Fahrbericht Aston Martin Vantage: James Bonds neuer Dienstwagen

26.8.2019

Wer an Aston Martin denkt, denkt an den Film-Spion 007. Damit das so bleibt, baut der britische Hersteller einen neuen Supersportwagen: Den Vantage. Erste Testfahrt, Daten, Fakten und Preise

 

Seit 1964 schwört James Bond auf die britische Sportwagenmarke Aston Martin. Und schon bald könnte er seine Kontrahenten mit einem neuen Dienstwagen jagen: dem aktuellen Vantage. Der Zweitürer geht ab Sommer 2018 als Basismodell von Aston Martin an den Start. Wobei Basismodell etwas zu bescheiden klingt für einen 154.000 Euro teuren Sportwagen mit 510 PS.

Das Cockpit des Vantage ist sportlicher geworden

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Interieuer: das neue Infotainmentsystem ist von Mercedes

Ortstermin im Süden Portugals in Portimao auf einer Rennstrecke. Hier machen wir eine erste hautnahe Bekanntschaft mit dem Engländer. Die engen, tief liegenden Sportsitze schmiegen sich um Hüfte und Schulter. Bonds Abendgarderobe würde sofort verknittern.

Das unten abgeflachte Sportlenkrad liegt satt in der Hand, der breite Mitteltunnel dient als Armlehne. Cockpit, Sitze und die Seitenverkleidung fühlen sich gut an. Breite Nähte verzieren Himmel, Sitz und Armaturenbrett. Ein paar Knöpfe und Tasten weniger in der Mittelkonsole hätten der Übersichtlichkeit gut getan – aber das ist ja schließlich kein spröder VW Golf. Darüber thront ein 8-Zoll-Bildschirm mit guter Auflösung.

Weil es in England öfter mal regnen soll, hängt hinten an der Innenseite des Kofferraumdeckels ein Regenschirm. Da hat sich Q mal wieder etwas einfallen lassen. An größere Fenster hat er leider nicht gedacht – durch die kleinen Scheiben leidet die Übersicht.

TECHNISCHE DATEN
ASTON MARTIN VANTAGE
Motor/Leistung 4,0-Liter-V8-Twinturbo, 375 kW/510 PS bei 6000/min
Drehmoment 685 Nm bei 2000 – 5000 U/min
Getriebe Achtgang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb
Fahrleistungen Spitze 314 km/h; 3,7 s von 0 auf 100 km/h
 Verbrauch 10,5 l Super/100 km; 245 g CO2/km
 Maße L 4,47 /B 1,94 /H 1,27 m
 Leergewicht 1530 kg
 Kofferraum 350 l
 Preis 154.000 Euro

 

Der Aston Martin Vantage hat einen 4,0-Liter-V8-Motor

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Neuer Partner: der Motor kommt jetzt von AMG

Ein Tipp auf den Startknopf, und der V8 erwacht: Tiefes Grollen, sattes Blubbern – mehr Liverpooler Fußballhooligan als Geheimagent im feinen Smoking. Vornehme Zurückhaltung klingt jedenfalls anders. Der 4,0-Liter-V8 stammt vom Kooperationspartner Daimler und steckt unter anderem im Mercedes-AMG GT. Auch der Vorgänger Aston Martin DB11 setzte auf das Triebwerk. Für den Vantage wurde es gründlich überarbeitet – alles andere am Auto ist komplett neu.

Kurz mit der langen Schaltwippe hinter dem Lenkrad den ersten Gang einlegen oder die Automatik aktivieren. Ein Druck aufs Gaspedal, und der Vantage setzt sich brabbelnd in Bewegung. Jetzt kann er endlich zeigen, was in ihm steckt. Und das ist eine ganze Menge: Bei Vollgas soll der Brite in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten und maximal 314 km/h erreichen.

Und auf 100 Kilometer laut Werksangabe 10,5 Liter verbrauchen – auf der Rennstrecke dürften es noch ein paar Liter mehr sein. Aber sei’s drum. Warum soll sich das Agenten-Gefährt auch in asketischer Zurückhaltung üben, wenn es sein Eigner an den Bars dieser Welt nicht so genau nimmt?

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Firmengeschichte

Vor 54 Jahren stieg Sean Connery als 007 in „Goldfinger“ erstmals in einen Aston Martin DB5. James Bond machte die Marke weltweit bekannt – dabei existiert sie schon seit 1913. Da gründeten Robert Bamford und Lionel Martin in London das Unternehmen Bamford and Martin Ltd. für den Vertrieb von Singer-Automobilen.

Ein Jahr später entwickeln die Briten unter dem Firmennamen Aston Martin ihren ersten Prototypen; 1915 erhält das erste Auto seine Zulassung. 1920 folgt ein weiterer Prototyp, der zur Serienreife gebracht wird. Ein neuer Miteigentümer stellt mit einem Prototypen auf der Rennstrecke Brooklands 1922 zehn Weltrekorde auf, im selben Jahr nehmen zwei Fahrzeuge an einem Grand Prix teil.

Drei Fahrmodi und Achtgang-Automatik

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Heck: ein dezenter Bürzel, umrandet von einer durchgehenden LED-Leiste 

Auf der engen Berg- und Talfahrt geht es nicht um Topspeed und Verbrauch, sondern um ein gutes Handling. Die drei Fahrmodi Sport, Sport+ und Track verändern das Ansprechverhalten von Gaspedal, Getriebe und Lenkung. Erstmals setzt Aston Martin ein elektronisches Sperrdifferenzial ein – für ausreichend Traktion. Durch den glatten Unterboden, den Frontspoiler sowie den Diffusor am Heck erreicht der Aston mehr Abtrieb und haftet auf dem Asphalt wie ein Gecko an der Decke.

Statt des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes des AMG GT setzt der Aston auf eine kürzer bauende Achtgang-Automatik von ZF an der Hinterachse – das spart Platz. Luftzufuhr, Motorkennfeld und Auspuffanlage optimierten die Briten ebenfalls, so dass der Vantage heller und kerniger bellt als der tief grollende AMG-Mercedes.

Preis Aston Martin Vantage: über 150.000 Euro

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Fliegengewicht: der Vantage ist deutlich leichter als sein Vorgänger

Auch die Karosserie ist moderner als die des Vorgängers. Viel Alu und Carbon drücken das Gewicht auf 1.530 Kilogramm – der Vorgänger DB11 wiegt 260 Kilogramm mehr. Dadurch wedelt der Vantage leicht über die Rennstrecke und lässt sich mit der präzisen Lenkung exakt durch Kurven zirkeln.

Die eigens für den Vantage entwickelten Michelin P Zero in 255/40 vorn und 295/35 hinten auf 20-Zoll-Rädern helfen dabei. 400 Millimeter große Bremsscheiben und Sechs-Kolben-Sattel vorn sowie 360 Millimeter große Scheiben hinten sorgen für eine sichere Verzögerung, optional gibt es welche aus Keramik.

Der Vantage ist ein reinrassiger Racer, kein entspannter Gleiter wie der Vorgänger. Das passt auf die Rennstrecke, auf der Landstraße oder in der Stadt wirkt die Abstimmung aber zu hart, Motor- und Auspuffsound sind zu präsent. James Bond hat das zwar bei seinen Verfolgungsjagden bisher nicht gestört – doch normale Kunden würden sich vielleicht ein bisschen mehr Alltagstauglichkeit wünschen.

Text: Fabian Hoberg. Fotos: Aston Martin.

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