektroingenieur Thomas Pfluger hat diesen Schritt schon vollzogen. Und sich zudem eine spezielle Wallbox für sein E-Auto besorgt: den Sonnencharger der Sonnen GmbH, mit dem der selbst erzeugte Strom ins Auto geladen werden kann. Dabei handelt es sich zwar noch um ein Vorserienprodukt mit einigen kleinen technischen Unzulänglichkeiten, aber Pfluger ist mit 100 Prozent garantiertem Sonnenstrom unterwegs – so CO2-neutral (hier geht's zur KIimabilanz des ADAC) wie möglich. 

Die Frage, ob sich die Anschaffungen für ihn rechnen, stelle sich ihm nicht, sagt Pfluger. "Es ist, als ob Sie im Garten Ihr eigenes Gemüse aufziehen. Das ist auch teurer als im Supermarkt, aber es schmeckt unvergleichlich gut."

 

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: fotolia, Theo Klein, PR, privat.

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