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ADAC-Reisemagazin Garmisch-Partenkirchen

Menschen in Garmisch-Partenkirchen

Eine sportliche Raserin, fünf Klangköniginnen, ein Himmelsstürmer und ein Überflieger, zwei Trachtenschneider, ein moderner Freskenmaler, ein erfinderischer Schauspieler, ein Bobbauer und ein Mann, der nicht ohne Maske leben kann

Die Trachtenschneider

 
Es gehört zu den Privilegien der Kindheit, dass manche Dinge wiederkehrend einfach und verlässlich sind. Bei Thomas Grasegger, heute 51, war es die kurze Lederhose. Jeden Tag hat er die als Bub angezogen, von Mai bis Oktober, selbst im Italien-Urlaub hat er darauf bestanden. Den Inhaber des gleichnamigen Garmischer Trachtenhauses und seinen 24-jährigen Sohn Franz sieht man auch heute oft in der Hirschledernen.

Mit Marketing hat das nur am Rande zu tun. „Trachten“, sagt Vater Grasegger, „sind ein Zeichen der Verwurzelung.“ Und vielleicht rührt aus dieser Verwachsenheit mit der Herkunft auch die Passion, mit der die Graseggers das heimische Textilhandwerk pflegen. Die Dirndl, die Janker, Hemden und Joppen entstehen in einer eigenen Manufaktur. Der Loden kommt vom letzten bayerischen Lodenweber, das Leder aus Österreich. Dass Trachten inzwischen so en vogue sind, das freut den Vater wie den Filius, der kürzlich in das elterliche Geschäft eingestiegen ist. Und doch gibt es da den feinen Unterschied. „Für viele ist es eine Kostümierung“, sagt der Vater. „Für uns“, ergänzt der Sohn, „ist es Lebensgefühl.“ So wie eh und je.

www.trachten-grasegger.com

Der Freskenmaler

Die Mutter hätte es gern gesehen, wenn er Beamter geworden wäre. Aber das wollte Gerhard Ester nicht. Ein Sturschädel war er wohl damals schon. Mit 17 ließ er sich zum Restaurator und Kirchenmaler ausbilden. Noch heute, mit 71, übt er den Beruf mit jener Inbrunst aus, die einen Künstler von einem Beamten unterscheidet. Er ist einer der gefragtesten Kunst- und Lüftlmaler der Region.

Doch „Künstlergetue“ liegt ihm nicht: „Restaurieren heißt, sich dem Werk unterzuordnen.“ Ester ist viel unterwegs, er hat in Kanada, den USA und Japan gearbeitet. Daheim sieht man ihn abends oft im Bräustüberl sitzen, dann ist er der Maler aus dem Ort. Den wilden Künstler lebt er privat. „Wenn ich etwas loswerden muss, batzel ich auf einer Leinwand herum.“ So wird der Sturkopf wieder frei.

www.ester-arts.de

Die KlangKöniginnen

Alphornspielen: Wer dabei an ein Ensemble aus gesetzten, älteren Herren denkt, war noch nicht in Garmisch- Partenkirchen. Hier geben die Damen den Ton an: Die Werdenfelser Alpenbläserinnen sind junge Musikerinnen, die sich über die Region hinaus einen Namen gemacht haben. Küken Johanna Gentes (kniend) ist seit ein paar Monaten mit Feuereifer dabei. Die 16-Jährige findet Alphornspielen einfach cool. Am Anfang war sie zwar skeptisch: „Ich bin doch gar nicht bayerisch!“

Überzeugungsarbeit leistete ihre Schwester Katharina, die schon länger bei den Alpenbläserinnen spielt. Besonders deren Chefin hat sie dafür begeistert: Elisabeth Heilmann-Reimche (Zweite von links) hat als ausgebildete Musikerin ihre Liebe zum Alphorn schon vor Jahren entdeckt. 1997 gründete sie das Ensemble. Seitdem kümmert sie sich um die 3-Meter-Instrumente und die rot-blaue Tracht. Am liebsten geht sie mit ihren „Madeln“ auf den Berg: „Da klingt das Alphorn so schön voll“, wie sie sagt. Bis zu zehn Kilometer weit reicht sein Klang. Wenn sie Zeit hat, unterrichtet Heilmann-Reimche Touristen – oder komponiert. Neuester Coup, von den Fans sehnsüchtig erwartet, ist die „Maria-Riesch-Polka“.

www.alphorn-zugspitze.de

Der Himmelsstürmer

Oh ja, eine kleine Kühnheit sei das durchaus, sagt Architekt Dieter Wallmann, in die „von Gott wohlgeformte Landschaft“ solch eine Guckstation zu pflanzen. Oberhalb der Bergstation der Alpspitze ragt Wallmanns Aussichtsplattform AlpspiX mit ihren x-förmig überkreuzten Stahlstegen ins Gebirge. 60 Tonnen Stahl ließ Wallmann in knapp 2680 Meter Höhe verbauen. Auf der anderen Seite: Ist es nicht auch eine Huldigungsplattform für die Faszination der Schöpfung? Grandiose Schauerlebnisse gewährt die Konstruktion, an deren Ende der Blick in fast 1000 Meter Tiefe fällt. „Es geht um den Kick des Hinausgehens“, sagt Wallmann, 54. „Da draußen nimmst du das Panorama ganz anders wahr.“

Der Wiener Architekt hat Erfahrung im Umgang mit Naturgewalten. Er hat schon viele Skywalks auf Gipfeln platziert und Wasserkraftwerke gebaut. Die AlpspiX ist sein erstes deutsches Projekt – in einer Gegend, „die sogar noch aufgeräumter ist als meine Heimat“, wie der gebürtige Salzburger verwundert feststellte. Auch Wallmanns Puls geht etwas schneller, wenn er sich auf die Plattform stellt. Dann redet er sich gut zu. „Das trägt mich schon, ich hab’s doch selbst gebaut.“

www.zugspitze.de

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