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München | 27.06.2019

München: Abbiegeassistenten für mehr Sicherheit

Abbiegen mit Fahrrad in der stadt Gefahr droht

Die Stadt München hat mehrere Maßnahmen beschlossen, um Rechtsabbiege-Unfälle künftig zu verhindern. Im Mai wurde dort ein Kind von einem rechtsabbiegenden Lkw getötet.

Bis Ende 2019 sollen in München alle städtischen Lastwagen mit Assistenzsystemen nachgerüstet werden, die den Toten Winkel neben den Lkw überwachen. Außerdem will die Stadt nur noch Firmen beauftragen, deren Lkw über Abbiegeassistenten verfügen. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat will zudem prüfen, an welchen Kreuzungen es sinnvoll ist, Radwege für eine bessere Sichtbarkeit rot einzufärben, und ob besonders gefahrenträchtige Kreuzungen für Lkw ohne Abbiegehilfe gesperrt werden könnten. Im Gespräch sind auch neue Radwege an vielbefahrenen Straßen. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung

Erst im Mai wurde in der bayerischen Landeshauptstadt ein Kind von einem rechtsabbiegenden Lkw getötet – die Debatte über die Sicherheit von Radfahrern ist seitdem noch intensiver geworden. Im Jahr 2017 starben laut Statistischem Bundesamt deutschlandweit 37 Radfahrer bei Zusammenstößen mit rechtsabbiegenden Lkw.

Um schwere Unfälle von Radfahrern und Fußgängern mit Lkw zu verhindern, hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer jüngst das Förderprogramm für Lkw-Abbiegeassistenten um weitere fünf Millionen Euro aufgestockt.

Lkw-Abbiegeassistenten im Test

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ADAC Test abbiegeassistent
Die Assistenten wurden u.a. auf einem abgesperrten Gelände getestet

In einem aktuellen Test hat der ADAC verfügbare Abbiegeassistenten überprüft – sowohl auf dem Testgelände als auch unter realen Verkehrsbedingungen. Die Unterschiede zwischen den verfügbaren Technologien sind dabei erheblich: Neben Ultraschall mit einem Kamera-Monitor-System (KMS) gibt es auch Systeme, die mit Radar- bzw. Kameratechnik arbeiten. Andere können mittels zweier "intelligenter" Kameras ungeschützte Verkehrsteilnehmer identifizieren und die noch verbleibende Zeit bis zu einer möglichen Kollision berechnen.

Die geprüften Systeme schnitten überwiegend positiv ab. Allerdings konnte kein Abbiegeassistent im Test einen Radfahrer erkennen, wenn sich zwischen Radfahrspur und Lkw-Fahrspur ein Hindernis befand. Hier sollten die Hersteller rasch technisch nachbessern.

Pilotversuch "grüner Pfeil" für Radfahrer

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Abbiegen mit dem fahrrad rechts frei grüner Pfeil
Die Ergebnisse des Tests mit dem grünen Radfahrer-Pfeil stehen noch aus

Neben den Abbiegeassistenten für Lkw erhofft man sich auch von einem "grünen Pfeil" speziell für Radfahrer mehr Sicherheit. Eine Testphase läuft derzeit in München und acht anderen deutschen Großstädten. Das Verkehrsschild mit dem grünen Pfeil rechts neben einer Ampel erlaubt Radfahrern bei Rotlicht das Rechtsabbiegen nach vorherigem Anhalten.

Der Pilotversuch der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) soll zeigen, ob eine Beschränkung der Regelung auf den Radverkehr die Verkehrssicherheit erhöht. Die Ergebnisse werden für Anfang 2020 erwartet und sollen in Empfehlungen für eine Änderung der Straßenverkehrsordnung (StVO) münden.

Bundesverkehrsminister Scheuer will den Grünpfeil zusammen mit weiteren Maßnahmen zur Radverkehrsförderung jedoch bereits kurzfristig in die StVO übernehmen. Auch wenn aus dem Ausland bereits positive Erfahrungen vorliegen, empfiehlt der ADAC, zunächst die Ergebnisse aus dem Pilotversuch der BASt abzuwarten. Radfahrer können bereits jetzt zum Beispiel in einigen französischen Städten (Paris, Nantes, Bordeaux, Straßburg) bei Rot an ausgewählten Ampeln nach rechts abbiegen.

 

Text: Andrea Piechotta. Fotos: SZ-Photo/Alessandra Schellnegger (2), ADAC/Andre Kirsch

Kontakt zur Redaktion:  redaktion@adac.de