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ADAC Test 2011: Rodelbahnen in Wintersportgebieten

Mit dem Lift rauf auf den Berg, mit dem Schlitten runter ins Tal. Da werden Kindheitserinnerungen wach. Doch die Rodelbahnen in den Wintersportorten sind über die kleinen Hügelchen der Kinderzeit längst hinausgewachsen. Da ist Können ebenso gefragt wie die richtige Ausrüstung. Und eine sichere Bahn. Daran allerdings mangelt es in vielen Fällen, wie der erste ADAC Test von Rodelbahnen zeigt.  

 

 


Die längsten Rodelbahnen im Test

„Schnee satt“ lautet jetzt endlich die Devise dieses Winters. Da wird auch das Schlittenfahren zum Vergnügen. Umso mehr, wenn es auf gut präparierten Pisten kilometerlang bergab geht. Auf der Wildkogel-Bahn im österreichischen Bramberg zum Beispiel, der mit 14 Kilometer bei Weitem längsten Bahn im ADAC Test, den sie mit der Note ausreichend bestanden hat. Sie bietet ein gleichmäßiges Gefälle, unterwegs gibt es mehrere Gasthäuser, und Nachtrodeln ist dank der durchgehenden Beleuchtung auch möglich. Obendrein kostet der nackte „Bahnkilometer“ bei Nutzung der Kabinenbahn zum Start hier nur 64 Cent für einen Erwachsenen. Zum Vergleich: Die längste deutsche Bahn im Test am Wallberg im oberbayerischen Rottach-Egern hält mit immerhin 6,1 Kilometer dagegen und hat ebenfalls mit ausreichend abgeschnitten. Sie ist abwechslungsreich und spricht vor allem Rodler mit sportlicher Fahrweise an.


In der folgenden Grafik haben wir die TOP 5 der längsten Bahnen aus unserem Test für Sie zusammengestellt.


Die längsten Rodelstrecken  PDF, 4,21 MB


Erfolg des ADAC Tests: Betreiber rüsten nach

„Dank Ihres Testes wurde auch unser Sicherheitsdenken in Sachen Rodeln geschärft.“ schreibt die Nebelhornbahn als Betreiber der Rodelstrecke von der Seealpe nach Oberstdorf im Allgäu nach unserem Rodelbahn-Test – und rüstete hoch. Dabei hatte sie beim Test von Sicherheit und Service immerhin mit ausreichend abgeschnitten. Aber, so der Betreiber weiter: „Uns liegt es auf jeden Fall sehr am Herzen, unseren Gästen möglichst sichere Rahmenbedingungen für ihre Wintersportaktivitäten zu bieten, und wir sind jeder Zeit dankbar für Hinweise, die diese Sicherheit erhöhen.“ Also hat man Notfallrufnummern am Start deutlich sichtbar plakatiert, das Skifahren auf der Bahn verboten und mehrere Rast- und Wartezonen außerhalb von Gefahrenbereichen eingerichtet. Steilkurven in Kehren wurden mit Netzen oder Schutzmatten gesichert und die Schlussstrecke durch einen Schneewall von der Skiabfahrt getrennt.
  • Hocheck in Oberaudorf und Blomberg in Bad Tölz
    Ebenso vorbildlich reagiert hat die Bahn Hocheck in Oberaudorf, die ein Mangelhaft einstecken musste. Auch hier hat man nach dem ADAC Test, der im vergangenen November veröffentlicht wurde, die Beschilderung erneuert und erweitert, so dass unter anderem Notfallmeldepunkte, -rufnummern und Warnungen vor Gefahrenzonen deutlich zu erkennen sind. Ebenso wurde die Beschneiung als Grundlage der Präparierung ausgebaut. Mit Zahlen warten die Oberaudorfer bei der neu geschaffenen Sicherung gefährlicher Stellen auf: Rund 510 Meter Holzbanden wurden zu diesem Zweck montiert, 380 Meter Erdwälle aufgeschüttet und mehr als 40 Prallmatten montiert.

    Ein Ausreichend erreichte die Rodelbahn am Blomberg in Bad Tölz. Die Tölzer haben ihre Hinweise vor Gefahrenstellen und Kurven nochmals verdichtet und versprechen eine bessere Präparierung dank Ausbau der maschinellen Beschneiung. Feste Hindernisse wurden mit Prallschutzmatten versehen. An potenziellen Absturzstellen wurden Zäune installiert, Holzbanden und Baumstämme dienen als weitere Seitenbegrenzung.
  • Hochjoch in Österreich und Furt-Wangs in der Schweiz
    Eine der drei Bahnen im Test, die mit sehr mangelhaft bewertet wurden, war am Hochjoch im österreichischen Montafon. Da hat man zunächst im Schlittenverleih kräftig ausgemistet, repariert und 100 Schlitten hinzugekauft. Auf den kurzen Auslauf am Ziel wird vor dem Ende der Bahn mit Angabe der Meter hingewiesen. Außerdem ist man derzeit dabei, Hinweise mit Verhaltensregeln und Wegweiser aufzustellen sowie markante Wegpunkte zu beschildern.

    Ebenfalls sehr mangelhaft war die Bahn Furt-Wangs am Pizol in der Schweiz. Inzwischen wurden auch hier Hinweise mit Verhaltensregeln und Notfallrufnummern am Start platziert, seitlich ein Schneewall zur Begrenzung der Bahn geschaffen und Kurven gesichert. Zudem gibt es jetzt eine bessere Präparierung der Bahn (siehe auch Fotos unter "Bilder und Video").
  • Gefahrenbewusstsein und Eigenverantwortung erhöhen
    Der oben bereits erwähnte Betreiber der Seealpe griff einen weiteren Aspekt des sicheren Schlittenfahrens auf: Das unterschiedliche Können der Bahnnutzer. Deshalb müsse auch an eine gewisse Eigenverantwortung appelliert und die Sensibilität für die Gefahren dieses Freiluftsports erhöht werden. Dem schließt sich der ADAC gerne an.

Den Preiskampf entschieden die Deutschen für sich

Deutschland ist konkurrenzlos billig. Zumindest, was das Schlittenfahren anbelangt. Genau 43,83 Euro im Schnitt zahlt eine vierköpfige Familie hierzulande für eine Fahrt bergab. In der Schweiz hingegen kostet das Rodelvergnügen mit sage und schreibe 91,53 Euro mehr als das Doppelte. In Italien (Südtirol) fallen durchschnittlich 54,08 Euro an, in Österreich 52,48 Euro.
  • Preise für eine Bergfahrt, Leihschlitten und Parkplatz
    Der jeweilige Durchschnittspreis gilt für zwei Erwachsene und zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren und setzt sich zusammen aus dem günstigsten Tarif für eine Bergfahrt, den Kosten für vier Leih-Schlitten und einer eventuellen Gebühr für den Parkplatz. Dabei wurden, falls vorhanden, Familientarife und -rabatte berücksichtigt, die unterschiedliche Länge der Bahnen spielte keine Rolle. Der Vergleich basiert auf einer Internetrecherche im Dezember 2011. Im Fokus standen dabei dieselben Strecken wie im Rodelbahn-Test, bei dem Sicherheit und Service bewertet wurden.
  • Preise auch innerhalb Deutschlands vergleichen
    Auch innerhalb Deutschlands lohnt sich übrigens ein Preisvergleich. So zahlt man auf der Hörnle-Bahn im oberbayerischen Bad Kohlgrub mit 29 Euro für die einmalige Fahrt nur ungefähr halb so viel wie auf der teuersten Bahn im Vergleich, der Seealpe in Oberstdorf im Allgäu. Hier muss man stolze 63,50 Euro hinblättern. 54 Euro kostet der Rodelspaß am Hausberg in Garmisch-Partenkirchen. Mit 51 Euro auch nicht eben billig sind der Blomberg in Bad Tölz und der Wallberg in Rottach-Egern. Deutlich preisgünstiger geht es mit 40 Euro auf der Hasenhorn-Bahn in Todtnau im Schwarzwald sowie auf dem Maria Trost Weg in Nesselwang im Allgäu bergab. Nahe beieinander liegen die Preise für die Schlittenfahrt auch auf der Fichtelberg Touristen-Rodelstrecke in Oberwiesenthal im Erzgebirge (36 Euro), der Hocheck-Bahn im oberbayerischen Oberaudorf (36,80 Euro) und der Hornbahn in Bad Hindelang im Allgäu (37 Euro).

Nicht überall gerät das Rodeln zum Vergnügen

Rauf auf den Schlitten und schon geht’s bergab. Schlittenfahren liegt im Trend und macht Spaß. Es kann aber auch mit einem Fiasko enden. Nämlich dann, wenn man die Rodelbahnen unter- und sich selber überschätzt, oder die Anlagen nicht sicher sind. Damit Sie wissen, was Sie erwartet, hat der ADAC, Europas größter Automobilclub, jetzt Reifen mit Kufen getauscht und ist unter die Schlittenfahrer gegangen. 30 Testkandidaten in vier europäischen Wintersport-Ländern wurden in diesem ersten Test von Rodelbahnen in punkto Sicherheit und Service auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis: Viele Anlagen schwächeln deutlich bei der Sicherheit. In Noten ausgedrückt: insgesamt auf der Habenseite drei einsame Sehr Gut, vier Gut, 13 magere Ausreichend, also weder richtig gut noch richtig schlecht. Und auf der Sollseite? Da stehen gleich acht Mangelhaft und drei beschämende Sehr Mangelhaft. Damit ist ein Drittel der Bahnen durchgefallen.
  • Testverlierer in der Schweiz
    Wir bleiben im Soll und stellen als Erstes den Testverlierer an den Pranger: Eiger Run im Schweizerischen Grindelwald heißt die Bahn auf dem letzten Platz mit dem Urteil sehr mangelhaft. Dreieinhalb Kilometer lang und mit einem maximalen Gefälle von 36 Prozent auf rund 100 Metern, schaffte sie nicht einmal ein Viertel der erzielbaren Punkte. Rodelbahn und Skipiste waren nicht getrennt, die Strecke kreuzte Straßen und sogar eine Bahnstrecke, es gab keine Hinweise mit Verhaltensregeln, die Bahn war zum Testzeitpunkt nicht ausreichend präpariert, die Gefahrenstellen waren weder ausgeschildert noch gesichert, von einem Aufprallschutz in einer Tunneldurchfahrt ganz zu schweigen. Diese Defizite konnten das hilfsbereite Lift-Personal und die Tatsache, dass man zwischen mehreren Strecken wählen konnte, bei Weitem nicht ausgleichen. Auch die ebenso komfortable wie beschauliche Eroberung des Berges mittels Zahnradbahn sei hier positiv erwähnt und ebenso das herrliche Panorama, das aber nicht bewertet wurde.
  • Testsieger in Südtirol

    Das Prädikat des Testsiegers darf sich eine Anlage in Sterzing in Südtirol anheften: Die Rodelbahn Rosskopf, bequem per Gondel zu erreichen, sage und schreibe fast zehn Kilometer lang und mit einem maximalen Gefälle von 32 Prozent auf rund 100 Metern. Das verspricht exzellentes Rodelvergnügen – und hält, was es verspricht, sogar nachts. Es gab zahlreiche Hinweise mit Verhaltensregeln und Notfallrufnummern, die Strecke war deutlich beschildert und zum Testzeitpunkt sehr gut präpariert, alle Gefahrenstellen präsentierten sich vorbildlich gesichert.

    Lobend erwähnt werden soll an dieser Stelle auch die Zweitplatzierte im Vergleich, die mit nur denkbar knappem Abstand dem Testsieger auf den Fersen folgt: die Hornbahn im deutschen Bad Hindelang. In einem reinen Rodelgebiet gelegen, bot sie als eine der wenigen Testobjekte mehrere Strecken zur Auswahl, die sich durch Schwierigkeitsgrade (blau, gelb, rot) unterscheiden.


  • Blanke Holzbretter als Absicherung

    Die größten Mängel im Test fanden sich beim Umgang der Betreiber mit Gefahrenstellen. Zur Erinnerung: Bahnen mit Gefahrenstellen erhielten im Gesamtergebnis einen Punkteabzug, der vermieden werden konnte, wenn die Gefahrenstelle angekündigt, im Vorfeld eigens präpariert und die Sicherheit an der Stelle nochmals erhöht wurde. 22 Bahnen insgesamt mussten einen solchen Punkteabzug hinnehmen. Meist haperte es an der Absicherung. Es reicht eben nicht, zum Beispiel Kurven und Kehren lediglich mit Holzbrettern zu sichern, ohne dabei einen Aufprallschutz zu installieren. Oft fehlten auch Fangzäune, der rechtzeitige Hinweis auf die Gefahrenstelle oder die besondere Präparierung wie zum Beispiel die Anlage von Steilkurven. Auch eine seitliche Begrenzung der Fahrspur in Schlittenhöhe, die mit davor schützt, von der Bahn abzukommen und im Wald zu landen oder abzustürzen, ist längst nicht überall Standard.

    Viel zu oft suchten die ADAC Experten auch vergeblich nach Hinweisen mit Verhaltensregeln oder Notfallrufnummern. Die sind ebenso wichtig wie eine deutliche Beschilderung der Strecke, nicht nur, damit sich der Schlittenfahrer orientieren, sondern auch im Fall des Falles Rettungsdiensten den Ort des Geschehens eindeutig mitteilen kann.


  • Die Skistöcke auf Augenhöhe

    Ins Gehege kommen sich Wintersportler, wenn die Bahnen nicht ausschließlich Schlittenfahrern vorbehalten sind, sondern auch als Skiabfahrt, Wanderweg oder Aufstieg für Tourengänger genutzt werden, wie im Test nicht selten der Fall. Das hemmt nicht nur den Spaß an der Abfahrt, sondern birgt für alle Parteien ein großes Sicherheitsrisiko. Welcher Schlittenfahrer will schon auf einer schmalen Skiabfahrt die Spitzen der Skistöcke in Höhe seines Kopfes erblicken?

    Kein Wort zum Service? Der ist kurz abgehandelt, weil im Großen und Ganzen gut. In den Kategorien Parkplatz, Schlittenverleih, Lift und Gastronomie gab es hie und da zwar mal was zu kritisieren, aber sehr selten richtige Ausreißer nach unten. Selbst die Bahnen auf den letzten Plätzen konnten in punkto Service mit ihren Kolleginnen auf den ersten Plätzen des Vergleichs mithalten.


  • Auch die Sicherheit modernen Standards anpassen
    Bei der Sicherheit muss deutlich nachgebessert werden. Rodelbahnen sind heutzutage über das Stadium eines Forstweges, der zum Schlittenfahren genutzt werden kann, längst hinaus. Wer mit ihnen wirbt, muss sie modernen Standards anpassen. Und darf sie erst dann öffnen, wenn das Wetter eine stabile Schneelage als Basis wirkungsvoller Sicherheitsmaßnahmen zulässt. Bei Skipisten haben die Betreiber den Sicherheitsstandard in den vergangenen Jahren überzeugend angehoben – dies ist bei Rodelbahnen noch längst nicht der Fall.

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Sicherlich haben auch Sie bereits Erfahrungen auf dem Schlitten und auf Rodelbahnen gesammelt. Wie schätzen Sie die Gefahren ein? Und wie ist es um die Sicherheit bei den anderen Wintersportarten bestellt? Mehr

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