Ähnlich wie bei den Algenblüten handelt es sich beim Algenschleim um ein Phänomen, das durch eine Massenvermehrung von Mikroalgen ausgelöst wird und zu dicken Algenschleimteppichen auf der Wasseroberfläche führen kann. Der Algenschleim ist eine Absonderung bestimmter Algenarten, der sich bei massenhafter Entstehung im Meer zu einer zähen Schleimschicht verbinden kann, in der neben den Algen und den Schleimabsonderungen selbst auch Meeresplankton und Schmutzpartikel zusammenbacken.
Der Schleim entsteht nicht an der Oberfläche, sondern in tieferen Meeresschichten. Dort produzieren die vielen hunderttausend Algenzellen pro Liter Wasser zunächst kleine Flocken, die auch als „Meeresschnee“ bezeichnet werden. Diese Flocken können, wenn die Algenentwicklung anhält, zu Fäden oder kleinen netzartigen Gebilden von mehreren Zentimetern Länge zusammenkleben. Schließlich bilden sich meterlange watteartige Gebilde, die im Wasser schweben und in denen sich wie in einem Netz viele Planktonorganismen verfangen.
Nach einiger Zeit entstehen durch die Verwesung der Planktonorganismen im Schleim und durch die Photosynthesetätigkeit der Algen Gasblasen in diesen Schleimwatten, und das Material treibt an die Meeresoberfläche. An der Oberfläche zersetzen sich die Organismen und verbreiten einen unangenehmen Geruch.
1989 waren ganze Buchten an der Oberen Adria mit diesen bräunlichen, gärenden Algenschleimmatten bedeckt. Wissenschaftler konnten damals bei Überwachungsflügen lange Bänder aus dem Material entlang der Küste erkennen. Diese weithin sichtbaren Verschmutzungen fügten dem Tourismus großen Schaden zu. Für den unter den Algenmatten befindlichen Lebensraum war die Situation jedoch noch verheerender: An manchen Stellen sank nach stärkerem Wellengang ein Großteil des Algenschleims ab und überdeckte den gesamten Meeresboden. Die Folge waren Sauerstoffmangelsituationen, die in Folge der bakteriellen Zersetzung des Materials auftraten.
Trotz einiger, sehr warmer Sommer in den vergangenen Jahren traten die Algenschleimteppiche an der Adria nur lokal und in geringerem Ausmaß als 1989 auf. Hohe Temperaturen und wenig bewegtes Meer führen nicht zwangsläufig zum Auftreten von Algenschleim. Die Bedingungen, die zu einer Überproduktion von Biomasse führen, sind komplizierter. Bis heute gibt es keine eindeutigen Erklärungen für das Auftreten des Algenschleimes.
Entgegen der Berichterstattung in der Boulevardpresse kann bezüglich der vom Algenschleim ausgehenden Gefahren Entwarnung gegeben werden. Der Algenschleim ist für den Menschen ungefährlich und stellt vielmehr ein ästhetisches Problem dar. Wer will schon in dicken braunen Algenteppichen baden? Wenn überhaupt, dann ist eine gesundheitliche Gefährdung allenfalls durch sekundär im Algenschleim angereicherte Schadstoffe, die von den darin enthaltenen Mikroorganismen und Verschmutzungen herrühren, denkbar.
Abzuraten ist vom Baden im Bereich von Algenschleimansammlungen. An angrenzenden Stränden, auf denen sich keine Algenteppiche befinden, kann jedoch bedenkenlos gebadet werden. Grundsätzlich kann man sich in EU-Ländern und in Kroatien darauf verlassen, dass die Wasserqualität an offiziellen Stränden überwacht wird und dass bei Belastungen Badeverbote ausgesprochen werden.