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Frankfurt am Main | 16.10.2019

Insolvenz von Thomas Cook: Das müssen Reisende jetzt wissen

Flieger von Thomas Cook

Nach der Insolvenzanmeldung des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook können viele Touristen ihre Reise nicht antreten. Betroffen sind auch Urlauber aus Deutschland.

Mittlerweile haben auch die deutschen Töchter Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, Neckermann, Air Marin und die Bucher Reisen und Öger Tours GmbH sowie die Schweizer Gesellschaft Thomas Cook International AG Insolvenz angemeldet. Der Veranstalter Aldiana ist von der Insolvenz nicht betroffen. Hier erfahren Sie, was Reisende jetzt wissen sollten.

Aktuelle Hinweise

Condor:

Alle Condor Flüge mit einer DE Flugnummer finden planmäßig statt. Allerdings darf die Airline nach eigener Auskunft keine Fluggäste mehr zur ihrem Urlaubsort befördern, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben. Rückflüge von Thomas Cook-Pauschalreisegästen werden nach Auskunft von Condor wie geplant durchgeführt. Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage von Condor*.

Andere Tochtergesellschaften:

Thomas Cook Signature, Neckermann Reisen, Bucher Reisen, Öger Tours und Air Marin und Thomas Cook International haben ihren regulären Geschäftsbetrieb eingestellt und den Verkauf von Reisen gestoppt.

  • Gäste mit Abreise bis einschließlich 31.12.2019 können ihre Reise aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht antreten. Dies betrifft sowohl Pauschalreisen als auch gebuchte Einzelleistungen.
  • Für Reisen mit Reiseantrittsdatum ab dem 1.1.2020 wird in Abstimmung mit der Insolvenzversicherung die weitere Vorgehensweise geprüft. Buchungen können derzeit nicht kostenfrei geändert oder storniert werden. Betroffene Kunden können sich für Informationen zum weiteren Vorgehen an den von der Zurich Insurance plc Niederlassung für Deutschland beauftragten Dienstleister KAERA* wenden.
  • Gäste, die sich bereits im Zielgebiet befinden und deren Reise einen Sicherungsschein enthält, können ihren Urlaub regulär bis zum geplanten Ende fortführen. Hotelpartner sowie die Transferagenturen und Airline Partner haben eine Kostenübernahmeerklärung der Insolvenzversicherung erhalten.
  • Kunden sollten für gebuchte Reisen keine Überweisungen für Restzahlungen mehr vornehmen. Seitens der Unternehmen sollten keine Lastschriften oder Einzüge über Kreditkarten mehr erfolgen. Betroffene sollten aber dennoch ihre Kontoauszüge prüfen und sich ggf. an die Kreditinstitute bzw. den Insolvenzverwalter wenden.

Tour Vital:

Tour Vital gehört nicht zum Thomas Cook Konzern. Aufgrund der „schwierigen Bedingungen am Reisemarkt“ hat die Tour Vital Touristik GmbH aber ebenfalls einen Insolvenzantrag gestellt. Alle Reisen wurden abgesagt. Der Schadensabwickler des Insolvenzabsicherers (Zurich Insurance plc) ist die Travelsafe Assisstance GmbH & Co KG, E-Mail tsa@travelsafe.de, Telefon + 49 (0) 851 52152. Weitere Informationen finden betroffene Reisende auf der Homepage von Tour Vital*.


Was man generell beachten sollte

Urlauber, die bereits unterwegs sind

Für Pauschalurlauber, die derzeit unterwegs sind, sind die Hotelaufenthalte, Transfers und Rückflüge nach Auskunft des Insolvenzabsicherers gesichert. Reisende, die bereits den vollen Reisepreis entrichtet haben, sind vor Ort nicht zu weiteren Zahlungen verpflichtet. Dennoch fordern einige Hotels oder Airlines, die von Thomas Cook noch kein Geld bekommen haben, weitere Zahlungen direkt vom Urlauber. Der Insolvenzabsicherer Zurich Insurance plc hat eine Kostenübernahmeerklärung an Hotelpartner, die Transferagenturen und Airline Partner abgegeben. Die Kostenübernahmeerklärung (Hotel und Flug) kann in deutscher und englischer Sprache bei KAERA* abgerufen werden.

Daneben hat die Versicherung angekündigt, bereits jetzt 50 Prozent der ausstehenden Zahlungen an die Hotels anzuweisen. Kommt es trotzdem zu Problemen mit dem Hotel oder der Airline, kann in Einzelfällen die für den Aufenthaltsort zuständige Deutsche Auslandsvertretung* helfen.

Wer als Individualreisender seinen Flug direkt gebucht hat, muss sich unmittelbar an die Airline wenden. Allerdings gibt es keinen Anspruch auf Rücktransport und auf Erstattung der Kosten – diese können nur im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden. Der ADAC rät Urlaubern, die vor Ort noch einmal zur Kasse gebeten werden, sich alle Zahlungen quittieren zu lassen. Bei erheblichen Problemen mit ihrem Hotel können sie sich auch an die für Ihren Aufenthaltsort zuständige Deutsche Auslandsvertretungwenden.

Urlauber mit Abreisedatum ab 1. Januar 2020

Gegenwärtig wird in Abstimmung mit der Insolvenzversicherung geprüft, ob Pauschalreisen stattfinden können. Falls nicht, bekommen die Kunden über den Sicherungsschein ihr Geld zurück. Nach aktuellen Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalter werden momentan keine Zahlungen von den Kunden gefordert. Es werden keine Lastschriften eingelöst oder Beträge von Kreditkarten abgebucht. Die Kunden sollen keine Überweisungen mehr tätigen. Individualtouristen sollten klären, ob der Flug stattfindet oder die Hotelbuchung Bestand hat. Falls nein, besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Kostenerstattung. Nach Anmeldung einer Insolvenz müssen diese aber im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden. Erfahrungsgemäß bleibt hier für den Einzelnen jedoch nur wenig übrig. Eine Reiserücktrittversicherung tritt hier nicht ein.

Detaillierte Informationen, auf was sich Reisende im Falle der Insolvenz einer Airline oder eines Veranstalters einstellen müssen, erfahren Sie hier.

Das sind die häufigsten Fragen

  1. An wen muss ich mich nach der Insolvenzanmeldung wenden?
    Nach Insolvenzanmeldung entscheidet der (vorläufige) Insolvenzverwalter darüber, ob Buchungen noch erfüllt werden. Bei bereits begonnenen Pauschalreisen kann der im Sicherungsschein genannte Absicherer entscheiden, ob die Reise fortgesetzt wird. Der Versicherer Zurich Insurance plc hat die KAERAfür die Abwicklung beauftragt. Auf deren Homepage steht auch ein Online-Formular zur Anmeldung von Ansprüchen zur Verfügung. Individualtouristen müssen ihre Forderungen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Insolvenzverwalter geltend machen.
  2. Wann muss ich meine Forderungen stellen?
    Pauschalreisende, bei denen bereits feststeht, dass die Reise oder einzelne Leistungen ausfallen, sollten ihre Forderungen möglichst zeitnah beim Absicherer geltend machen.
  3. Bin ich auch abgesichert, wenn ich eine Individualreise über einen Vermittler gebucht habe?
    Bei Buchungen von Einzelleistungen über einen Vermittler gibt es keinen Insolvenzsicherungsschein. Das Risiko einer Insolvenz des Leistungserbringers trägt in diesen Fällen der Kunde. Etwas anderes gilt nur, wenn er die Leistungen über einen sog. Vermittler verbundener Reiseleistungen gebucht hat. Dieser muss seine eigene Insolvenz absichern. Ob der Kunde eine vermittelte verbundene Reiseleistung erworben hat, ergibt sich aus dem in diesem Fall ausgehändigten Informationsschreiben.
  4. Ich habe den Reisepreis für eine bereits abgesagte Reise schon bezahlt. Wie bekomme ich mein Geld zurück?
    Pauschalreise:
    Bei Reisen, die bereits abgesagt wurden, besteht ein Direktanspruch gegenüber dem Sicherungsgeber auf Rückzahlung des Reisepreises. Der Name des Sicherungsgebers ergibt sich aus dem Sicherungsschein. Der Versicherer Zurich Insurance plc hat die KAERA* für die Abwicklung beauftragt. Auf deren Homepage können Forderungen auch online geltend gemacht werden. KAERA prüft die Eintrittspflicht und Regulierung der einzelnen Ansprüche zum Insolvenzverfahren.
    Individualreise: Bei individuell gebuchten Leistungen (z.B. nur Flug oder nur Hotel) gibt es keinen Sicherungsschein. Wird die gebuchte Leistung storniert, müssen daraus entstehende Ansprüche als Forderungen im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden. Ob und wenn ja wieviel Geld zurückgefordert werden kann, hängt davon ab, ob die Insolvenzmasse zur Begleichung der Forderungen ausreicht.
  5. Welche Zahlungen sind über den Sicherungsschein abgesichert?
    Fallen Reiseleistungen aus, die bereits bezahlt sind, kann der Reisende bei Eintritt des Versicherungsfalls (Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz) über den Sicherungsschein von der Versicherung die Rückzahlung des bereits gezahlten Reisepreises verlangen. Abgesichert sind auch Zahlungen, die vom Reisenden erneut gefordert werden, obwohl sie bereits im Reisegesamtpreis enthalten waren, z.B. Hotelkosten, die vor Ort nochmal gefordert werden.
  6. Sind auch Reisepreisminderungs- oder Schadensersatzansprüche abgesichert?
    Für Gewährleistungs- und Schadensersatzansprüche (z.B. Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit oder Stornokosten eines Mietfahrzeugs) gegen den insolventen Reiseveranstalter bietet der Sicherungsschein keine Absicherung.
  7. Habe ich auch bei einer Pauschalreise ein Kostenrisiko?
    Die Haftungshöchstsumme, die ein Versicherer für ein Geschäftsjahr (1.11.- 31.10.) vorhalten muss, ist auf 110 Millionen Euro begrenzt. Möglicherweise könnte bei einer Vielzahl an Betroffenen das Geld knapp werden. Genaueres ist nach der gegenwärtigen Lage noch nicht absehbar. Reisende, die eine volle Entschädigung erhalten haben, müssen mit Rückzahlungen rechnen, wenn die Haftungshöchstsumme erreicht wird. Voraussetzung ist hierbei ein entsprechender Vorbehalt im Sicherungsschein.
  8. Kann ich die Kosten über eine Reiserücktrittsversicherung geltend machen?
    Nein, die Reiserücktrittsversicherung sichert nur Fälle ab, die in der Person der Reisenden liegen. Nur eine zusätzlich abgeschlossene Insolvenzversicherung sichert den Reisepreis im Falle einer Zahlungsunfähigkeit ab. Da eine solche Insolvenzabsicherung beispielsweise über eine Kreditkarte existieren kann, kann sich der Betroffene mit seinem Kreditkarteninstitut in Verbindung setzen.

Vorsicht: Abzocke durch betrügerische E-Mails!

Verbraucher erhalten derzeit betrügerische E-Mails mit dem Betreff: "Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise." Damit sollen z.B. Pass- und Kreditkartendaten abgefragt werden. Thomas Cook informiert auf seiner Website, keine E-Mails dieser Art an Kunden verschickt zu haben und rät dazu, die E-Mail zu ignorieren und zu löschen.

Kostenfreie Rechtsberatung für ADAC Mitglieder

Homepage Thomas Cook*

Text: KD und NP, Fachliche Beratung: Ressort Recht

Foto: ddp/Niels Poulsen

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de

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