Fahrbericht BMW X5: Größer und komfortabler

8.10.2018

Im November 2018 kommt die vierte Generation des BMW X5 auf den Markt. Der SUV ist etwas größer geworden, bietet bis zu sieben Personen Platz und einige technische Highlights. Erste Testfahrt, Daten und Preise

BMW X5 fahrend von vorne
Neuer BMW X5: Am auffälligsten an der Front ist die riesige Niere
  • Der neue BMW X5 bietet auf 4,92 Meter Länge Platz für bis zu sieben Personen
  • Die Motoren leisten 265 bis 400 PS, 2019 kommt ein Plug-in-Hybrid
  • Mit 69.200 Euro erreicht der Premium-SUV ein hohes Preisniveau

 

Irgendwie sieht er anders aus als seine Vorgänger. Der neue BMW X5 wirkt länger, schlanker, die Motorhaube präsenter. Ein Blick in die Daten-Tabelle zeigt jedoch: Eigentlich ist hier (fast) alles beim Alten geblieben. Mit 4,92 Metern Außenlänge ist er nur ein paar Zentimeter größer geraten, auch die restlichen Proportionen wurden kaum verändert.

Ist das mutlos? Nicht unbedingt. Schließlich gehört der X5 mit mehr als zwei Millionen verkauften Autos seit 1999 zu BMWs erfolgreichsten Modellen – warum sollte man also jetzt alles anders machen? Auch die restliche X-Familie läuft gut, die mittlerweile sieben Mitglieder vom X1 bis zum X7 umfasst.

Luxus-SUV mit Laserlicht und Sternenhimmel

Zoom-In
BMW X5 fahrend von der Seite
Der X5 wird in den USA gebaut und ist dort auch sehr erfolgreich

Woran also liegt der frische optische Auftritt? Erstens am verlängerten Radstand und den damit verbundenen knackigeren Überhängen. Das lässt die Karosserie gestreckter, die Motorhaube länger erscheinen. Vorne mündet die neue Pracht dazu in einer übergroßen, dominanten Niere zwischen LED- oder optionalen Laser-Scheinwerfern. Zweitens haben die Designer scharfe Bügelfalten eingezogen, vor allem eine "Charakterlinie" (bis zu den Heckleuchten, welche die Flanke schnittiger wirken lässt.

Auch im Interieur hat sich einiges getan: Hier ist der X5 von einem SUV zu einem Luxusgefährt mutiert. Edle Hölzer und Leder lassen keinen Zweifel daran, dass man beispielsweise amerikanische und chinesische Kunden aus ihren Limousinen in den SUV locken möchte. Für europäischen Geschmack dagegen könnten die (optionalen) Glas-Applikationen etwa am Automatik-Wahlhebel oder der aus 15.000 LEDs bestehende Sternen-Dachhimmel à la Rolls-Royce etwas zu viel des Guten sein.

High-Tech-Fans freuen sich indes über das voll digitale Cockpit und das damit korrespondierende große Touch-Display in der Mittelkonsole. Erstmals setzt BMW hier sein neues Betriebssystem OS7 ein. Es erlaubt eine sehr freie Konfiguration von Kacheln, auch lassen sich sekundäre Informationen – wie der Titel des laufenden Songs – rechts in den virtuellen Drehzahlmesser einblenden.

An die Bedienung muss man sich gewöhnen

Bedienen lässt sich das alles redundant per Berührung, Dreh- und Drücktaste, Sprache oder – nach wie vor etwas gewöhnungsbedürftig – Gesten. Konkurrent Audi setzt bei seinen neuen Modellen A6, A7 und A8 ausschließlich auf Touchscreens und hat den Dreh-Drücksteller mittlerweile entsorgt.

Apple CarPlay gibt´s im Abo, Android Auto vorerst nicht. Dafür können auch andere zugelassene Fahrer, etwa Familienmitglieder und (sehr gute!) Freunde, mit ihren Samsung-Smartphone über eine speziell gesicherte NFC-Funkverbindung das Fahrzeug entsperren. iPhone-Besitzer wiederum benötigen dafür eine separate Karte. Diese unterschiedlich nutzbaren Komfort-Gadgets zeigen, wie die Autoindustrie mit den Giganten des Silicon Valley um Standards ringt.

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Und wie sieht es nun mit der Kernkompetenz der Bayerischen Motorenwerke aus – dem Fahren? Hier die beruhigende Antwort: Besser denn je. Die bisher aufpreispflichtige Luftfederung bringt der X5 jetzt serienmäßig mit. Das bedeutet dank der integrierten Wank-Stabilisierung hohe Kurventempi, sowie eine weite Spreizung der Abstimmung. So kann man im X5 so komfortabel unterwegs sein, wie man es eben von einem großen, teuren Auto erwartet, das die Aufgaben einer Limousine übernehmen will. Leise, nahezu ohne Motor- oder Reifengeräusch, fast schon mercedes-mäßig abgekoppelt von der Umwelt und Straßen-Unebenheiten, gleitet der im US-Werk Spartanburg gebaute Bayer über den Asphalt.

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Die Reihensechszylinder laufen prächtig

Zoom-In
BMW X5 fahrend offroad
Im Gelände fühlt sich der neue X5 wohler als sein Vorgänger

Den er besser verlassen kann als jeder andere X-BMW – denn auch die Gelände-Fähigkeiten haben die Münchner gesteigert; erstmal gibt es sogar ein Off-Road-Paket. Mit variabler Bodenfreiheit, Bergab-Automatik und schnell reagierender Kraftverteilung meistert der X5 mittelschweres Gelände nahezu mühelos und ohne viel Zutun des Fahrers.

Dabei hilft natürlich ein kräftiger Motor wie der famose, sanft laufende Benziner mit sechs Zylindern in Reihe, der die Charakteristik des X5 auf der Straße noch weiter Richtung Luxus-Limousine verschiebt. Fast alle deutschen Käufer werden allerdings zu einem Diesel greifen, zum Beispiel zum Reihen-Sechser mit 340 PS (nach zukunftssicherem Euro 6d-temp zertifiziert). Auch mit diesem Motor ist der X5 ein stimmiges, komfortables und souveränes Fahrzeug.

Würden nicht die Dienstwagen-Regeln vieler Unternehmen einen SUV ausschließen, könnte BMWs Neuer zur ernsthaften Konkurrenz der 5er-Reihe geraten. Er ist moderner, trägt mehr High-Tech an Bord wie erstmal eine elektrische Bremse ("Brake-by-Wire"), die kein Pulsieren beim ABS-Einsatz mehr kennt – dieses erschreckt bisher bei Vollbremsungen manchen ungeübten Fahrer so, dass er wieder den Fuß vom Pedal nimmt.

Dazu ist der X5 überaus praktisch, vor allem am Heck: Die zweigeteilte, elektrisch bewegte Ladeklappe ist ein Prunkstück deutscher Ingenieurskunst, und das selbständig surrende optionale E-Rollo zur Abdeckung, inklusive hochfahrender Trennwand zum Passagierraum, erst recht.

Der X5 kann automatisch rückwärts fahren

Ein noch verblüffenderes Extra ist ein neues Assistenz-System, das die Armada der bisherigen ergänzt: Die automatische Rückfahr-Funktion. Für diese merkt sich der Wagen die jeweils letzten gefahrenen 50 Meter. Auf Druck am Touchscreen lenkt er sie völlig selbstständig zurück, nur dosiert Gas geben muss der Fahrer noch selber. Sehr praktisch etwa beim Herausrangieren aus einer engen Garage, oder wenn man sich im Urlaub in einer Sackgasse eines italienischen Dorfes festgefahren hat. Braucht man das alles? Natürlich nicht. Es ist kein Must-Have, aber sehr nette Nice-to-haves. Wie der ganze BMW X5.

Die Preise fallen wie immer selbstbewusst aus. So steht der X5 xDrive 30d mit 69.200 Euro in der Liste, der xDrive 40i kommt auf 70.700 Euro und der M50d auf 92.900 Euro.

Technische Daten (Herstellerangaben)
BMW X5 xDrive 30d
X5 xDrive 40i
X5 M50d
Motor  Reihen-Sechszylinder-Turbodiesel, 2993 cm3, 195 kW/265 PS, 620 Nm bei 2000 U/min
Reihen-Sechszylinder-Benziner, 2998 cm3, 250 kW/340 PS, 450 Nm bei 1500 U/min  Reihen-Sechszylinder-Turbodiesel, 2993 cm3, 294 kW/400 PS bei 4400 U/min, 760 Nm bei 2000 U/min
Fahrleistungen  6,5 Sekunden auf 100 km/h, 230 km/h Spitze
5,5 Sekunden auf 100 km/h, 243 km/h Spitze  5,2 Sekunden auf 100 km/h, 250 km/h Spitze 
Verbrauch  6,0 – 6,8 l Diesel/100 km, 158 – 179 g CO2/km
8,5 – 8,8 l Super/100 km, 193 – 200 g CO2/km  6,8 – 7,2 l Diesel/100 km, 179 – 190 g CO2/km 
Maße  L 4,92 / B 2,00 / H 1,75 m
L 4,92 / B 2,00 / H 1,75 m L 4,92 / B 2,00 / H 1,75 m
Kofferraum
650 – 1860 l  650 – 1860 l  650 – 1860 l 
Preis
69.200 Euro  70.700 Euro  92.900 Euro 

 

2019 kommt ein Plug-in-Hybrid

Weitere Motoren werden noch folgen, unter anderem eine Plug-in-Hybridversion, die für 2019 angekündigt wurde. Letztere könnte den X5 zumindest auf dem Papier zum Spritsparen erziehen: Schon der Vorgänger fuhr rund 40 Kilometer rein elektrisch und kam auf einen Normverbrauch von 3,4 Litern Super sowie 15,4 kWh Strom auf 100 Kilometer.

Das neue Modell soll sogar 80 Kilometer elektrische Reichweite haben und bis 140 km/h rein elektrisch fahren können. Beim Vorgänger musste der Verbrenner bereits ab 120 km/h eingreifen. Den Verbrauch des Plug-in-Hybriden namens BMW X5 xDrive45e iPerformance gibt der Hersteller im kombinierten Betrieb mit 2,1 Litern Super und 23 kWh Strom je 100 Kilometer an. Mit einer Gesamtleistung von 394 PS soll der "grüne" X5 in 5,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100 sprinten.

 

Text: Marcus Efler. Fotos: PR.

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Projektleiter X5: "Die Deutschen kaufen zu 90% Diesel"

BMW Johann Kistler 2018

Interview mit Johann Kistler, Projektleiter BMW X5

ADAC Motorwelt: Herr Kistler, was halten Sie für die wichtigsten Neuerungen beim X5?

Johann Kistler: Ganz klar die Fahrdynamik, das bewusste Fahrerlebnis. Der X5 bietet einen enormen Langstrecken-Komfort, aber Sie können ihn auch sehr sportlich bewegen. Es gibt ihn jetzt mit Aktivlenkung inklusive mitlenkender Heckräder, er hat serienmäßig einstellbare Dämpfer und optional eine aufwändige Luftfederung an beiden Achsen. Damit ist er auch im Gelände besser. Erstmals gibt es optional sogar ein Off-Road-Paket.

Aber die Käufer eines solchen Autos fahren damit doch kaum ins Gelände...

Unterschätzen Sie das nicht! In den USA, dem wichtigsten Markt für den X5, ist es beispielsweise sehr beliebt, am Wochenende zum Fischen oder Jagen zu fahren, oft über unwegsames Gelände. Und in China, ebenfalls sehr wichtig für uns, gibt es vor allem auf dem Land noch viele sehr schlechte Straßen.

Welche Motoren werden die Kunden kaufen? Schwächelt die Nachfrage nach Diesel?

Kistler: Es gibt kaum Rückgang beim Diesel, in Europa werden wohl weiterhin 80 Prozent, in Deutschland über 90 Prozent ihren X5 mit Diesel ordern. In USA und China sind weiterhin die Benziner vorne. Demnächst kommt ja auch noch ein Plug-In-Hybrid mit 80 Kilometer elektrischer Reichweite.

Welche Sonder-Ausstattung wird beim X5 besonders beliebt?

Bestimmt das Laserlicht - das ist bei anderen Modellen schon der Renner. Auch der absenkbare Kofferraum mit dem automatischen E-Rollo wird sicher beliebt.