Testfahrt BMW R 1250 GS: Kraftkur für den Bestseller

16.10.2018

Mehr Power, mehr Ausstattung, kaum verändertes Design: Reicht das für die neue BMW R 1250 GS, um die Nummer eins der Reiseenduros zu bleiben? Erster Fahrbericht unserer Test-Redaktion, Daten und Preise

  • Der Motorrad-Bestseller von BMW hat jetzt 136 statt bisher 125 PS
  • Die R 1250 bietet jetzt mehr Ausstattung und Konnektivität
  • Die Preise der Enduro starten ab 16.150 Euro 

 

Kurzer Schockmoment beim "Tracking", der Parallelfahrt von Motorrad und Kamera-Auto für dynamische Fotos: Ein erster kräftigere Dreh am Gasgriff – und die neue BMW R 1250 GS macht aus 60 km/h im zweiten Gang einen unerwarteten Bocksprung. Nach einem kurzen Schreck, kommt die Freude: Die neue GS hat Temperament. Auch vorher war der legendäre Zweizylinder-Boxer keineswegs schwach auf der Brust. Doch soviel impulsive Schubkraft kannte man von einer GS bislang nicht.

Genau darum ging es beim Schritt von der R 1200 GS (125 PS) 1250er (136 PS): Leistungsmäßig sollte sie zu den weit davongeeilten Rivalen wie KTM 1290 Super Adventure S (160 PS) und Ducati Multistrada 1260 (158 PS) wenigstens ein bisschen aufschließen.

GS steht für "Gelände" und "Straße"

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BWM R 1250 GS, Verkleidung
Die Alublende an der Seite gab's schon; nun mit Schriftzug "1250 GS"

Jetzt steht also die große Reiseenduro, bislang mit luft-/flüssigkeitsgekühltem 1,2-Liter-Boxer-Motor unangefochtener Motorrad-Bestseller in Deutschland, beim Händler – mit 84 ccm mehr Hubraum, zahlreichen Neuerungen und mehr Ausstattung. Allerdings: Auf den ersten Blick ist die Neue nur schwer zu erkennen. Wenigstens der Modellname verrät sofort: Der Hubraum stieg auf 1250 oder exakt 1254 ccm und macht den Leistungssprung von elf PS möglich. 

Seit 1980 ist die GS – gestartet als R 80 G/S – ein Phänomen. Die beiden Buchstaben standen für "Gelände" und "Straße" und sollten die Vielseitigkeit des neuartigen Bikes signalisieren. Schnell galt die Allzweck-BMW als "Eierlegende Wollmilchsau" unter den Motorrädern. Ihre Stärken: Robustheit und Vielseitigkeit. 

Wie die BMW R 1200 GS – nur besser

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BWM R 1250 GS von der Seite, stehend.
Nicht gleich als neu zu erkennen, aber technisch wesentlich weiterentwickelt

Die GS beherrscht dynamisches Kurvensurfen ebenso wie komfortable Fernreisen oder nicht allzu extreme Offroad-Abenteuer. Im Laufe von sieben Generationen und mehr als 700.000 verkauften Exemplaren kletterte der Preis zuletzt für die R 1200 GS auf deutlich über 15.000 Euro. Dennoch ist sie nach wie vor nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern weltweit das meistverkaufte Motorrad.

Doch auch bei den großen Reiseenduros gilt: Die Konkurrenz schläft nicht. Zu den direkten Herausforderern der GS gehören Kaliber wie die erwähnten Bikes aus dem Hause KTM oder Ducati. Mit den 11 Zusatz-PS schließt die neue GS zu diesen zwar nicht auf, doch das ist ohnehin eine akademische und überflüssige Diskussion. Die 1250er lässt keine Wünsche in Sachen Power und Performance offen. 143 statt bisher 125 Nm Drehmoment bringen Schubkraft und Druck in allen Lebenslagen.

Boxermotor mit "Shift Cam"

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BWM R 1250 GS, Motorblock.
"Shift Cam" steht deutlich sichtbar auf dem Ventildeckel

Das geht in erster Linie auf eine Weltneuheit zurück: Die variable Ventilsteuerung "Shift Cam" bewirkt, dass sich die beiden Einlassventile je nach Voll- oder Teillast sowie je nach Drehzahl unterschiedlich öffnen und schließen. Folge: Effizientere und dadurch sauberere Verbrennung und um vier Prozent weniger Verbrauch: 4,75 statt der bisherigen 4,96 l/100 km. Der Schriftzug "Shift Cam" steht deutlich lesbar auf den Ventildeckeln des Boxermotors – noch ein sehr dezentes Erkennungsmerkmal der neuen GS.

Unsere ersten Testfahrten zeigten: Der Motor leitet seine spontane, impulsive Kraft sehr geschmeidig aufs kardangetriebene Hinterrad. Beim Gasgeben reißt die GS zwar heftig an. Nimmt man Gas weg, bricht der Vortrieb aber nicht abrupt ab, sondern lässt sanft nach – das Vorderrad nickt nicht ein. Absolut souverän meistert die GS auch grobe Schotterpassagen oder ruppige Fahrwege, fühlt sich dabei leichter an als sie ist.

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LED-Scheinwerfer und Connectivity

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BWM R 1250 GS, Geschwindigkeitsanzeige.
Serienmäßig an Bord: Das 6,5 Zoll große Farb-TFT-Farbdisplay 

Ebenfalls positiv: Die Serienausstattung fällt umfangreicher aus als bisher. Dazu gehören ein LED-Scheinwerfer oder das 6,5 Zoll große Farb-TFT-Display samt wichtigen Connectivity-Funktionen. Die Verbindung von Motorrad und Smartphone läuft sehr bedienungsfreundlich und lenkt kaum vom eigentlichen Fahren ab. Und die serienmäßige Berganfahrhilfe "Hill Start Control" ist in der Praxis wertvoller, als man zunächst glauben mag – vor allem, wenn man mit viel Gepäck und zu zweit unterwegs ist.

Deutlicher Kritikpunkt: Das Design hat sich kaum weiterentwickelt. Dass die GS ihren legendären "Entenschnabel" (die markante Verlängerung der Front über dem Schutzblech) beibehalten würde, war zu erwarten. Aber dass sie ihrer Vorgängerin wie eine Blaupause ähnelt, erscheint doch arg mutlos.

Dank der wesentlich besseren Performance ist die neue R 1250 GS den Mehrpreis von 850 Euro aber wert. Außerdem ist das nahezu unveränderte Design ist ein Trost für GS-Fahrer, die sich 16.150 Euro nicht leisten wollen oder können: Sie haben mit ihrer "alten" 1200er kein "Alteisen" in der Garage stehen…

Die BMW R 1250 GS und ihre wichtigsten Rivalen

Modell  Leistung  Drehmoment  Gewicht
(fahrbereit) 
Preis
BMW R 1250 GS  136 PS                     143 Nm 249 kg 16.150 €
KTM 1290 Super Adventure S  160 PS                     140 Nm 238 kg 16.669 €
Ducati Multistrada 1260
158 PS 130 Nm 232 kg 16.990 € 
Honda VFR 1200 X Crosstourer  129 PS                     126 Nm 277 kg 15.490 €
Triumph Tiger 1200 XR   141 PS                     122 Nm 263 kg 14.700 €

BMW R 1250 GS
Kritikpunkt Design: Die neue R 1250 GS (links) ist auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden von der bisherigen R 1200 GS. Neues findet sich nur im Detail
Technische Daten                     BMW R 1250 GS                    
Motor                     Luft-/Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Boxermotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und variabler Einlass-Nockenwellensteuerung "Shift Cam", Hubraum 1.254 ccm, max. Leistung 100 kW (136 PS) bei 7.750 U/min, max. Drehmoment 143 Nm bei 6.250 U/min, Sechsganggetriebe, Kardan                    
Fahrleistungen  Spitze über 200 km/h; 3,6 s von 0-100 km/h 
Fahrwerk
Zweiteiliges Rahmenkonzept mit Haupt- und Heckrahmen, Motor mittragend, vorn Telelever mit Zentralfederbein, hinten Aluminium-Einarmschwinge (Paralever) mit Zentralfederbein (einstellbar)
Bremsen
vorn Doppelscheibe 305 mm mit Vier-Kolben-Radialsattel, hinten Einscheibenbremse 276 mm mit Zwei-Kolben-Schwimmsattel, BMW Motorrad-Integral ABS (teilintegral und abschaltbar) 
Reifen
vorn 120/70 R19, hinten 170/60 R17
Maße/Gewichte
Radstand 1525 mm, Tankinhalt 20 Liter, Sitzhöhe 850/870 mm, Gewicht fahrbereit 249 kg, zulässiges Gesamtgewicht 465 kg
Verbrauch  (WMTC) kombiniert 4,75 l/100 km (WMTC) kombiniert
Preis  ab 16.150 Euro 

Text: Ralf Schütze. Fotos: Ralf Schütze, PR.

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