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Motorradstiefel

Nie unten ohne!
Weil beim Fahren ohne Motorradhelm Bußgeld droht, beträgt die Tragequote fast 100 Prozent. Bei der restlichen Schutzausrüstung wird leider oft gespart, vor allem beim Schuhwerk. Ein ebenso fataler wie schmerzhafter Irrtum, denn nur gute Motorrad-Stiefel schützen im Falle eines (Un-)Falles. Hier die wichtigsten Tipps der ADAC-Motorradexperten.

Unabhängig von der Größe des motorisierten Zweirades werden die unteren Gliedmaßen laut Statistik bei Unfällen mit mehr als 82 Prozent am häufigsten verletzt. Zehen, Füße, Sprunggelenke und Schienbeine bedürfen deshalb des besonderen Schutzes.

„Turnschuhe oder gar Sandalen haben nicht einmal auf dem Mofa oder dem 50-Kubik-Scooter etwas zu suchen“, rät Ruprecht Müller vom Technik- und Testzentrum des ADAC. Selbst bei „Stadtflitzern“ sind Produkte, die von der Industrie als „Zwitter“ zwischen Freizeitschuh und Motorrad-Stiefel angeboten werden, nicht die beste Wahl: „Sie sind bei weitem nicht so sicher wie gute Motorrad-Stiefel, aber sicher besser als normale Turnschuhe. Alle anderen Piloten sollte zum Eigenschutz zu Stiefeln aus mindestens zwei Millimeter dicken, abriebfesten und schwer entflammbaren Leder greifen, die mehr als nur Mindestkriterien erfüllen.“


  • Hohes Anforderungsprofil

    Im Gegensatz zu Wander- oder Springerstiefeln gehören nämlich neben der Bedeckung der Knöchel auch die der Wade inklusive individueller Passform (Weitenverstellung durch Stretch, Schnallen oder Klettverschluss) auch Verstärkungen im kompletten Zehenbereich, am Knöchel und der Ferse, eine Schalthebel-Verstärkung sowie Schienbeinschutz und abgedeckte Reißverschlüsse zum hohen Anforderungsprofil. Eine stabile Sohle, rutschfest und mit einem Absatz für festen Halt auf den Rasten sollte zudem Standard sein. „Wer wasserdichte und atmungsaktive Modelle mit Reflektoren wählt, erhöht Komfort und Sicherheit“, betont Ruprecht Müller. Schließlich können nasse Füße schneller auskühlen und zu Bewegungseinschränkungen führen. Wer Stiefel mit Nässeschutz wählt, der kann auf „Überzieher“ verzichten.

    Grundsätzlich gilt: Ein Motorradstiefel sollte eng anliegen und fest sitzen, die Füße dürfen aber nicht in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden: Das Bedienen von Gangschaltung und Bremse muss problemlos möglich und die Durchblutung gesichert sein. Bei der Anprobe sollte sowohl auf die richtige Schuhgröße als auch die passenden Socken oder Strümpfe geachtet werden. Viele Vielfahrer besitzen ein Paar Stiefel für Sommer und eines für die anderen Jahreszeiten, das gefüttert ist oder in das auch dicke Thermosocken passen.   

    Beim Kauf von Motorrad-Stiefel empfiehlt es sich grundsätzlich, diese zusammen mit der übrigen Ausrüstung anzuprobieren. Nur so ist sicher, dass die Stiefel im Verbund mit der Lederhose oder -kombi oder dem Fahreranzug aus Textil gut sitzen. Müller: „Die Hosenbeine der Lederkombi müssen in den Stiefelschaft passen.“


  • Sicherheitsstufe eins

    Neben den klassischen Motorrad-Stiefeln werden Modelle für Tourenfahrer, Enduro-/Crosspiloten angeboten, die für den speziellen Einsatzweck optimiert sind. Die große Bandbreite der Stiefel für Sportfahrer reicht vom Straßeneinsatz bis zum Hochsicherheitsschuh für die GP-Strecke. Solch ein deutsches Spitzenprodukt aus rund 100 Einzelteilen kostet denn auch mehr als 500 Euro. Neben einer fast glatten Haut aus extrem reißfestem Känguruh-Leder besitzt es als wichtigstes Sicherheitselement beispielsweise einen verwindungsfesten Innenschuh aus hartem Kunststoff-Verbundmaterial. Zahlreiche Dämpfungs- und Komfortelemente sorgen für möglichst hohen Schutz der Füße, ohne die Beweglichkeit zu sehr einzuschränken. Neben einer besonders stoßdämpfenden und anpassungsfähigen Polsterung unter der Schale kommen in solche High-Tech-Stiefel ein mehrlagiger Schienbeinschutz, stoßabsorbierende Einbauteile im Waden- und Fersenbereich, eine belastbare Scharnier-Gelenk-Verbindung, ein anatomisch geformtes Kugelfersenbett, mehrfaches Aramidgewebe im Zehenbereich und eine komplett schweißabsorbierende Fütterung aus Feinleder zum Einsatz. Eine abriebfeste PU-Schaltverstärkung, auswechselbare Schleifer aus hochabriebfestem Kunststoff oder Hartmetall und eine rutschfeste Spezial-Racingsohle mit extrem verrundeten Absatzkanten gehören ebenso dazu.

    Weil im wahren Leben die Kombination Motorradfahren und Freizeit untrennbar zusammengehört, bleibt als Problem das Laufen in Motorrad-Stiefeln. Eine Stadtbesichtigung in steifen Biker-Boots kann durchaus zur Qual werden. Der ADAC-Tipp: leichte Freizeit- oder Turnschuhe in den Tankrucksack.


  • Pflege gegen Nässe

    Obwohl heute viele Motorrad-Stiefel mit Wasser abweisenden Membranen wie zum Beispiel Gore-Tex ausgestattet sind, müssen auch solche Stiefel nach der Reinigung regelmäßig mit Nässe-Stopp imprägniert werden, um das Vollsaugen des Leders zu reduzieren. Sind die Stiefel doch einmal nass geworden, sollten sie als erstes mit der Sohle nach oben aufgestellt werden, damit das Wasser zwischen Futter und Obermaterial leichter entweichen kann. Trocknen durch Ausstopfen mit zerknülltem Zeitungspapier ist auch bei modernen Boots nötig: Ist das Oberleder voll gesogen und nass, kann sich im Stiefel über Nacht Rückstellfeuchtigkeit einstellen und sich das Futter feucht anfühlen. Der Stiefel ist dennoch dicht.


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