BMW X5: Wie gut ist der Premium-SUV?

19.7.2019

Der neue BMW X5 ist etwas größer geworden, sieht besser aus, bietet bis zu sieben Personen Platz und einige technische Highlights. Wie schlägt er sich im ADAC Test? Bilder, Daten, Preise, Crashtest-Ergebnis

BMW X5 fahrend von vorne
Neuer BMW X5: Am auffälligsten an der Front ist die riesige Niere
  • Der neue BMW X5 bietet auf 4,92 Meter Länge Platz für bis zu sieben Personen
  • Die Motoren leisten 231 bis 530 PS, noch 2019 kommt ein Plug-in-Hybrid
  • Hohes Preisniveau: Der X5 kostet mindestens 65.900 Euro
  • Ergebnis des Euro NCAP-Crashtests: 5 von 5 Sternen

 

Irgendwie sieht er anders aus als seine Vorgänger. Der neue BMW X5 wirkt länger, schlanker, die Motorhaube präsenter. Ein Blick in die Daten-Tabelle zeigt jedoch: Eigentlich ist hier (fast) alles beim Alten geblieben. Mit 4,92 Metern Außenlänge ist er nur ein paar Zentimeter größer geraten, auch die restlichen Proportionen wurden kaum verändert.

Ist das mutlos? Nicht unbedingt. Schließlich gehört der X5 mit mehr als zwei Millionen verkauften Autos seit 1999 zu BMWs erfolgreichsten Modellen – warum sollte man also jetzt alles anders machen? Auch die restliche X-Familie läuft gut, die mittlerweile sieben Mitglieder vom X1 bis zum X7 umfasst.

Luxus-SUV mit Laserlicht und Sternenhimmel

Zoom-In
BMW X5 fahrend von der Seite
Der X5 wird in den USA gebaut und ist dort auch sehr erfolgreich

Woran also liegt der frische optische Auftritt? Erstens am verlängerten Radstand und den damit verbundenen knackigeren Überhängen. Das lässt die Karosserie gestreckter, die Motorhaube länger erscheinen. Vorne mündet die neue Pracht dazu in einer übergroßen, dominanten Niere zwischen LED- oder optionalen Laser-Scheinwerfern. Zweitens haben die Designer scharfe Bügelfalten eingezogen, vor allem eine "Charakterlinie" (bis zu den Heckleuchten, welche die Flanke schnittiger wirken lässt.

Auch im Interieur hat sich einiges getan: Hier ist der X5 von einem SUV zu einem Luxusgefährt mutiert. Edle Hölzer und Leder lassen keinen Zweifel daran, dass man beispielsweise amerikanische und chinesische Kunden aus ihren Limousinen in den SUV locken möchte. Für europäischen Geschmack dagegen könnten die (optionalen) Glas-Applikationen etwa am Automatik-Wahlhebel oder der aus 15.000 LEDs bestehende Sternen-Dachhimmel à la Rolls-Royce etwas zu viel des Guten sein.

High-Tech-Fans freuen sich indes über das voll digitale Cockpit und das damit korrespondierende große Touch-Display in der Mittelkonsole. Erstmals setzt BMW hier sein neues Betriebssystem OS7 ein. Es erlaubt eine sehr freie Konfiguration von Kacheln, auch lassen sich sekundäre Informationen – wie der Titel des laufenden Songs – rechts in den virtuellen Drehzahlmesser einblenden.

Gestensteuerung ist gewöhnungsbedürftig

Bedienen lässt sich das alles redundant per Berührung, Dreh- und Drücktaste, Sprache oder – nach wie vor etwas gewöhnungsbedürftig – Gesten. Konkurrent Audi setzt bei seinen Modellen A6, A7 und A8 ausschließlich auf Touchscreens und hat den Dreh-Drücksteller mittlerweile entsorgt.

Die Sprachsteuerung lässt sich durch das Kommando "Hey BMW" (oder einen eigens gewählten Befehl) aktivieren und versteht auch natürliche Sprache. Das heißt, man muss sich nicht an fest vorgegebene Kommandos halten und auch Dialekte werden von der Spracherkennung verstanden.

Das BMW-Bediensystem zählt nach wie vor zu den besten auf dem Markt, auch wenn der immer größere Funktionsumfang den Gewöhnungsaufwand und die Handhabung erschweren. Es dauert mitunter, ehe man manche Einstellung in den Tiefen der Untermenüs findet.

Apple CarPlay gibt´s im Abo, Android Auto vorerst nicht. Dafür können auch andere zugelassene Fahrer, etwa Familienmitglieder und (sehr gute!) Freunde, mit ihren Samsung-Smartphone über eine speziell gesicherte NFC-Funkverbindung das Fahrzeug entsperren. iPhone-Besitzer wiederum benötigen dafür eine separate Karte. Diese unterschiedlich nutzbaren Komfort-Gadgets zeigen, wie die Autoindustrie mit den Giganten des Silicon Valley um Standards ringt.

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Kaum Worte verlieren braucht man zum Platzangebot. Es ist gigantisch, und selbst hinten wird es erst für Personen über 1,95 Metern Körpergröße enger. Den X5 gibt es gegen Aufpreis auch als Siebensitzer. Ist der SUV mit der dritten Sitzreihe ausgestattet, lassen sich zudem die Lehnen der zweiten Reihe elektrisch in der Neigung verstellen und die Sitze um bis zu 80 mm in Längsrichtung verschieben.

Und wie sieht es nun mit der Kernkompetenz der Bayerischen Motorenwerke aus – dem Fahren? Hier die beruhigende Antwort: Besser denn je. Die bisher aufpreispflichtige Luftfederung bringt der X5 jetzt serienmäßig mit. Das bedeutet dank der integrierten Wank-Stabilisierung hohe Kurventempi, sowie eine weite Spreizung der Abstimmung.

So kann man im X5 so komfortabel unterwegs sein, wie man es eben von einem großen, teuren Auto erwartet, das die Aufgaben einer Limousine übernehmen will. Leise, nahezu ohne Motor- oder Reifengeräusch, fast schon mercedes-mäßig abgekoppelt von der Umwelt und Straßen-Unebenheiten, gleitet der im US-Werk Spartanburg gebaute Bayer über den Asphalt.

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Gute Fahrleistungen auf der Straße und im Gelände

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BMW X5 fahrend offroad
Im Gelände fühlt sich der neue X5 wohler als sein Vorgänger

Den er besser verlassen kann als jeder andere X-BMW – denn auch die Gelände-Fähigkeiten haben die Münchner gesteigert; erstmal gibt es sogar ein Off-Road-Paket. Mit variabler Bodenfreiheit, Bergab-Automatik und schnell reagierender Kraftverteilung meistert der X5 mittelschweres Gelände nahezu mühelos und ohne viel Zutun des Fahrers.

Dabei hilft natürlich ein kräftiger Motor wie der famose, sanft laufende Benziner mit sechs Zylindern in Reihe, der die Charakteristik des X5 auf der Straße noch weiter Richtung Luxus-Limousine verschiebt. Fast alle deutschen Käufer werden allerdings zu einem Diesel greifen, zum Beispiel zum Reihen-Sechser mit 340 PS (nach zukunftssicherem Euro 6d-TEMP zertifiziert). Auch mit diesem Motor ist der X5 ein stimmiges, komfortables und souveränes Fahrzeug.

Testverbrauch: 7,9 Liter Diesel

Zum ADAC Test trat der Diesel 30d mit 265 PS an. Mehr braucht es nicht, schließlich hat der 3-Liter-Sechszylinder wenig Mühe, den 2,2-Tonnen-Koloss zu beschleunigen. Nur 6,5 Sekunden vergehen beim Sprint auf 100 km/h, die Spitze liegt bei 230 km/h. Gekrönt wird der gute Eindruck des Motors von einer perfekt abgestimmten Automatik und niedrigen Schadstoffwerten. Beim Verbrauch von 7,9 Litern Diesel im ADAC Ecotest zeigt sich, dass ein großes SUV eben kein Kleinwagen ist, aber auch nicht übermäßig säuft.

Wohnwagen- und Bootsbesitzer können ebenfalls mit diesem Diesel gut leben, schließlich hat bereits der 30d eine Anhängelast von 3,5 Tonnen.

Würden nicht die Dienstwagen-Regeln vieler Unternehmen einen SUV ausschließen, könnte BMWs Neuer zur ernsthaften Konkurrenz der 5er-Reihe geraten. Er ist moderner, trägt mehr High-Tech an Bord wie erstmal eine elektrische Bremse ("Brake-by-Wire"), die kein Pulsieren beim ABS-Einsatz mehr kennt – dieses erschreckt bisher bei Vollbremsungen manchen ungeübten Fahrer so, dass er wieder den Fuß vom Pedal nimmt. 

Dazu ist der X5 überaus praktisch, vor allem am Heck: Die zweigeteilte, elektrisch bewegte Ladeklappe ist ein Prunkstück deutscher Ingenieurskunst, und das selbständig surrende optionale E-Rollo zur Abdeckung, inklusive hochfahrender Trennwand zum Passagierraum, erst recht.

Der BMW X5 kann automatisch rückwärts fahren

Ein noch verblüffenderes Extra ist ein neues Assistenz-System, das die Armada der bisherigen ergänzt: Die automatische Rückfahr-Funktion. Für diese merkt sich der Wagen die jeweils letzten gefahrenen 50 Meter. Auf Druck am Touchscreen lenkt er sie völlig selbstständig zurück, nur dosiert Gas geben muss der Fahrer noch selber.

Sehr praktisch ist das etwa beim Herausfahren aus einer engen Garage, oder wenn man sich im Urlaub in einer Sackgasse eines italienischen Dorfes festgefahren hat. Braucht man das alles? Natürlich nicht. Es ist kein Must-Have, aber sehr nette Nice-to-haves. Wie der ganze BMW X5.

Die Preise fallen wie immer selbstbewusst aus. So kostet das Basismodell xDrive 25d mit 231 PS bereits 65.900 Euro und der X5 xDrive 30d steht mit 69.900 Euro in der Liste. Der xDrive 40i kommt auf 71.400 Euro und der 530 (!) PS starke M50i auf 96.200 Euro.

Technische Daten (Herstellerangaben)
BMW X5 xDrive 30d
Motor  Reihen-Sechszylinder-Turbodiesel, 2993 cm3, 195 kW/265 PS, 620 Nm bei 2000 U/min
Fahrleistungen  6,5 s auf 100 km/h, 230 km/h Spitze
Verbrauch  6,0 – 6,8 l Diesel/100 km, 158 – 179 g CO2/km
Maße  L 4,92 / B 2,00 / H 1,75 m
Kofferraum
650 – 1860 l 
Preis
69.900 Euro 
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
4,2 s 
Bremsweg aus 100 km/h
36,2 m
Wendekreis 12,6 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
7,9 l Diesel/100 km , 250 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
1010 km
Innengeräusch bei 130 km/h 65,9 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
2240 / 620 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 400 / 775 / 1555 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,2
Karosserie/Kofferraum 2,4                    
Innenraum 1,7
Komfort 1,7
Motor/Antrieb 1,3
Fahreigenschaften 
2,9
Sicherheit
1,5
Umwelt/EcoTest
3,5

 

  • Das hat uns gefallen: Hohe Verarbeitungsqualität. Gute Serienausstattung. Kräftiger und kultivierter Dieselmotor. Hervorragende Automatik. Geringe Schadstoffemissionen.
  • Das hat uns nicht gefallen: Schwächen beim ADAC Ausweichtest. Teuer in Anschaffung und Unterhalt. Schlechte Rundumsicht.

Der Plug-in-Hybrid kostet 77.600 Euro

Weitere Motoren werden noch folgen, unter anderem die Plug-in-Hybridversion xDrive 45e. Letztere könnte den X5 zum Spritsparen erziehen: BMW gibt beim X5 xDrive 45e iPerformance 80 Kilometer rein elektrische Reichweite an – deutlich mehr als beim Vorgänger. Normverbrauch: 2,1 Liter Super und 23,0 kWh Strom auf 100 Kilometer, was einem CO2-Ausstoß von 49 g/km entspricht. Das neue Modell soll bis 140 km/h rein elektrisch fahren können. Beim Vorgänger musste der Verbrenner bereits ab 120 km/h eingreifen. Mit einer Gesamtleistung von 394 PS soll der "grüne" X5 in 5,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100 sprinten. Preis: ab 77.600 Euro.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum BMW X5 xDrive 30d Steptronic.

 

5 Sterne im Euro NCAP-Crashtest

Der BMW X5 erreicht volle 5 Sterne. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern und Kopfairbags in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut, für die zweite Sitzreihe sind sie optional erhältlich. Der Fahrer wird zusätzlich durch einen Knieairbag geschützt, der im Test aber mangelhaft agierte. Optische und akustische Gurtwarner arbeiten für alle drei Sitzreihen.

Der Insassenschutz ist noch gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder weitgehend mittel bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung, für den Beifahrersitz sind sie nicht erhältlich. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der X5 ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und automatischem Speed-Limiter serienmäßig ausgestattet. Der Notbremsassistent überzeugt durch herausragende Leistungen. 

Text: Marcus Efler, Jochen Wieler. Fotos: BMW AG.

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