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Luxemburg | 27.06.2019

Flugverspätung: Richter geben Ryanair Recht

Flugzeug von Ryanair am Himmel

Bei einer Flugverspätung erhalten Passagiere keine Entschädigung, wenn die Maschine wegen ausgelaufenen Treibstoffs auf dem Rollfeld nicht starten kann. Die Airline kann sich in diesem Fall auf sogenannte außergewöhnliche Umstände berufen. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH).
 

Flugzeug kann wegen Treibstoff auf der Startbahn nicht abheben

Der vom belgischen Kläger gebuchte Ryanair-Flug von Venedig nach Charleroi hatte über vier Stunden Verspätung. Das Flugzeug konnte nicht abheben, weil die Startbahn wegen ausgelaufenen Treibstoffs geschlossen werden musste. Der Treibstoff stammte von einem anderen Flugzeug. Der Fluggast verlangte wegen der Flugverspätung von der Airline eine pauschale Entschädigung von 250 Euro. Die Airline lehnte die Zahlung ab, weil die Verspätung auf sogenannten außergewöhnlichen Umständen beruhe. Der Fluggast klagte. Das belgische Gericht legte den Fall dem Europäischen Gerichtshof zur Auslegung der entsprechenden Vorschriften der EU-Fluggastrechteverordnung vor.
 

Airline muss keinen Ersatz für die Verspätung leisten

Eine Fluglinie muss bei einer Flugverspätung keine Entschädigung an den Passagier bezahlen, wenn sie nachweisen kann, dass die Verspätung auf "außergewöhnliche Umstände" zurückgeht, die sich von der Airline auch mit zumutbaren Maßnahmen nicht hätten vermeiden lassen.

Die Richter des EuGH sahen in ausgelaufenem Treibstoff auf der Rollbahn sogenannte außergewöhnliche Umstände, da der Treibstoff nicht von einem Flugzeug der gebuchten Airline stammte. Dass aus einem anderen Flugzeug Treibstoff auslaufe und in Folge dessen die Startbahn geschlossen werden müsse und eine Verspätung entstehe, könne nicht als Teil der Tätigkeit einer Airline angesehen werden. Solche Umstände seien von der Airline nicht zu beherrschen, so die Richter. Die Instandhaltung des Rollfelds falle nicht in die Zuständigkeit der Airline. Vielmehr müsse diese die Entscheidung der Flughafenbehörden, das Rollfeld zu schließen, verbindlich befolgen. Die Airline muss wegen dem Vorliegen "außergewöhnlicher Umstände" keine Entschädigung an den Passagier zahlen.

Sollten Sie von einer Flugverspätung betroffen sein, finden Sie hier Hilfe bei der Einschätzung Ihrer Ansprüche 

Tipp Icon

Das sagen die ADAC Juristen:

Das EuGH-Urteil zeigt auf, dass nicht jede Flugverspätung zu einer Entschädigungszahlung für den Passagier führt. Eine Fluggesellschaft kann sich dann entlasten, wenn die Ursache für die Flugverspätung nicht in ihrem Einflussbereich liegt und sie auch keine Maßnahmen zur Verhinderung der Verspätung ergreifen kann.  

Foto: Shutterstock/Vytautas Kielaitis

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de