Führerscheinkosten: Die Preise fahren Achterbahn
Qualität ist die eine Sache, der Preis eine andere - vor allem für junge Leute. Eines ist klar: Kein Fahrschüler ist wie der andere, und jede Fahrschule bietet ihre eigene Qualität. Persönliche Ansprüche, Fahrvermögen, Vorlieben für Auto und Fahrlehrer spielen auf Seiten des Fahrschülers eine Rolle. Doch auch die Fahrschulen bieten sehr unterschiedliche Qualitätsstandards an. Das beginnt bei den Fahrzeugen, geht über die Ausbildung der Fahrlehrer bis hin zur Ausstattung der Schulungsräume. Für beide Seiten ist jedoch eines ganz wichtig: der Preis. Und der ist gemäß aktueller ADAC-Studie sehr unterschiedlich.
Das teuerste Angebot im bundesweiten ADAC-Preisvergleich "Pkw-Führerschein" lieferte eine Fahrschule in der oberbayerischen Kleinstadt Freising: Mit 2 434,20 Euro war der Fahrschüler dabei. Eine Fahrschule in Berlin hingegen verlangte weniger als die Hälfte, nämlich 1 146,70 Euro. Die Preisgestaltung hängt allerdings sehr stark vom Preisgefüge in der jeweiligen Region ab. Da Fahrschüler ihren Führerschein ohnehin nur in ihrer Heimatstadt machen können, sind diese Differenzen für sie auch gar nicht so wichtig. Von großer Wichtigkeit allerdings sind die Unterschiede in ihrer eigenen Stadt. Und auch die sind erheblich. In Leipzig zum Beispiel: Zwischen der teuersten und der billigsten Fahrschule liegen 760 Euro Differenz.
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Im Osten günstig, im Süden teuer
Zugegeben, das sind die Spitzenwerte des Vergleichs. Im Durchschnitt kostet der Führerschein mit einem Mittelwert von 25 normalen Fahrstunden 1 706 Euro. Insgesamt am günstigsten fährt der Fahrschüler in Wittenberg/ Sachsen-Anhalt mit 1 371 Euro, fast gleichauf liegt Leipzig. Auch die nächsten vier Plätze belegen ostdeutsche Städte. Spitzenpositionen mit Kosten von mehr als 2 000 Euro im Mittel nehmen hingegen neben Ravensburg/ Baden-Württemberg gleich drei bayerische Städte ein: Straubing, München und auf dem letzten Platz Freising mit 2 219 Euro.
Insgesamt gibt es im ADAC-Preisvergleich nur drei Städte, die mit dem Prädikat sehr günstig ausgezeichnet wurden, und sechs mit günstig. Ein knappes Viertel der Städte bewegt sich auf durchschnittlichem Niveau. Ein Drittel war teuer, vier Städte sogar sehr teuer. Und: In Kleinstädten kostete der Führerschein in der ADAC-Studie mehr als in Großstädten. Vergleicht man die Kleinstädte untereinander, ergibt sich ein Mittelwert von 1 805 Euro, bei den Großstädten hingegen 1 689 Euro. Dabei variieren die Preise innerhalb der Großstädte deutlicher als in den Kleinstädten. Mehr als ein Viertel der Kosten kann durchschnittlich sparen, wer sich in einer großen Stadt für die billigste Fahrschule im Preisvergleich entscheidet. Doch auch hier unterscheiden sich die Städte: Gab es in Leipzig eine Differenz von fast 40 Prozent, so schrumpfte sie in Dortmund auf 15 Prozent oder 279 Euro. In den kleineren Städten lag die Preisspanne im Mittel bei rund 15 Prozent. In Freiberg in Sachsen ergaben sich Unterschiede von fast 518 Euro. Das saarländische Homburg hingegen fiel mit einer Differenz von nur 50 Euro durch erstaunliche Einigkeit bei der Preisgestaltung auf.
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Unterschied bei Fahrstunden, aber auch bei sonstigen Gebühren
Ein Blick auf die einzelnen Leistungen, die den Unterschied auch ausmachen. So schraubt sich die Grundgebühr zum Beispiel von 20 Euro bei einer Fahrschule in Berlin bis 307 Euro bei einer in Freising hoch. In Berlin gab es keine einzige Fahrschule im Vergleich, die für die Vorstellung zur theoretischen Prüfung Geld verlangt. In Düsseldorf gab es dies auch zum Null-Tarif, andere Fahrschulen in der Stadt ließen sich diese Dienstleistung jedoch mit bis zu 100 Euro vergüten. Die teuerste Fahrschule in dieser Hinsicht fand sich mit 134 Euro in Duisburg. Oder die (Fahrschul-) Gebühr für die Vorstellung zur praktischen Prüfung: In Bremen war von 0 bis 125 Euro alles drin, in Leipzig gab es Kosten von 9,50 bis 110 Euro. Am teuersten war eine Fahrschule in München, die dem Fahrschüler mit sage und schreibe 200 Euro extrem tief in die Tasche greift.
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Fahrschüler wichtigster Werbeträger
Das zu den Preisen. Gefragt haben wir aber auch, welche Gründe aus Sicht der Fahrschule dafür verantwortlich sind, dass Fahrschüler die Prüfungen nicht bestehen. Immerhin liegt nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes die Anzahl der nicht bestandenen theoretischen Prüfungen in den vergangenen zehn Jahren konstant bei rund einem Drittel, die der praktischen Prüfungen bei einem Viertel. Gibt es einen differenzierten Blick auf die Durchfallquoten der einzelnen Fahrschulen, der zu einer kritischen Selbstbetrachtung und einer Verbesserung der eigenen Leistung führt? Eher nicht, denn: Fast 80 Prozent der befragten Fahrschulen machen die Faulheit ihrer Schüler beim Lernen und/ oder Prüfungsangst dafür verantwortlich.
Gleichzeitig aber betrachten die Fahrschulen ihre Schüler als wichtigstes Werbemittel. 91 Prozent der Befragten halten eine Empfehlung oder die Mund-zu-Mund-Propaganda für den alleinigen Grund, warum Fahrschüler eine bestimmte Fahrschule auswählen.
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Mehr Transparenz und Standardpreise für Standardelemente
Um angehenden Fahrschülern größte Fairness bezüglich der Kosten zu garantieren, sollten alle Fahrschulen sämtliche Ausbildungskosten detailliert zusammenstellen und dem Fahrschüler vor Vertragsschluss anhand einer Liste aushändigen. Darüber hinaus wäre es hilfreich, Kosten für Standardelemente der Ausbildung wie Grundgebühr und Vorstellung zur theoretischen und praktischen Prüfung bundesweit zu vereinheitlichen, so wie bereits bei den amtlichen Prüfungsgebühren geschehen.
Günstig muss nicht unbedingt gut sein
Der ADAC-Preisvergleich „Pkw-Führerschein“ hat größere Preis-Unterschiede zwischen, aber auch innerhalb der Städte ergeben. Den Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Gerhard von Bressensdorf, wundert das nicht: „Natürlich ist es in Bayern teurer, dort sind ja auch die Mieten für Schulungsräume viel höher als etwa in Sachsen. In ländlicheren Regionen holen Fahrlehrer außerdem ihre Schüler noch von zu Hause ab und legen dabei wesentlich mehr Kilometer zurück, als etwa die in Berlin. Allein die Spritkosten machen da viel aus.“ Deshalb muss die Preisgestaltung immer in Relation zum Preisniveau der Region gesehen werden.
Und: Günstig bedeutet nicht unbedingt auch gut. „Auch wenn die Preise abweichen, kommt es doch in erster Linie darauf an, was den Fahrschülern geboten wird.“, sagt von Bressensdorf. „Guten Unterricht und eine hohe Qualität kann man nicht erwarten, wenn eine Fahrschule so viel billiger ist als andere.“ Wer nur die Preise im Auge hat, kann unter Umständen letztlich auch draufzahlen. Nämlich dann, wenn der Fahrschüler nicht seinem Können entsprechend auf die Prüfungen vorbereitet wird und deshalb durchfällt. Damit werden weitere Stunden – und auch Kosten – fällig.
Methodik: So haben wir untersucht
Rund 26 000 Fahrschulen gibt es in Deutschland, das bedeutet rein rechnerisch eine Fahrschule für 3 144 Einwohner. Der Kunde hat also Auswahl – vor allem in Ballungsgebieten. Zu welcher Fahrschule soll er gehen? Der Fahrlehrer muss stimmen, die Schulung, das Auto, aber auch der Preis. Dass der Führerschein nicht billig zu haben ist, weiß jedes Kind. Doch wo kostet er wie viel? Gibt es große Unterschiede zwischen oder innerhalb der Städte und Regionen? Dieser Frage ging der ADAC, Europas größter Automobilclub und Verbraucherschützer, mit seinem aktuellen Preisvergleich „Pkw-Führerschein“ nach.
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Preise in Groß- und Kleinstädten ermittelt
Nicht die Qualität der Ausbildung, sondern ausschließlich die Kosten dafür standen im Fokus dieses Vergleichs. Befragt wurden je 30 Fahrschulen in den 15 Großstädten Berlin, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart sowie je fünf in den 15 Kleinstädten Freising, Hof und Straubing/ Bayern, Ravensburg/ Baden-Württemberg, Oranienburg/ Brandenburg, Rodgau/ Hessen, Güstrow/ Mecklenburg-Vorpommern, Kleve/ Nordrhein-Westfalen, Peine/ Niedersachsen, Speyer/ Rheinland-Pfalz, Homburg/ Saarland, Freiberg/ Sachsen, Wittenberg/ Sachsen-Anhalt, Elmshorn/ Schleswig-Holstein und Gotha/ Thüringen. Insgesamt waren es 525 Befragungen.
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Ausschließlich Standardpreise abgefragt
Die betreffenden Fahrschulen wurden zwischen Mitte November und Mitte Dezember 2010 von der Firma Tricontes aus München, einem auf Marktforschung und Qualitätssicherung spezialisierten Dienstleistungsunternehmen, telefonisch kontaktiert. Nach einem vorgegebenen Raster wurden ausschließlich die von den Fahrschulen erhobenen Standardpreise ohne zusätzliche Angebote wie zum Beispiel Intensivkurse abgefragt: Grundgebühr inklusive mindestens 14 Doppelstunden Theorie, normale Fahrstunden, Sonderfahrten wie Überland-/ Autobahn- und Nachtfahrt, Übungsbögen sowie die Vorstellung zur Theorie- und zur praktischen Prüfung.
Aus diesen Angaben wurde der fahrschulabhängige Teil der Führerscheinkosten errechnet. Bei der Anzahl der Sonderfahrten wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtstunden zugrunde gelegt: fünf Stunden Überlandfahrt, vier Stunden Autobahnfahrt und drei Stunden Nachtfahrt. Da die Anzahl der normalen Fahrstunden von verschiedenen Faktoren abhängig ist und individuell sehr unterschiedlich sein kann, wurde ein von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) angegebener Mittelwert von 25 Stunden herangezogen. Dieser kann allerdings insbesondere in Großstädten deutlich nach oben abweichen.
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Alle Gebühren und Nebenkosten eingerechnet
Die Gesamtkosten für den Pkw-Führerschein setzen sich jedoch aus vielen einzelnen Posten zusammen. Nicht alle unterliegen der Preisgestaltung der einzelnen Fahrschulen, sondern werden von anderen Dienstleistern vorgegeben. Zu den oben angeführten Kosten wurden deshalb die bundesweit einheitlichen Gebühren von Dekra oder TÜV für die Anmeldung zur Theorie-Prüfung in Höhe von 20,83 Euro und zur praktischen Prüfung von 84,97 Euro hinzugerechnet. Zusätzlich wurde noch ein Pauschalbetrag von 100,40 Euro für Sehtest, Passfoto, Erste-Hilfe-Kurs (Amtsdeutsch: „Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Unfallort“) sowie Gebühren der Behörden für die Beantragung und Ausfertigung des Führerscheins sowie der Erteilung der Fahrerlaubnis einbezogen.
Die Ergebnisse des ADAC-Preisvergleichs drücken sich aus in den Urteilen sehr günstig, günstig und durchschnittlich auf der positiven Seite sowie teuer und sehr teuer auf der negativen Seite.
Neben der Erhebung der Preise wurden die Fahrschulen auch nach ihrer Meinung gefragt, weshalb sich Fahrschüler für eine bestimmte Fahrschule entscheiden, und warum einige die Prüfung nicht bestehen.