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Rossendorf | 25.06.2019

Deutsche Firma macht Meeresplastik zu Diesel

Plastikmüll an einem Strand auf Bali

Es gibt immer mehr Plastikmüll – der vor allem im Meer zum Problem wird. Eine Firma bei Dresden hat ein Verfahren entwickelt, um aus Plastikabfällen Diesel herzustellen. Experten sehen nur einen Haken.

  • Aus einem Kilogramm Plastik wird ein Liter Kraftstoff
  • Recycling-Anlage ist nur so groß wie ein Container
  • Die Idee könnte das Müllproblem an Stränden etwas entschärfen

 

Ein grauer Container, darin eine Anlage mit Rohren, Behältern und jeder Menge Technik. Es brummt und rattert, in der Luft hängt der Geruch von Öl. Für Oliver Riedel ist "WASTX Plastic" ein "Herzensprojekt". Der nach vielen Jahren Forschungsarbeit nun fertiggestellte Prototyp soll Plastikabfälle zu Kraftstoff verarbeiten – etwa 250 Kilogramm pro Tag. "Ein Kilo Plastik ergibt etwa einen Liter Kraftstoff", sagt der Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Biofabrik mit Sitz in Rossendorf bei Dresden.

Riedel hat eine Vision: Vermüllte Strände, an denen Kommunen oder Hotels die Anlagen aufstellen. Touristen und Einheimische, die ihren Plastikmüll hineinschmeißen und Geld dafür bekommen, etwa über den Zahldienst Paypal. Fischer, die den Müll aus ihren Netzen entsorgen – oder gleich eine Anlage an Bord stehen haben.

Plastik zu Diesel: Das Verfahren ist nicht neu

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Oliver Riedel, Geschäftsführer der Firma White Refinery GmbH
Biofabrik-Chef Oliver Riedel ist stolz auf sein Projekt

"Dann fangen die Leute vielleicht an, mehr Plastik am Strand oder im Meer aufzusammeln", sagt der 43-Jährige. So würde nicht nur der Müllberg schrumpfen, sondern zugleich Kraftstoff produziert: Der kann für Schiffe oder Stromgeneratoren verwendet werden. "Denn viele Inseln, die ein Plastikmüllproblem haben, haben auch ein Energieproblem." Für die empfindlichen Pkw-Dieselmotoren mit ihren filigranen Einspritzanlagen dürfte der Kraftstoff aber eher nicht geeignet sein.

Das Verfahren, auf das Riedel setzt, ist nicht neu: Bei der Pyrolyse werden Kunststoffe bei hohen Temperaturen zu Gas oder in Flüssigkeit umgewandelt. Riedel und sein Team haben spezielle Reaktoren entwickelt: Die kleingehäckselten Plastikabfälle werden darin unter Entzug von Sauerstoff bei 500 Grad erhitzt, Abfälle wie Sand und Salz herausgefiltert. Am Ende tropft eine dunkle, zähe Flüssigkeit mit Diesel-Eigenschaften heraus.

Bedruckte Aludeckel, Verpackungen mit Lebensmittelresten, Dachpappe oder Fischernetze kann die Anlage zu Öl umwandeln - Sachen, die nicht recycelt werden können und deshalb zum Großteil verbrannt werden.

Riedel arbeitet mit einem 25-köpfigen Team aus Wissenschaftlern, Mechatronikern und Ingenieuren. In Asien sah er Berge von Plastikmüll und kam auf die Idee, daraus Kraftstoff zu machen. Ein Jahr lang reiste er durch die Welt, um sich verschiedene Anlagen anzuschauen, erzählt der Geschäftsmann.

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Der Plastikberg wird immer größer 

Kürzlich veröffentlichte Zahlen im "Plastikatlas" der Umweltorganisation BUND sind drastisch: Über 400 Millionen Tonnen Kunststoff werden pro Jahr weltweit hergestellt, zwischen 1950 und 2015 waren es insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen. Nicht einmal ein Zehntel wurde recycelt. Jeder Deutsche verursachte 2016 durchschnittlich 38 Kilogramm Plastikmüll.

Was er sah, war meist zu teuer oder zu wenig effizient. "Wir wollten kleine, dezentrale Anlagen, die jeder mit dem Tablet bedienen kann, die profitabel sind und deutsche Umweltstandards erfüllen." Sechs Jahre lang forschten Riedel und sein Team – mit vielen Rückschlägen.

Roman Maletz, der am Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der TU Dresden über Kunststoffrecycling forscht, hält die Umwandlung von Plastik in Rohstoffe für den richtigen Ansatz. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass die technische Umsetzung schwierig sei. Wirtschaftlich sei das Verfahren nur sinnvoll, wenn man große Anlagen betreibe. Diese wiederum seien aber durch den sehr unterschiedlichen Abfall störanfällig. Zudem sei die Umwandlung energieintensiv.

Eine Wundermaschine ist schwer vorstellbar

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aus Plastik gewonnener Diesel
Aus der Maschine kommt diese zähe, braune Flüssigkeit

Maletz sieht daher vor allem Potenzial bei großen Energiekonzernen. So will etwa der Chemiekonzern BASF mit dem Projekt "ChemCycling" aus Kunststoffen Synthesegas oder Öle herstellen, die fossile Rohstoffe in der Produktion teils ersetzen sollen.

Auch der österreichische Energiekonzern OMV hat ein Verfahren entwickelt, mit dem aus Plastikabfällen Rohöl gewonnen werden kann. Dabei werden gebrauchte Plastikverpackungen und -folien durch Hitze- und Druck zu synthetischem Rohöl. Pro Stunde können so aus rund 100 Kilogramm Verpackungsmüll 100 Liter Rohöl gewonnen werden.

In den vergangenen zwei Jahren habe sich viel bei der Verwandlung von Kunststoffen in seine Ausgangsbausteine getan, so Maletz. "Aber eine Wundermaschine, wo man allen Plastikabfall reinsteckt und mit einer guten Energiebilanz ein super Öl herauskommt, kann ich mir schwer vorstellen."

Biofabrik-Chef Riedel ist dennoch optimistisch, dass sich seine Anlage bewährt: Die erste "WASTX Plastic" soll demnächst beim Verpackungsspezialisten Schur Star Systems in Flensburg laufen. 1000 Kilogramm Plastikmüll kann sie pro Tag verarbeiten. Mit Händlern in 35 Ländern ist Riedel im Gespräch, Verträge gebe es mit Händlern in Australien, Japan, USA, Korea und der Türkei. Bis Jahresende will er in den 20 größten Industrienationen mit Händlern vor Ort arbeiten – unter dem Motto: "Trash to cash" (Müll zu Geld).

Text: Christiane Raatz/dpa. Fotos: Shutterstock/Maxim Blinkov, Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa (2)

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