Audi RS5 und Mercedes C63 AMG: Darauf fahren die Amis ab

16.4.2018

Starke Mittelklasse-Limousinen mit über 400 PS sind in den USA beliebt. Doch machen Kraftprotze wie Audi RS5 und Mercedes C 63 AMG in den USA wirklich Sinn? Daten, Fakten, Preise

Mercedes-AMG C 63 ub der Vorderansicht
Mercedes C63 AMG: Die brave Limousine hat es faustdick unter der Haube

Schlaglöcher so tief wie der Grand Canyon, Staus bis zum Horizont. Kaum eine Stadt ist so Auto-unfreundlich wie New York City, was besonders für den quirligen Stadtteil Manhattan gilt. Jeden Tag kommen zu den 1,6 Millionen Einwohnern der Hochhausschluchten noch viele Pendler hinzu – oft mit dem Auto. Spaß macht das nicht.

Und doch präsentieren einmal im Jahr Autohersteller ihre starken Neuheiten in Manhattan. Die New York International Autoshow ist nach der Detroit Autoshow die zweitgrößte Automesse der USA und lockt die meisten Besucher an. Besonders beliebt bei den Ostküsten-Bewohnern: starke Limousinen aus deutscher Produktion.

Wozu 290 km/h Spitze, wenn nur 121 erlaubt sind?

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Audi RS 5 Sportback in der Vorderansicht
Der Audi RS5 sieht vergleichsweise dezent aus

Was wollen Amerikaner aber mit einer Power-Limousine, die knapp 300 km/h fährt? Denn schnelles Fahren wird in den USA hart bestraft. Auf dem 77.000 Kilometer langen Interstate Highway System herrschen strenge Regeln. Je nach Staat dürfen Autos maximal 75 Meilen pro Stunde fahren, umgerechnet 121 km/h. Auf manchen Straßen ist schon bei 45 Meilen Schluss (72 km/h).

Dennoch macht es für die Hersteller Sinn, PS-starke Autos anzubieten. "Die USA sind groß, es gibt viele Nischen zu besetzen. Und die sind aufgrund der Größe des Landes dann gar nicht mal so klein", sagt Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management an der Fachhochschule Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach bei Köln.

Ums reine Schnellfahren gehe es den wenigsten Kunden. "Hochmotorisierte Limousinen sind in den USA oft ein Statussymbol. Manche Besitzer definieren sich dadurch, wollen mit der Leistung gleichgesetzt werden. Seht her, auch ich bin stark und schnell", so Professor Bratzel. Aber auch das "German Autobahn tested" spiele bei den amerikanischen Kunden oft eine Rolle, ebenso die Beschleunigungskraft. Dass die Besitzer mit ihren Boliden auf die Rennstrecke gehen oder sonstwo die Höchstgeschwindigkeit erreichen, glaubt er dagegen nicht.

Ein Kaufargument für die schnellen Limousinen sei deshalb die Qualität der Autos und bei den verbauten Materialien, deren Haptik und der Technik. Feines Leder, poliertes Aluminium, glänzendes oder offenporiges Holz. Dort, wo die meisten US-Fahrzeuge eine dunkle Plastiklandschaft bieten, überzeugen europäische Sportwagen mit feiner Verarbeitung und edlem Interieur. "Die deutschen Premiumhersteller liegen qualitativ mit weitem Abstand vor den amerikanischen Herstellern, auch vor Cadillac", sagt Bratzel.

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Wie der neue Audi RS5 Sportback, der in New York erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Die Coupé-Limousine bietet als Fünftürer viel Platz in Fond und Kofferraum, positioniert sich zwischen Coupé und Kombi. Im Innenraum kommen weiches Leder, saubere Nähte sowie Holz, Carbon und Alu zum Einsatz. Unter der gewölbten Haube entwickelt ein 2,9-Liter-V6 mit zwei Turboladern für 331 kW/450 PS und 600 Newtonmeter Drehmoment. Die Turbos drücken mit je 1,5 bar Luft in die Brennräume, die Leistung verteilt ein Allradantrieb auf die Straße, mit bis zu 70 Prozent Kraft auf die Hinterachse. Um die mindestens 1,8 Tonnen Leergewicht von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen, vergehen etwa vier Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 280 km/h.

Der Audi RS5 Sportback ist sehr alltagstauglich

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Ein fahrender Audi RS 5 Sportback in der Seitenansicht
RS5 mit Mini-Spoiler, dickeren Backen, ovalen Endrohren und Diffusor

Optisch unterscheidet sich der schnelle RS5 Sportback von seinen schwächeren A5-Brüdern unter anderem durch den tiefen Kühlerschlund und dicke Backen. Am Heck: ein Diffusor und ovale Endrohre sowie ein kleiner Spoiler. Das sieht gewaltig aus.

Recht alltagstauglich erscheint der Kofferraum, der 480 und 1283 Liter fasst. "Der RS5 Sportback fährt sich sehr sportlich, bietet darüber hinaus aber auch viel Komfort, Platz und Luxus. Damit lässt er sich uneingeschränkt im Alltag nutzen", sagt Audi Sport-Chef Michael-Julius Renz. Er glaubt, dass die amerikanischen Kunden vor allem die Authentizität der Modelle schätzen und die Audi-Strategie "Born on the track, built for the road" – auf Rennstrecken entwickelt, auf der Straße besonders sportlich.

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Sportwagen im Motorwelt-Check

Rund 26 Prozent aller AMG-Mercedes gehen in die USA

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Mercedes-AMG C 63 in der Rückansicht
Mit vier Auspuffrohren wirkt der C63 von hinten sehr auffällig

In einer ähnlichen Liga spielt der neue Mercedes-AMG C 63 S. Es gibt sie zwar nicht als Fließheckvariante mit großer Heckklappe (wie den Audi), dafür aber als Coupé, Cabrio, Limousine und Kombi. Besonders beliebt: die klassische Limousine mit vier Türen. Die USA sind seit Jahren der größte Markt von Mercedes-AMG und machen rund 26 Prozent des globalen Volumens aus. Danach folgen die Märkte in Deutschland, China, Kanada, UK, Australien und Japan.

Das meistverkaufte AMG-Modell hebt sich vom Vorgänger durch den sogenannten Panamericana-Grill ab. Die Front mit den prägnanten Längsstreben und den Doppelllamellen erinnert an die Optik von Mercedes-Rennwagen der 1950er-Jahre. Unter der langen Haube sitzt der 4,0-Liter-V8 mit 467 PS beim C 63 und 510 PS beim C 63 S. Das Drehmoment liegt bei 650 und 700 Newtonmeter, die Automatik hat neun Gänge. Auch hier sind die Fahrleistungen mehr als beeindruckend: In 3,9 Sekunden auf 100 km/h, die Spitze liegt bei stolzen 290 km/h.

Das Besondere sei aber nicht die Höchstgeschwindigkeit, sondern die Kraftentfaltung. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern setzt Mercedes auf einen bulligen V8 mit Hinterradantrieb – im Land der großen Motoren durchaus ein Kaufargument. "AMG-Fahrzeuge richten wir auf Performance und Dynamik aus, nicht unbedingt auf Topspeed", sagt Tobias Moers, Chef von Mercedes-AMG. Ziel sei es, dass jedes Auto dem Markenversprechen "Driving Performance" gerecht wird. Amerikanische Kunden mögen die Kombination aus Performance, Sicherheit, Komfort und Individualisierungsmaßnahmen.

Noch mehr Leistung gefällig? Der bis zu 639 PS starke Mercedes AMG GT Viertürer im Video:

Für mehr Dynamik in Kurven sorgt ein elektronisch gesteuertes Sperrdifferenzial an der Hinterachse. Die Elektronik soll schneller und genauer regeln. Serienmäßig sitzt ein 7-Zoll-Bildschirm auf dem Armaturenbrett. Für Hobbyrennfahrer zeigt das Display dann auch Werte zu Motor- und Getriebeöltemperatur oder G-Kräften an. Wer mit der C-Klasse auf die Rennstrecke will, aktiviert den Datenlogger AMG Track Pace, der dann Rundenzeiten oder Beschleunigungswerte anzeigt. Die Preise starten für den AMG C 63 bei gut 77.500 Euro, die stärkere S-Version fängt bei gut 86.000 Euro an.

Für AMG-Chef Moers ist nicht nur die Leistung wichtig, sondern auch die Alltagstauglichkeit des Autos. "Der AMG C 63 ist ein Tier auf der Rennstrecke, aber auch ein bequemes Alltagsauto, mit dem Besitzer ihre Kinder zur Schule fahren können", sagt er. Das sei wichtig für die Kunden in China und den USA. Dort, wo strikte Tempolimits Höchstgeschwindigkeiten zu rein theoretischen Werten machen.

Nach Meinung von Professor Bratzel wird sich der Absatz starker Limousinen mit Verbrennungsmotor dennoch verringern. "Es ist die alte Welt der Leistung, eine aussterbende Spezies", sagt er. Autofahrer, die sich als fortschrittlich einschätzen, wählen heute bereits andere Fahrzeuggattungen. Keine, die bis zu 290 km/h schnell fahren.

 

Technische Daten Audi RS5 Sportback Mercedes-AMG C63 S
Motor 6-Zylinder-Biturbo-Benziner, 2894 cm3, 331 kW/450 PS, 600 Nm bei 1900 – 5000 U/min 8-Zylinder-Biturbo-Benziner, 3982 cm3, 375 kW/510 PS, 700 Nm bei 2000 – 5000 U/min
Fahrleistungen 3,9 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze 4,0 s auf 100 km/h, 290 km/h Spitze 
Verbrauch 9,1 l SuperPlus/100 km, 206 g CO2/km 9,9 l SuperPlus/100 km, 227 g CO2/km
Maße L 4,78 / B 1,87 / H 1,39 m L 4,69 / B 1,81 / H 1,44 m 
Kofferraum  480 – 1300 l 480 l
Preis  82.700 Euro 86.335 Euro

 

Text: Fabian Hoberg. Fotos: PR.

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