Der Spuk dauerte nur wenige Minuten und blieb zunächst von der Crew unbemerkt. Ob ein paar Fittings defekt waren oder der Wassereinbruch in die 600.000-Euro-Yacht andere Ursachen haben konnte, werden wohl Sachverständige klären müssen. Fakt ist, dass dem Skipper gerade noch genug Zeit blieb, SAR in Rijeka zu verständigen, bevor die Segelyacht bis zum Deck in der Adria vor Piskera (Dalmatien) versunken war und nur noch der Mast die Havariestelle entsprechend markierte. Jetzt begann ein Wettlauf mit der Zeit. Das Search-and-Rescue-Boot war schnell vor Ort, um die Passagiere aufzunehmen, die die Yacht bereits aufgegeben hatten. In der Zentrale in Rijeka hatte der umsichtige diensthabende Einsatzleiter aber bereits mitgedacht und direkt nach der Alarmierung der SAR-Rettungskräfte auch die „Gelben Engel“ von SeaHelp benachrichtigt.
Der für den Einsatzabschnitt Zadar zuständige Ladislav Pribil war in nur zehn Minuten am Havarieort und konnte im ersten Angriff ein weiteres Absinken der Yacht verhindern. Das war auch dringend notwendig, denn die Adria ist an der Stelle gut 110 Meter tief. Wäre der Segler komplett gesunden, hätte das zu einem Totalverlust der Yacht geführt. Ladislav Pribil, selbst eingefleischter Segler und zuständig bei SeaHelp für den Küstenabschnitt von Murter bis Simuni weis, was in solchen Fällen zu tun ist. Zielstrebig taucht er in die Kabine ein und platziert dort einen Spezialballon, der vom SeaHelp-Einsatzboot mit Pressluft gefüllt wird und einmal aufgeblasen für einen Auftrieb von gut zwei Tonnen sorgt.
Die Arbeit unter Deck in völliger Dunkelheit ist allerdings nicht ungefährlich. Im Wasser der überfluteten Kabine treiben scharfkantige Messer, zersplitterte Gläser und andere Gegenstände umher, die nicht nur den Retter bei einer unbedachten Bewegung erheblich verletzen könnten, sondern auch den Ballon, der für den notwendigen Auftrieb sorgt, zerstören können.
Unterstützung bekam Ladislav Pribil von Drago Jurièev, den die SeaHelp-Einsatzzentrale mit weiterem schweren Bergegerät umgehend von Vodice zum Havrieort beorderte. In gemeinsamer Arbeit gelang es den erfahrenen Einsatzkräften schließlich, die Yacht zu stabilisieren und sie auf eine Sandbank in Küstennähe zu schleppen. Dabei mussten die Beiden erhöhte Vorsicht walten lassen, denn trotz des Bergeballons bestand immer noch die Gefahr des Sinkens. Für eine Distanz von zwei Seemeilen benötigten sie sechs Stunden. SeaHelp-Chef Wolfgang Dauser, der die Bergung in der Einsatzzentrale Punat begleitete: „Das ist der kritischte Punkt der gesamten Bergung. Taucht die Yacht einmal unter Wasser, können weitere Luftblasen im Schiffsrumpf geflutet werden. Dann nützen auch unsere Bergeballons nichts.“ Deshalb entschloss man sich, den Segler quer zu schleppen.
Auf der Sandbank war die Gefahr zunächst gebannt. Weitere Bergeballons mit einem Gesamtauftrieb von 20 Tonnen, die Yasin Buweden von Punat aus zum Bergeort brachte, sorgten für entsprechenden Auftrieb, während gleichzeitig zwei überdimensionale Pumpen mit einer Leistungsstärke von je 2000 Litern pro Minute zum Einsatz kamen. Wolfgang Dauser erklärt weiter: „Nur wenn wir es schaffen, mehr Wasser aus dem Schiff zu pumpen, als von außen nachläuft, haben wir eine Chance.“ Nach fünf Stunden hatten die beiden SeaHelp-Mitarbeiter den Kampf gegen das Wasser im Boot schließlich gewonnen. In dieser Zeit waren insgesamt mehr als 1,2 Mio. Liter Salzwasser aus dem Schiff gepumpt worden, wesentlich mehr, als nachlaufen konnte.
Mitglied bei SeaHelp wird man bereits bei Abschluss eines Charterpasses für 50 Euro pro Jahr. Skipper, die ADAC Mitglied sind, erhalten darauf wie auch auf alle weiteren SeaHelp-Leistungen eine Ermäßigung. Mehr darüber ist auch auf der Internetseite www.sea-help.eu zu erfahren.