BMW 7er: Die neue Oberklasse-Limousine im Fahrbericht

4.7.2019

Knapp die Hälfte aller 7er BMW geht nach China – deshalb orientiert sich das Facelift am dortigen Geschmack. Welche technischen Verbesserungen und Neuheiten die Luxuslimousine bietet und wie sie sich auf unserer Testfahrt schlägt, erfahren Sie hier.

Front und Seite des BMW 7 fahrend
Am deutlich größeren Kühlergrill scheiden sich die Geister
  • umfangreiche Motoren-Palette
  • deutlich verbesserter Fahrkomfort trotz Sportlichkeit
  • ab sofort beim Händler erhältlich
  • S-Klasse, Audi A8, Lexus LS 500 & Co. bekommen Konkurrenz

 

In China boomt der Flaggschiff-Markt: Daher ist es nur logisch, dass sich die Münchner bei der turnusgemäßen Überarbeitung ihres BMW 7er stark an den Vorlieben der chinesischen Käufer orientiert haben. Ob die Facelift-Version auch den Geschmack der hiesigen Kundschaft trifft, wird sich beim Händler zeigen, wo der 7er ab sofort für mindestens 88.400 Euro bereitsteht.

Die Luxuslimousine hat eine markante Front

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Front des BMW 7 fahrend
Der neue 7er hat eine deutlich größere Niere als sein Vorgänger

Reichlich Kritik gab es hierzulande schon bei der Weltpremiere im Januar. Vor allem am noch mal deutlich größeren Kühlergrill scheiden sich die Geister. Die Chinesen aber stehen auf ausdrucksstarkes Design und zeigen gern, was sie haben.

In diese Kerbe schlägt auch die deutlich höhere Motorhaube, die den 7er noch stattlicher auftreten lässt. Was dagegen kaum auffällt: Das BMW-Logo auf der Haube wurde um 1,2 Zentimeter vergrößert – damit es über dem neuen XXL-Kühlergrill nicht verloren wirkt. 

Ansonsten gibt es die üblichen Facelift-Retuschen: Die LED-Scheinwerfer sind etwas flacher und leuchten auf Wunsch mit Laser-Technik bis zu 560 Meter weit nach vorne, es gibt überarbeitete Schürzen und die ebenfalls etwas schmaleren Rücklichter verbindet jetzt, wie könnte es anders sein, ein durchgängiges LED-Band.

Maße (Langversion)                   Leergewicht Kofferraum
L 5,12 (5,26) / B 1,90 / H 1,47 (1,48) m  ab 1825 kg 515 l, 420 l beim Plug-in-Hybrid 745e

Das Interieur ist gewohnt hochwertig

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Cockpit des BMW 7
Im Innenraum dominieren hochwertige Materialien

Auch das Wohlfühlambiente im Innenraum hatten die Entwickler auf ihrer To-Do-Liste: Die Geräuschdämmung wurde verbessert, und durch die dickeren Fenster dringt kaum mehr Straßenlärm nach innen. Wer es sich im Fond des weiterhin in zwei Längen (5,12 und 5,26 Meter) erhältlichen 7er bequem macht, kann auf einem großen Bildschirm das Infotainment genießen und per herausnehmbaren Tablet zahlreiche Funktionen steuern. 

Das Cockpit wurde mit digitalem Kombi-Instrument und 10,25-Zoll-Info-Touchscreen auf Vordermann gebracht und mit der neuesten Generation des Bediensystems iDrive ausgerüstet. Geblieben ist der praktische Drehregler auf dem Mitteltunnel, neu ist der Sprachassistent, der auf den Befehl "Hey, BMW" reagiert und irgendwann so schlau wie Alexa oder Siri sein soll.

Aktuell tut sich der Computer mit einigen Befehlen noch etwas schwer, doch das System lernt fortlaufend hinzu. Das gilt für die gesamte Infotainment-Technik: Dank kabelloser Updates lässt sich der 7er zukünftig auf den neusten Stand der Dinge bringen. 

   

Motoren: Diesel, Benziner und Plug-in-Hybrid

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Seite des BMW 7 stehend
Die neue Motorengeneration erfüllt die Euro-6d-TEMP-Norm

Ein umfassendes Upgrade gab es unter der Haube: Mit dem Facelift stehen wieder Benziner bereit, die zuvor der WLTP-Umstellung zum Opfer gefallen waren. Die neue Motorengeneration erfüllt die Euro-6d-TEMP-Norm, und fährt mit sechs, acht oder zwölf Zylindern vor.

Der Dreiliter-Reihensechser ist zunächst nur mit Elektro-Unterstützung in der Plug-in-Hybrid-Version 745e (ab 101.000 Euro) zu haben, die es auf eine Systemleistung von 394 PS/290 kW bringt und 600 Newtonmeter Drehmoment bereitstellt. 

Damit ist der Doppelherz-7er deutlich souveräner unterwegs als der bisherige Vierzylinder-Hybrid, und dank der größeren Batterie steigt die elektrische Reichweite auf rund 50 Kilometer. In Kauf nehmen muss man dafür einen mit 420 Liter um fast 20 Prozent kleineren Kofferraum sowie häufige Tankstopps auf der Langstrecke. Nur 46 statt 78 Liter Sprit passen in den Benzintank, und ist der Akku erst einmal leer, entpuppt sich der versprochene Normverbrauch von knapp über zwei Liter natürlich als reiner Theorie-Wert.  

Bei den anderen Motoren verzichtet BMW auf Elektrifizierungsmaßnahmen. Die hätten eventuell das Minus auffangen können, dass der 174.000 Euro teure V12 im M760Li hinnehmen muss: Seine Leistung sinkt im Zuge der WLTP-Umstellung von 610 PS/448 kW auf 585 PS/430 kW.

Deutlich zugelegt hat dagegen der 750er (ab 117.200 Euro): Der neue V8 leistet 530 PS/390 kW statt 450 PS/330 kW und konnte beim Drehmoment noch mal eine Schippe drauflegen. Bei 1800 Umdrehungen liegen 750 Newtonmeter an und katapultieren den 7er in knackigen vier Sekunden auf Tempo 100. 


BMW 7er Reihe (Herstellerangaben)                     Preis 
Benziner 745e (xDrive): 210 kW/286 PS; 5,2 (5,1) s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze; 2,2–2,1 (2,6–2,3) l/100 km ab 101.000 (109.800) Euro
  750i xDrive: 390 kW/530 PS; 4 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze; 9,5 l/100 km ab 117.200 Euro
                      M760Li xDrive: 430 kW/585 PS; 3,8 s auf 100 km/h, 305 km/h Spitze; 12,5–12,4 l/100 km                ab 174.000 Euro
Diesel               730d (xDrive): 195 kW/265 PS; 6,1 (5,8) s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze; 6,0–5,8 (5,7–5,5) l/100 km   ab 88.400 (91.800) Euro
  740d xDrive: 235 kW/320 PS; 5,3 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze; 6,0–5,6 l/100 km ab 99.700 Euro
  750d xDrive: 294 kW/400 PS; 4,6 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze; 6,0–5,8 l/100 km  ab 116.600 Euro

7er BMW: Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit

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Heck des BMW 7 fahrend
Auch der 7er hat nun ein durchgängiges LED-Band

In Verbindung mit der feinfühligen Lenkung und der überarbeiteten Abstimmung des serienmäßig adaptiven Fahrwerks erweist sich der geliftete 750i als ausgesprochen agiler Allrounder, der butterweich dahingleitet und andererseits nichts gegen eine dynamische Gangart einzuwenden hat, die jede Mercedes S-Klasse abhängt. Der Sportmodus lässt in Verbindung mit der Hinterachse die mindestens zwei Tonnen schwere Limousine erstaunlich behände durch die Kurve fahren.

Dass sich die 9,5 Liter Normverbrauch dabei locker verdoppeln, dürfte die 750er-Kundschaft wenig stören. Wem es auf wenig Verbrauch ankommt, der greift, wenn nicht gleich zum Hybrid, ohnehin zum Diesel. Hier stehen drei Sechszylinder zur Wahl, die zwischen 265 PS/195 kW und 400 PS/294 kW/ bereitstellen. Wie die Benziner, sind auch die Selbstzünder alle an eine Acht-Gang-Automatik gekoppelt, und fahren in der Regel mit Allradantrieb; lediglich beim kleinsten Diesel 730d muss die Vierradtechnik – wie auch beim Plug-in-Hybrid – extra dazu bestellt werden.

 

Text: Michael Gebhardt/SP-X. Fotos: BMW AG/Daniel Kraus.

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