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Münster | 14.11.2019

Lkw-Unfälle: Studie fordert mehr Schutz für Fußgänger

Abbiegender LKW und Fahrradfahrer
Lkw-Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern enden oft tödlich

Dass Lkw in Städten eine Gefahr für Radfahrer sind, ist bekannt. Nun hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) eine Studie zu Lkw-Unfällen mit Fußgängern vorgestellt.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Lkw sind für Fußgänger eine ähnlich große Gefahr wie für Radfahrer

    Bei Unfällen mit Lkw über 3,5t starben 2018 in Deutschland 54 Fußgänger, das sind etwa so viele Tote wie bei Unfällen zwischen Lkw und Radfahrern (52). 148 Fußgänger wurden schwer und 242 leicht verletzt.


  • Unfälle ereignen sich oft, wenn ein Lkw aus dem Stand anfährt

    Bei rund der Hälfte der Unfälle war weder eine Straßenkreuzung, noch eine Einmündung oder ein Kreisverkehr im Spiel. Besondere Gefahren lauern z.B. beim Ladeverkehr oder in Stausituationen.


  • Die beteiligten Fußgänger sind häufig Senioren, die sich unmittelbar vor oder neben einem Lkw bewegen

    Ältere Menschen sind häufig nicht mehr so reaktionsschnell wie junge und öfter als diese auch physisch eingeschränkt.

Lösungsansätze

Um Unfälle zu verhindern schlagen die Verfasser der Studie konkrete Gegenmaßnahmen vor:

  • Tiefergesetzte Lkw-Fahrerhäuser

    Diese ermöglichen eine bessere Sicht auf das Geschehen unmittelbar vor und neben dem Lkw.

  • Assistenzsysteme mit Fußgängererkennung im Bereich vor der Lkw-Front

    Diese könnten das Anfahren verhindern, wenn sich ein Fußgänger unmittelbar vor dem Fahrzeug aufhält.

  • Vermeidung von Sichtbehinderungen im Fahrerhaus

    Dies lässt sich z.B. durch einen Verzicht auf Dekoartikel oder Vorhänge erreichen.

  • Verstärkte Aufklärungsmaßnahmen

    Dadurch könnte man Fußgänger und Lkw-Fahrer besser für die drohenden Gefahren sensibilisieren.


Das sagt der ADAC

Der ADAC hält die Ergebnisse der Studie grundsätzlich für plausibel. Ergänzend ist Folgendes anzumerken:

  • Im Gegensatz z.B. zu Bussen befindet sich bei Lkw über 3,5 t der Motor unter dem Fahrerhaus. Das schränkt die Möglichkeiten ein, den Arbeitsplatz des Lkw-Fahrers tiefer anzuordnen. Es gibt allerdings schon lange die Forderung, in den Türen mehr Glaselemente einzusetzen, um die Sicht zur Seite zu verbessern.
  • Ein eingreifendes Assistenzsystem, das ein Anfahren verhindert, wenn sich Personen im Nahbereich des Fahrzeugs befinden, erscheint eine gute und plausible Lösung – zumal Fehlauslösungen in der Regel keine gravierenden Folgen hätten.
  • Sichtbehinderungen im Fahrerhaus zu vermeiden, ist sinnvoll. Zu bedenken ist hier allerdings, dass auch "amtliche" Aufkleber auf der Scheibe (etwa Umweltplakette, Autobahn-Vignette, Anwohnerparkberechtigung) oder On-Board-Units (z.B. GO-Box) die Sicht verdecken können.

 

Grundlage der Untersuchung waren die Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) sowie eine Analyse von Schadensakten der Kraftfahrt-Versicherer.

Die vollständige Untersuchung der UDV zu Lkw-Unfällen finden Sie hier*

 

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Text: Norbert Prack. Foto: SZ Photo/Stephan Rumpf.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de

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