Quadro 3: Testfahrt mit dem Dreirad-Scooter

16.10.2018

Der Schweizer Dreirad-Scooter Quadro 3 bietet auch bei Schräglage hohe Sicherheit. Fahrbericht unserer Test-Redaktion. Plus: Technische Daten, Fotos. Der Preis: ab 7295 Euro

Quadro 3
Bis zu 40 Grad Schräglage sind mit der speziellen Vorderrad-Konstruktion des Quadro 3 möglich
  • Zum Fahren des Quadro 3 reicht ein Auto-Führerschein der Klasse B, Mindestalter: 21
  • Konkurrenten sind Piaggo MP3 und Peugeot Metropolis

 

Nasses Herbstlaub, Kies, Ölflecken, eisiger Reif frühmorgens und ähnliche Rutschgefahren auf unseren Straßen – sie alle verlieren ihre Schrecken, wenn der motorisierte Zweiradfahrer aufs Dreirad umsteigt. Zwei Reifen vorne bringen doppelten Grip an der Front, somit mehr Sicherheit und nach kurzer Eingewöhnung auch oft mehr Fahrspaß als konventionelle Roller. 

Offizielle Bezeichnung: Mehrspurfahrzeug

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Quadro 3
Wegen der breiten Vorderachse reicht ein Führerschein der Klasse B

Die Schweizer Marke "Quadro" wurde von ehemaligen Piaggio-Mitarbeitern gegründet. Und aus Italien stammt auch die Idee, mit einem Dreirad-Scooter die Grenzen der Physik auszutricksen. Inzwischen gibt es mehrere Anbieter der ungewöhnlichen Roller.

Die Breite der zweirädrigen Vorderachse des Quadro 3 und ein Fuß-Bremspedal rechts machen ihn offiziell zum Mehrspurfahrzeug. Deshalb darf man das 29 PS starke Frischluft-Fahrzeug mit dem Autoführerschein Klasse B bewegen – wenn man mindestens 21 Jahre alt ist.

Fragt sich nun, ist das nur eine Option für nicht-Biker, die auch mal Fahrtwind genießen wollen? Oder ist das Dreirad eine Alternative zu Roller und Motorrad, wenn man auf Nummer sicher gehen möchte?

Überzeugte Motorradfahrer rümpfen schon bei einem Zweirad-Roller die Nase, vom Dreirad halten sie in der Regel gar nichts. Aber meist wissen sie nicht, worüber sie sich eigentlich lustig machen. Denn wer sich nicht traut, ein einspuriges Fahrzeug zu bewegen, ist auf dem Dreirad gut aufgehoben. 

Viel Übersicht im Cockpit

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Quadro 3
Dank der übersichtlichen Instrumente hat der Fahrer alles im Blick

Die Vorteile des Dreirads sind: Sehr hohes Kurventempo, Schräglage ohne Angst und dazu die rollertypischen Vorteile wie leichtes Parken in der Großstadt. Die technische Voraussetzung am Quadro 3 ist die zweirädrige Vorderrad-Konstruktion, das "hydraulisch-pneumatische Neigesystem HTS" (HTS = Hydraulic Tilting System). 

Hersteller Quadro verspricht "Fahrsicherheit, Fahrkomfort und Fahrspaß". Unsere Testfahrten haben alle drei Punkte mit leichten Einschränkungen bestätigt. Zunächst zum Komfort: Der beginnt beim Abstellen des Rollers, der mit einem roten Hebel fixiert wird – so steht das Schweizer Gefährt umfallsicher. An der Ampel fühlt sich der Scooter auch mit Sozius sehr stabil an. Dazu kommen Stauraum in kleinen Fächern und unter der Sitzbank sowie guter Wind- und Wetterschutz durch die Verkleidung.

Wichtiger noch ist das Thema Sicherheit: Die zweirädrige Vorderachse liegt ungewöhnlich satt auf der Straße und bewegt sich nahezu unbeirrbar durch enge Kurven oder um Ecken. Unvorhersehbare Rutsch-Flecken oder Schlaglöcher sind damit kaum ein Problem. Dank der Hydraulik kann man sogar sehr schräg über einen Randstein fahren, denn das System gleicht die unterschiedlichen Höhen der Vorderreifen dabei aus.

Genug Stauraum für den Trip zu zweit

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Quadro 3
In das  Staufach unter der Doppelsitzbank passen zur Not auch zwei Helme

Die zweirädrige HTS-Vorderachse geht bis zu 40 Grad weit in Schräglage. Zumindest für Roller-Neulinge ist das ein atemberaubender Wert. Nachteil des Systems: In Fahrt geht vom doppelten Vorderrad eine gewisse Trägheit aus.

Für den geübten Roller-Piloten erweist sich dies als gewöhnungsbedürftig. Wer aber den Vergleich zum konventionellen Zweirad nicht ziehen kann, wird sich daran nicht stören, sondern stattdessen die Vorzüge genießen. Denn ist der Quadro 3 erst einmal in Schräglage, dann lässt er höheres Kurventempo zu und bietet höhere Sicherheitsreserven.

Das Design des Quadro 3 erscheint vielen Betrachtern zu futuristisch. Und bei der Materialauswahl missfällt die Menge an Kunststoffteilen. Aber beides hat der Quadro 3 mit seinen direkten Rivalen gemein. Beim Rangieren fühlt sich das Vorderradsystem des Dreirad-Scooters etwas schwergängig an.

Seine Mankos macht er allerdings unter anderem mit nur 220 kg Leergewicht wett – die unmittelbare Konkurrenz ist deutlich schwerer: Der Piaggio MP3 Sport 500 i.e. wiegt 270 kg, der Peugeot Metropolis Allure immerhin 265 kg.

Damit kann der nur 29 PS starke Quadro 3 auch seinen Leistungsnachteil ausgleichen, denn Piaggio (39 PS) und Peugeot (36 PS) sind stärker motorisiert. Und: Der Schweizer ist der günstigste seiner Art: Mit 7295 Euro kostet er deutlich weniger als die Dreiräder von Piaggio (9990 Euro) und Peugeot (9499 Euro).

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Keine Angst vor Schräglagen

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Quadro 3
Das hydraulisch-pneumatische Neigungssystem ermöglicht sicheres Fahren

Ein Drei-Scheiben-Kombibremssystem erhöht zusätzlich die Fahrsicherheit: Der Quadro 3 aktiviert alle verfügbaren Bremsen, sobald man einen von zwei Hebeln zieht oder das rechte Bremspedal drückt. Gerade für ungeübte Fahrer ist das wichtig, da man mit den 29 PS des Einzylinder-Motors in der Stadt durchaus flott unterwegs ist.

Nur im Soziusbetrieb sowie beim Überholen auf der Landstraße würde man sich etwas mehr Leistung und Drehmoment wünschen. Mit 4,3 l/100 km lag unser praxisgerechter Testverbrauch nur marginal über der Herstellerangabe (4,1). 

Eingefleischte Roller-Piloten oder versierte Biker werden nicht so schnell aufs Dreirad steigen. Anders sieht es bei Autofahrern aus, die auch ohne Fahrpraxis oder Motorrad-Führerschein luftiges Roller-Feeling genießen wollen.

Unser Tipp: Gerade weil der Quadro 3 und seine dreirädrigen Rivalen mit hoher Fahrdynamik glänzen, sollte man unbedingt ein Fahrtraining absolvieren.

Technische Daten
Quadro 3
Motor Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor mit vier Ventilen pro Zylinder, Hubraum 346 cm3, Leistung 21,2 kW/29 PS bei 7000 U/min, max. Drehmoment 31,8 Nm bei 5500 U/min, stufenlose Variomatik
Fahrleistungen Höchstgeschwindigkeit 125 km/h, 0-100 km/h k. A.
Fahrwerk Stahlbrückenrahmen, vorne hydraulisch-pneumatisches Neigungssystem "Hydraulic Tilting System" (HTS) mit 40° Neigungswinkel links und rechts, vorn Teleskop-Gabel mit 35 mm Tauchrohrdurchmesser, hinten Doppelfederbein (100 mm Federweg) 
Bremsen vorn Doppelscheibenbremse, Durchmesser je 240 mm, hinten Einscheibenbremse, Durchmesser 256 mm
Reifen vorn 110/80-14 31M, hinten 140/70-15 66M

Maße/Gewicht

Radstand 1560 mm, Tankinhalt 13,2 Liter, Sitzhöhe 80 cm, Leergewicht fahrbereit 220 kg, zul. Gesamtgewicht: 480 kg

 Preis 7295 Euro

Text: Ralf Schütze. Fotos: PR.

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